Fußball-EM in München:Wenn nach dem Spiel die Maske fällt

Fußball EM - Vor dem Spiel Portugal - Deutschland

"Bei Spontan-Feiern außerhalb der Stadien gibt es kein Hygienekonzept": Fans vor dem Spiel der deutschen Elf gegen Portugal am Samstag.

(Foto: Matthias Balk/picture alliance/dpa)

Politiker pochen vor dem Spiel in München auf Einhaltung der Hygieneregeln im Stadion, die Hauptgefahr aber könnte woanders lauern.

Von Heiner Effern

Wunderbare Werbebilder hat man sich gewünscht, nicht zuletzt deshalb hat sich München um vier Partien der Europameisterschaft bemüht. Nun sehen die Zuschauer an den Bildschirmen tatsächlich die deutsche Mannschaft in der Arena im Norden der Stadt spielen, aber sie nehmen eben auch wahr, dass viele Fans im Stadion keine Lust auf das Tragen der Maske haben. Dabei müssen sie laut dem strengen Hygienekonzept ausdrücklich auch am Platz Mund und Nase bedecken.

Der bayerische Gesundheitsminister Klaus Holetschek (CSU) rüffelte nach dem Sieg gegen Portugal den Deutschen Fußball-Bund (DFB) als Veranstalter zum zweiten Mal und drohte dem Profifußball mit Konsequenzen. Die Staatsregierung fasse die EM als Modellversuch für Spiele mit Zuschauern in der Pandemie auf, sagte er. Sollten die Regeln nicht eingehalten werden, könnten die Stadien leer bleiben wie im vergangenen Jahr, so die Botschaft.

Die Münchner Gesundheitsreferentin Beatrix Zurek (SPD) setzt sich ebenfalls für das Tragen der Maske und für Abstände auf den Tribünen ein, doch sie fürchtet, dass sich das Virus ganz andere Wege suchen wird. "Die Fan-Euphorie ist überall da, und bei Spontan-Feiern außerhalb der Stadien gibt es kein Hygienekonzept."

Dort kontrolliere im Gegensatz zur Arena niemand, ob jemand genesen, geimpft oder negativ getestet sei, dort achte niemand auf Abstände oder das Tragen von Masken. "Da sind wir auf die Vernunft der Leute angewiesen." Auf das Spiel am Mittwoch gegen Ungarn blicke sie deshalb mit Sorge. Die TV-Bilder von dort zeigten "eine gewisse Leichtfertigkeit" im Umgang mit der Pandemie, sagte Zurek.

Ob sich die Europameisterschaft bereits auf die Zahl der Neuansteckungen oder die Verbreitung der hochansteckenden Delta-Variante auswirkt, das kann die Münchner Gesundheitsbehörde noch nicht sagen. Dafür ist der Zeitraum vom ersten Spieltag bis zur aktuellen Erhebung der Daten zu kurz.

Aktuell liegt der Inzidenzwert in München bei 9,8, die Zahl der registrierten Fälle der Delta-Variante in den vergangenen 14 Tagen beträgt 9. Diese ist in England schon weitverbreitet, die Stadt verweist darauf, dass sich bei dem Viertelfinale am 2. Juli in München mit möglicher Beteiligung der englischen Mannschaft deren anreisende Fans in Quarantäne begeben müssten, egal ob sie geimpft oder genesen sind. "Da gibt es keine Ausnahmen", sagte die Gesundheitsreferentin.

Bayerns Gesundheitsminister zeigt sich streng, sein Chef aber wirbt für ein weiteres Spiel in München

Auch wenn erst die Hälfte der vier EM-Spiele in München absolviert ist, grundsätzlich zeigen sich die Behörden mit der Umsetzung des Hygienekonzepts zufrieden. Der öffentliche Nahverkehr fährt für die erlaubten 14 500 Zuschauer vor den Spielen fast den Takt wie bei einer voll besetzten Arena mit 70 000 Fans. Eigene Veranstaltungen für Public Viewing hat die Stadt nicht zugelassen. Die Wirte dürfen die Spiele auf Fernsehern oder Leinwänden zeigen, klagen zum Teil aber über die strengen Auflagen. Sollten mehr als 1000 Zuschauer in einen der großen Biergärten kommen, herrscht Testpflicht.

Bleibt die Debatte um die Masken. Der DFB besserte bereits zum zweiten Spiel nach, mit Anzeigen und Durchsagen im Stadion sowie mit mehr Ordnungs- und Sicherheitskräften, Covid-Stewards und freiwilligen Helfern, die an die Maskenpflicht erinnerten. Und zur dritten Partie will der Verband noch mal nachjustieren.

Auch wenn der bayerische Gesundheitsminister sehr kritisch auf die Spiele schaut, scheint sein Chef und Parteifreund Markus Söder (CSU) sehr zufrieden zu sein. Am Montag jedenfalls bewarb sich der bayerische Ministerpräsident öffentlich um ein weiteres Spiel in München, falls die Partien in England wegen der dort grassierenden Corona-Variante verlegt werden müssten.

© SZ/rpr
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