Pinakothek der Moderne Jahrhundertchance für das Münchner Kunstareal

Das Ziel sollte tatsächlich sein, auf dem Kunstareal einen Kunstcampus, wie Franz Herzog von Bayern ihn fordert, zu realisieren.

(Foto: Alessandra Schellnegger)

Das Ende eines langen Rechtsstreits zwischen dem Freistaat und dem Architekten Stephan Braunfels eröffnet ganz neue Möglichkeiten rund um die Pinakothek der Moderne - inhaltlich wie ästhetisch.

Kommentar von Evelyn Vogel

Was für eine Chance für das Kunstareal in München. Nachdem der Streit zwischen dem Freistaat und dem Architekten Stephan Braunfels um die Pinakothek der Moderne jahrelang jede weitere Planung gelähmt hat, ist es nun gelungen, Braunfels die Nutzungsrechte für den zweiten Bauabschnitt abzukaufen. Für welche Summe ist nicht bekannt. Bekannt ist jedoch, dass der Vertrag der Stiftung der Pinakothek der Moderne viel planerische Freiheiten einräumt. So wird die Entwicklung des Bereichs rund um das Museum nicht mehr von den früheren Braunfels-Entwürfen abhängig sein.

Mit einem Schlag eröffnen sich ganz neue Möglichkeiten für das gesamte Kunstareal - inhaltlich wie ästhetisch. Auch weil die Gebäude der LMU im nördlichen Bereich der ehemaligen Türkenkaserne in wenigen Jahren zur Disposition stehen. Nun will man ganz neu denken: Es sollen alle Anforderungen der vier Museen unter dem Dach der Pinakothek der Moderne geprüft werden - mit Blick auf Ausstellungs- und Depotflächen sowie Kunstvermittlung und Verwaltung, und auch was die Kooperation mit anderen kulturellen und wissenschaftlichen Institutionen betrifft. Das ist richtig. Es wäre ein Fehler, Jahrzehnte alte Planungen unter veränderten Vorzeichen zu realisieren. Ein lange verfolgtes Ziel darf dabei indes nicht verloren gehen: Die Graphische Sammlung muss endlich den ihr angemessenen Raum bekommen.

Richtig ist auch der Vorsatz, sich Zeit zu lassen. Dass man sich international umschaut und sich beraten lässt. Das Ziel sollte tatsächlich sein, auf dem Kunstareal einen Kunstcampus, wie Franz Herzog von Bayern ihn fordert, zu realisieren. Zahlreiche Workshops, Befragungen und Gutachten zur Zukunft des Kunstareals gab es ja schon. Und nicht zu vergessen einen ebenfalls von der Stiftung Pinakothek der Moderne bei dem Architekten Gunter Henn in Auftrag gegebenen Masterplan. All das sollte man mitbedenken - und auch die Stadt und den Bezirksausschuss einladen, ihre Standpunkte einzubringen und frühere Einwände zu überdenken. Dann liegt in der Entwicklung des Areals eine Jahrhundertchance.

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