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Hochwasser:München verhängt Bade- und Bootverbot auf der Isar

Der Wasserstand der Isar ist seit Sonntag stark angestiegen.

(Foto: Stephan Rumpf)

Trübes Wasser, reißende Strömung, Treibholz - und ein Pegelstand von drei Metern: Für die Isar in München gilt die Hochwassermeldestufe 2, im gesamten Stadtgebiet sollte man sich besser fernhalten.

Von Tom Soyer

Das Münchner Referat für Klima- und Umweltschutz hat ein Bade- und Bootfahrverbot für die Isar erlassen. Es gilt im Stadtgebiet München von der südlichen Grenze nach der Großhesseloher Brücke bis zur Leinthalerbrücke im Norden. Das Landratsamt München hat das Bootsfahrverbot zumden auf den Landkreis erweitert.

In der Isar schwimmt wegen der starken Regenfälle und Überschwemmungen gerade sehr viel Treibholz, das Wasser ist stark getrübt und die Strömung teils reißend. Dadurch, so schreibt die Stadt in ihrer Mitteilung "besteht eine erhebliche Gefahr für Leib und Leben, wenn Personen in der Isar baden oder die Isar mit Booten und sonstigen Schwimmkörpern jeglicher Art befahren". Auch nach Absinken der Pegel ist die Isar trüb, es können sich Strudel und Wasserwalzen bilden, und Treibgut ist unter der Wasseroberfläche nicht erkennbar.

Auch rechts und links der Isar trifft die Stadt Sicherheitsvorkehrungen: Aus Sicherheitsgründen hat das Baureferat die Rad- und Fußwege auf der Ostseite der Isar sowie den Flauchersteg vorerst gesperrt. Die Sperrungen werden einige Tage andauern.

Wenn die Isar anschwillt und zugleich aus Deutschlands Westen, aus dem Berchtesgadener Land, aus dem Salzburger Land und aus Tirol Katastrophenmeldungen eingehen, dann kann der Münchner schon mal sorgenvoll ins Flussbett schauen.

Ergiebige Regenfälle am Alpenrand bescheren der Isar sehr viel Zufluss von der Loisach, die im Oberland teils ziemlich ausgeufert ist (Meldestufe 3). An der Isar selbst ist die Lage aber noch vergleichsweise ruhig. Am Dienstagmorgen rauschten am Pegel München 415 Kubikmeter Isarwasser pro Sekunde durch - das ist eine reißende Isar, aber weitaus weniger als bei der Rekordmenge vom August 2005, als bei einem Pegel von 542 Zentimetern 1050 Kubikmeter je Sekunde durch München strömten. Der Pegel lag am Dienstagmorgen bei etwa 310 Zentimetern.

Bereits bei einem Stand von 240 Zentimeter wird Meldestufe 1 erreicht. Dabei wird dann zwischen Thalkirchen und Corneliusbrücke das gesamte Isarvorland überflutet. Meldestufe 2 tritt bei einem Pegelstand von 300 Zentimetern in Kraft. Bei dieser Marke werden Flauchersteg und Marienklausensteg sicherheitshalber gesperrt - die Tierparkbrücke bleibt normalerweise bis zu einem Pegel von 450 Zentimetern offen.

Woher das Wasser in der Isar kommt

Rettungseinsatz am Flaucher

Gefährlicher Einsatz am Flaucher: Die Münchner Berufsfeuerwehr hat eine von Isarfluten eingeschlossene Person mit diesem Motorboot von einer Kiesinsel gerettet.

(Foto: Tom Soyer)

Warum die Isar jetzt nochmal anschwillt, obwohl es doch gar nicht mehr regnet? Das erklärt der Hochwassernachrichtendienst Bayern (HND) mit dem erheblichen Anstieg des Wasserspiegels im Sylvensteinspeicher. Um neuen Hochwasserstauraum zu schaffen, müsse mehr Wasser in die Isar abgelassen werden, "so dass trotz Sonnenschein noch mit länger andauerndem Hochwasser in der Isar zu rechnen ist".

Rettungseinsatz am Flaucher: Feuerwehr muss Person retten

Am Sonntag haben die Rettungskräfte gegen 16 Uhr in München Großalarm ausgelöst, weil ein Mann auf einer Insel unterhalb des Flauchersteges von der reißenden und anschwellenden Isar eingeschlossen war. Mit einem Großaufgebot wurde der Steg gesperrt für die Rettungsaktion, die sich zunächst auch deshalb hinzog, weil nicht klar war, wie viele Personen möglicherweise von jener Insel befreit werden mussten.

Ein Polizeihubschrauber kreiste lange Zeit über Thalkirchen und Sendling im Bereich des Flauchersteges, Taucher- und Motorboot-Gruppen der Berufsfeuerwehr machten sich unterdessen einsatzbereit. Schließlich entschieden sich die Einsatzleiter zur Rettung per Motorboot der Feuerwehr, das mit einem Seil an der Flaucherbrücke gegen die reißende Strömung gesichert wurde. Der Mann sei unverletzt geborgen worden, nähere Details gab die Polizei nicht bekannt.

Bei den Einsatzkräften zeigte sich Erleichterung nach der schwierigen Bergung - weil sich Retter bei so einer Aktion selbst in Gefahr begeben müssen. Wohl deshalb waren auch so viele Taucher und sonstige Helfer parat und hatten im Bereich der Schinderkreppe eine Menge Gerät aufgefahren.

Die Bergung des Mannes drängte auch deshalb, weil die Behörden für die Nacht auf Montag noch einmal mit einem Anschwellen der Isar rechnen. Bis zum Ende der Rettungsaktion lag der Isarpegel in München bei 258 Zentimetern, bei stark steigender Tendenz.

© SZ vom 19.07.2021/infu/mmo
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