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Corona-Pandemie:München verbietet Alkohol-Ausschank in der Nacht

Zwar galt an den vergangenen Wochenenden an manchen Münchner Plätzen ein Verbot, Alkohol zu trinken. Der Ausschank in der Gastronomie unterlag bisher aber keinen besonderen Corona-Regeln.

(Foto: Sebastian Gabriel)

Zudem gilt in der bayerischen Landeshauptstadt von Mittwoch an wieder eine Maskenpflicht in der Fußgängerzone - für zwei Wochen. Die Gastronomen sind entsetzt.

Von Franz Kotteder und Kassian Stroh

Ein Alkohol-Ausschankverbot in der Nacht, eine stärkere Begrenzung von Kontakten, eine Maskenpflicht in der Fußgängerzone: Mit deutlich schärferen Beschränkungen will die Stadt München den zunehmenden Corona-Infektionen begegnen. So dürfen Gastronomen künftig nach 22 Uhr keinen Alkohol mehr ausschenken - darauf hat sich der städtische Krisenstab am Montagvormittag geeinigt. Das Verbot soll stadtweit von Mittwoch an gelten. Ebenso wie eine Verschärfung der Kontaktbeschränkung: So dürfen sich in München künftig nur noch Verwandte und Mitglieder zweier Haushalte treffen - oder aber Gruppen von maximal fünf Personen. Das gilt auch für gemeinsame Restaurant-Besuche. Bayernweit liegt diese Höchstzahl bei zehn.

Außerdem tritt in der Fußgängerzone der Altstadt wieder die Maskenpflicht in Kraft, wie das Rathaus am Mittag mitteilte. Die Teilnehmerzahl bei privaten Feiern oder Vereinstreffen wird auf 25 in geschlossenen Räumen oder bis zu 50 Personen im Freien beschränkt. Alle diese Regeln gelten bis zum 27. Oktober, also für zwei Wochen.

Die Münchner Gastronomen sind über das nächtliche Ausschankverbot entsetzt. Christian Schottenhamel, Kreisvorsitzender des Hotel- und Gaststättenverbands Dehoga und Wirt vom Nockherberg, sprach von "Aktionismus, weil man nicht weiß, wo man sonst angreifen könnte gegen die steigenden Zahlen". Dass das Robert-Koch-Institut des Bundes die Infektionsgefahr in der Gastronomie bei lediglich 0,5 Prozent sehe, werde negiert und nicht wahrgenommen. Das Verbot des Ausschanks nach 22 Uhr sei eher kontraproduktiv und führe nur dazu, "dass man sich privat trifft - ohne Maske, mit viel zu viel Personen, in enger Umgebung, ohne Lüftung". Ähnlich sieht das die CSU im Stadtrat: "Ein früher Schankschluss bestraft die Wirte und Gäste, die sich jetzt schon vernünftig verhalten", sagte Fraktionschef Manuel Pretzl. In Restaurants und Wirtshäusern würden Hygiene- und Abstandsregeln in den allermeisten Fällen eingehalten.

Am Wochenende war nach den Berechnungen des Robert-Koch-Instituts die sogenannte Sieben-Tage-Inzidenz für München wieder auf mehr als 50 gestiegen, genauer: auf 50,6. Dieser Wert beschreibt die Zahl der Neuinfektionen pro 100 000 Einwohnern binnen einer Woche. Liegt er bei mehr als 50, so sind die Kommunen angehalten, strengere Regeln zu erlassen. Das war in München etwa vor drei Wochen der Fall, weshalb die Stadtverwaltung in der letzten Septemberwoche die Kontaktbeschränkung verschärfte und eine Maskenpflicht in der Fußgängerzone der Altstadt erließ. Diese Regelung lief, als die Zahlen wieder sanken, am 1. Oktober aus.

Am vergangenen Freitag hatte die Stadtverwaltung dann angesichts steigender Infektionszahlen verfügt, dass die allgemeine Kontaktbeschränkung, wie sie in ganz Bayern für den öffentlichen Raum gilt, auch für private Räume zwingend ist. Demnach durfte man sich in München höchstens mit neun anderen Personen treffen - oder mit Angehörigen des eigenen Hausstands, Verwandten sowie Angehörigen eines weiteren Hausstands. Auch hatte die Stadt angeordnet, dass bei privaten Feiern oder Vereinstreffen, für die besondere Regeln gelten, nur 25 Personen in Innenräumen und 100 im Freien anwesend sein dürfen; bayernweit liegen die Höchstzahlen bei 100 beziehungsweise 200. Beide Regelungen werden nun von Mittwoch, 14. Oktober, an verschärft. Zudem sind in Münchens Stadien generell Fußballspiele vor Zuschauern bis einschließlich 25. Oktober untersagt.

Nach der Mitteilung des Rathauses vom Mittwoch wird die Kirchweihdult auf dem Mariahilfplatz in der Au stattfinden, sie beginnt am Samstag. Dort werden allerdings höchstens 500 Besucher zugelassen, auch sie müssen eine Mund-Nasen-Bedeckung tragen. Abgesagt wurden aber vier Bürgerversammlungen.

Auch im Münchner Umland steigen die Infektionszahlen. Der benachbarte Landkreis Fürstenfeldbruck liegt laut RKI inzwischen bei einer Sieben-Tage-Inzidenz von 58,8, nach den Berechnungen des örtlichen Gesundheitsamts bei knapp 62. Dort gilt inzwischen an allen weiterführenden Schulen eine Maskenpflicht auch im Unterricht, auch wurde die Höchstteilnehmerzahl von privaten Feiern und Treffen auf 50 begrenzt. Der Landkreis Ebersberg liegt laut RKI nur knapp unter der Marke von 50 Neuinfektionen pro 100 000 Einwohnern binnen einer Woche, der Landkreis München hat mit 39,4 den Frühwarnwert von 35 erneut überschritten.

© SZ.de/kbl
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