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Comic:München aus Entenhausener Sicht

Donald Duck in München

Die verrückte Maschine ist der Aufhänger für eine wilde Jagd durch München - und bis in die Schweiz.

(Foto: © 2020 Disney/ Egmont Comic Collection)

Der Disney-Konzern schickt Donald Duck in einem neuen Comic-Band in die bayerische Landeshauptstadt. Das Deutsche Museum und das Oktoberfest sind die Stationen - und ein paar kleine Fehler haben sich eingeschlichen.

Von Franz Kotteder

"Himmikruzifix! Jetzt langt's mir aber!", Mit diesen Worten ist die erste Sprechblase gefüllt, und das ist durchaus programmatisch zu verstehen. Ein Kellner auf dem Oktoberfest sagt sie zu Onkel Dagobert, der offenbar zum wiederholten Male einen Eierkuchen bei ihm bestellt. Damit nimmt das Unglück seinen Lauf, damit beginnt "Donald Duck in München", ein Comic-Band um die berühmteste Ente der Welt. Er ist jetzt gerade gleichzeitig mit "Donald Duck in Berlin" erschienen, und wenn man den Band über München kennt, macht man sich fast Sorgen um die Hauptstadt.

München nämlich wird dann doch ein wenig sehr aus Entenhausener Perspektive betrachtet. Nicht nur, weil Donald Duck mit seinen drei Neffen Tick, Trick und Track sich auf den 48 Seiten nur etwa ganze 18 Seiten lang in München aufhält und den Rest in der Schweiz. Das scheint für den amerikanischen Markt so ziemlich einerlei zu sein. Auch ansonsten findet sich in dieser späten Fortsetzung von Walt Disneys lustigen Taschenbüchern aus den späten Sechzigerjahren viel unfreiwillige Komik. Die Geschichte handelt von einer Deutschlandreise Dagobert Ducks, der gerade einen Geldspeicher in der Schweiz gebaut hat und nun in München von dem Erfinder Vergesserlhuber erfährt, der eine Maschine zur Umwandlung von Bananenschalen in Eier konstruiert hat. Da wittert er ein Geschäft, aber leider klauen die Panzerknacker die Maschine, die Dagobert mit seiner Sippe zuvor im Deutschen Museum in einem Oldtimer versteckt hatte.

So beknackt die Story ohnehin schon ist: Münchner Leser werden viel Neues aus ihr erfahren. Demnach gibt es in ihrer Stadt den "Pannendienst Peer Pneuke", den man sonst vielleicht eher in Hamburg oder Kiel verortet hätte. Und mit der Adresse "Auf den Wiesen" kann man hierorts auch nicht allzu viel anfangen. Aber der ortsfremde Norddeutsche, ahnungslos wie er nun einmal ist, verwendet das manchmal als Synonym für "Oktoberfest", respektive "Wiesn" (zur Ehrenrettung der Entenhausener sei gesagt: Das passiert auch dem Nachrichtenmagazin Spiegel mit seiner großen Dokumentationsabteilung gelegentlich noch). Dass das Verkehrszentrum längst einen eigenen Standort abseits des Haupthauses hat: Geschenkt! Als Münchner sollte man dieses Produkt aus der Disney-Comicfabrik gelassen sehen und sich sagen: Schwoam mas obi! Oder, nach Art des Hauses, auch ganz einfach: Schluck!

© SZ vom 10.09.2020/aner
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