Pinakothek der Moderne:20 Jahre alt - und immer noch nicht ausgewachsen

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Pinakothek der Moderne: Andrang und Aufregung: So sah das aus in der Eröffnungswoche im September 2002, als die Münchner ihr neues Museum entdecken durften.

Andrang und Aufregung: So sah das aus in der Eröffnungswoche im September 2002, als die Münchner ihr neues Museum entdecken durften.

(Foto: Haydar Koyupinar/BStGS)

Eine Ausstellung zum 20. Geburtstag der Münchner Pinakothek der Moderne blickt auf die Geschichte des Gebäudes. Und lädt zum Nachdenken über die Zukunft dieser Unvollendeten ein.

Von Jürgen Moises

Was wäre, wenn vor 30 Jahren nicht der Münchner Architekt Stephan Braunfels den Wettbewerb für die Pinakothek der Moderne gewonnen hätte, sondern etwa der Japaner Arata Isozaki? Dessen großer, als "Monument unserer Zeit" gedachter Rundbau wäre jedenfalls eine ganze Spur extravaganter geworden, und man kann sich nun fragen: Wie hätte sich das auf das Areal, die Stadt, die Ausstellungen, die Besucher ausgewirkt? Und wäre er vielleicht sogar das bessere Museum geworden? Das sind rein spekulative Überlegungen, die einen in den Bereich der Fantasie, der Imagination und vielleicht auch der Nostalgie führen. Konkrete Antworten gibt es darauf nicht. Und trotzdem kann es nicht schaden, sich solche Fragen ab und zu zu stellen.

Das hat sich zumindest Ella Neumaier gedacht, die die aktuelle Ausstellung "Zwanzig, und jetzt? Die Pinakothek der Moderne vom Wettbewerb bis heute" kuratiert hat. Der Anlass dafür ist der zwanzigste Geburtstag des Museums, das am 16. September 2002 durch den Bayerischen Ministerpräsidenten Edmund Stoiber eröffnet wurde. Was aber gar nicht so selbstverständlich war. Ursprünglich waren nämlich Erweiterungsgebäude der LMU und der TU München auf dem Gelände geplant, auf dem früher mal die Türkenkaserne stand und das jahrelang als Parkplatz gedient hatte. Dann aber überzeugte Kultusminister Hans Zehetmair die Stadt vom Bau eines Museums der Moderne, das schon länger im Gespräch war. Es kam zum Wettbewerb, und dann war aus Geldgründen bald wieder alles offen. Erst als mehr als 13 Millionen Euro private Spenden gesammelt waren, übernahm der Freistaat Bayern die Finanzierungskosten und gab das Gelände frei.

All das kann man in Kurzfassung noch einmal in der Ausstellung erfahren. Aber nur am Rande, denn der Schwerpunkt liegt auf dem damaligen Wettbewerb, bei dem es 167 Einreichungen gab. Repräsentiert werden diese durch 19 Entwurfsmodelle, die seit vielen Jahren in der Sammlung des Architekturmuseums der TU schlummerten. Hinter diesen stehen neben Braunfels und Isozaki einige weitere klingende Namen wie Andreas Meck oder Herzog & de Meuron. Neben einigen Modellen sind Jury-Zitate aus dem Wettbewerb abgedruckt. Zu sieben Modellen sind zusätzlich Zeichnungen zu sehen, und es gibt Videointerviews mit Architekten, Politikern, Museumsleuten oder Jurymitgliedern, die damals beim Wettbewerb dabei waren.

Der zweite Bauabschnitt steht immer noch aus

Dass die Entwürfe seit 25 Jahren ungezeigt im Archiv lagen, auch das war mit ein Anstoß für die Ausstellung, wie der Direktor des Architekturmuseums Andres Lepik erzählt. Da wäre etwa der von Andreas Meck, der das Gebäude "hochhebt" und fast schwebend aussehend lässt. Auch das ein "wahnsinnig schöner" Entwurf, so Lepik. Andreas Brandt hatte das Museum als eine "introvertierte Galeriestraße" konzipiert und Thomas Britz einen um einen Hof zentrierten Entwurf vorgelegt. Das Siegermodell von Braunfels ist ebenfalls zu sehen, was einem in Erinnerung ruft: Das Gebäude ist gar nicht vollendet! Tatsächlich sollten in einem zweiten Bauabschnitt Räume für die Graphische Sammlung oder Büros entstehen, die das Museum zur Straße hin abschirmen. Aber es gab erneut Geldprobleme, Braunfels und der Freistaat zerstritten sich. Und weil der Architekt auf den Plänen saß, wurde schließlich der Bau des Museums Brandhorst vorgezogen.

Im Februar 2019 hat die Stiftung Pinakothek der Moderne Braunfels die Nutzungsrechte für den zweiten Bauabschnitt abgekauft. Das heißt: Der Weg zur Vollendung ist nun offen, und auch das spielt in die Ausstellung hinein. Der Bauprozess und das fertige, damals noch jungfräuliche Gebäude wiederum werden in Fotoarbeiten von Jakub Moravek und Alexander Timtschenko sowie Zooey Braun gespiegelt. Und auf einem weiteren Foto ist das Ausweichquartier zu sehen, das 2013 wegen der Sanierung und Behebung von Baufehlern nötig war. Somit wird auch dieses Kapitel nicht ganz ausgespart. Es spielt für die Kuratorin Ella Neumaier aber nicht die zentrale Rolle.

Was ihr wichtiger ist, das ist die Zukunft. Deshalb gibt es Zitate von Hans Zehetmaier und Edmund Stoiber vom Richtfest an den Wänden, programmatische Sätze, die man auf aushängenden Zetteln kommentieren kann. Es gibt Video-Interviews mit den Direktoren und Mitarbeitern des Museums, die über Themen wie Vermittlung oder den zweiten Bauabschnitt sprechen. Und in einer Sitzecke warten neben Plakaten und Katalogen weitere Fragen, die man beantworten kann. Was für ein Museum wollen wir? Darauf schnurrt am Ende alles zusammen. Also nicht auf: Was wäre gewesen? Sondern: Wie soll es in Zukunft sein?

Zwanzig, und jetzt?, bis 24. April, Pinakothek der Moderne, Barer Str. 40, www.pinakothek.de

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