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SZ-Serie: Auf dem Sockel:Leit schauts, wia i schau!

Es ist noch Platz am Tisch von Helmut Fischer: Der Künstler Nicolai Tregor arbeitet bereits an einer Figur von Helmut Dietl, die dem Schauspieler Gesellschaft leisten soll. 1997 wurde die Fischer-Skulptur an der Münchner Freiheit enthüllt.

(Foto: Stephan Rumpf)

Das Errichten eines Denkmals ist ein komplizierter und langwieriger Prozess - außer es geht um Helmut Fischer.

Von Julian Hans

Man stelle sich vor, der Bürgermeister hat einen guten Spezl; die beiden treffen sich jede Woche in ihrem Stammlokal. Eines Tages stirbt der Spezl, da sagt die Frau vom Bürgermeister: Mei, der Spezl war so ein Netter, dem sollte man ein Denkmal setzen. Der Bürgermeister findet die Idee gut und der Wirt sagt: Des zoih i! Zum Glück kennt die Frau vom Bürgermeister auch einen Bildhauer und kein halbes Jahr später steht das Denkmal.

So lange dauert es in anderen Fällen, bis die Kommission zusammengerufen ist, die dann in zähem Ringen darüber entscheidet, ob eine Person denkmalwürdig ist, wo das Denkmal stehen könnte und wie es aussehen soll. Am Ende sind alle zerstritten und keiner zufrieden. Im Falle von Helmut Fischer bestand die Kommission aus dem Oberbürgermeister Christian Ude, seiner Frau Edith von Welser-Ude und der Familie Eisenrieder, die das Café Freiheit in Schwabing betreibt, in dem Ude und Fischer gemeinsam zu frühstücken pflegten.

Nach dem Tod des Schauspielers 1997 begann ein wahrer Wettlauf der Stadtbezirke um sein Andenken: Die Bürger auf der Schwanthalerhöhe wünschten sich eine Helmut-Fischer-Straße. Neuhausen wollte eine Gedenktafel an Fischers Geburtshaus in der Donnersbergerstraße. Aber Ude setzte sich durch und gab Schwabing den Zuschlag; schließlich sei die Gegend um den Kaiserplatz Fischers Wahlheimat gewesen. Im November 1997 wurde die Skulptur an der Münchner Freiheit enthüllt, ein Jahr später bekam ein paar Hundert Meter weiter die Kreuzung zwischen Herzogstraße, Rankestraße und Fallmerayerstraße den Namen Helmut-Fischer-Platz.

Die Skulptur des Künstlers Nicolai Tregor ist eine Ausnahme in der Stadt: Kein staatstragender Götze auf einem Sockel, sondern der beliebte Volksschauspieler mitten unter dem Volk in seiner größten Rolle als Monaco Franze: "Spatzl schau, wia i schau." Die Zeiten, in denen der ewige Stenz hier ganz alleine nach den Damen Ausschau halten konnte, gehen allerdings zu Ende. Nicolai Tregor arbeitet bereits an einer neuen Figur, die ihm Gesellschaft leisten soll.

Es ist keine Frau und auch nicht der Alt-Oberbürgermeister Ude, der ja früher gern mit Fischer an diesem Tisch im Schatten der Kastanie saß. Sondern der 2015 verstorbene Regisseur Helmut Dietl, der Schöpfer des Monaco Franze. Aber wer weiß, wenn eines Tages Christian Ude endgültig abtritt, müssen die bronzenen Gäste am Tisch vor dem Café Freiheit vielleicht noch ein bisschen zusammenrücken.

© SZ vom 31.07.2020/lfr

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