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Amerikahaus in München:Ein Heim, das wärmen soll

Diplomatin Robin S. Quinville und Ministerpräsident Markus Söder im neuen Amerikahaus.

Diplomatin Robin S. Quinville und Ministerpräsident Markus Söder im neuen Amerikahaus.

(Foto: Stephan Rumpf)

Nach vierjähriger Sanierung wird das Amerikahaus wiedereröffnet. Dabei geht es am Karolinenplatz auch um die ganz große Politik, Ministerpräsident Söder sieht einen "Beitrag zu mehr Miteinander".

Viel ist an diesem Montagvormittag von der bayerisch-amerikanischen Freundschaft die Rede, der Name des demokratischen Präsidentschaftskandidaten Joe Biden fällt dabei ebenso wie der des Vizepräsidenten Mike Pence, ein Name aber bleibt unausgesprochen, so als würde eine Nennung Unheil auslösen: Donald Trump. Auch Ministerpräsident Markus Söder (CSU) erwähnt ihn nicht, doch im Subtext seiner Ansprache ist der US-Präsident durchaus gegenwärtig, etwa wenn Söder sagt, die Freundschaft zwischen Deutschland und den USA sei derzeit "etwas abgekühlt". Dass sie sich wieder erwärmt, dazu, so Söders Hoffnung, könnte auch das Haus einen Beitrag leisten, zu dessen Wiedereröffnung er an den Karolinenplatz gekommen ist. Nach rund vierjähriger Sanierung öffnet des Münchner Amerikahaus wieder seine Pforten.

Zwar stand einer Re-Opening-Party das Coronavirus entgegen, aber ein goldfarbenes Band zu durchschneiden ist immerhin möglich. Also greift Söder, das weiß-blau-gerautete Coronatuch vor Mund und Nase, zur Schere, während die amtierende US-Botschafterin Robin S. Quinville (blau-roter Mundschutz mit Sternen) und Generalkonsulin Meghan Gregonis (rot mit Sternen) im vorgeschriebenen Sicherheitsabstand zuschauen. Wolfgang Ischinger, der Vorsitzende der Münchner Sicherheitskonferenz, deren Verwaltung Räume im dritten Stock bezieht, hat für die Zeremonie einen Mund-Nasen-Schutz im Design der Europaflagge angelegt.

Vor rund zehn Jahren hatte es so ausgesehen, als wären die Tage des Amerikahauses als Kulturzentrum gezählt. Horst Seehofer, damals noch Ministerpräsident, hätte es gern gesehen, wenn die Acatech, die Deutsche Akademie der Technikwissenschaften, in das denkmalgeschützte Gebäude eingezogen wäre. Dagegen regte sich Protest, so dass die Staatsregierung umschwenkte. Nach der ohnehin fälligen Sanierung, so der Plan, sollte die deutsch-amerikanische Kultureinrichtung wieder auf ihren angestammten Platz zurückkehren - allerdings mit einem anderen Träger. Mittlerweile hat die neu gegründete Stiftung Bayerisches Amerikahaus die Trägerschaft. Alleiniger Gesellschafter ist der Freistaat Bayern.

Ein wichtiges Argument in der damaligen Debatte war die Bedeutung des Hauses für die deutsch-amerikanischen Beziehungen. Im Oktober 1945 hatten die amerikanischen Militärbehörden am Beethovenplatz einen Leseraum eingerichtet, der bald auch der Allgemeinheit zur Verfügung stand. Dort konnten sich die Menschen, die zwölf Jahre NS-Diktatur und den Krieg hinter sich hatten, mit US-amerikanischer Literatur und den Werken deutscher Exilschriftsteller vertraut machen. Über mehrere Stationen hinweg zog die stetig wachsende Bibliothek 1948 in den ehemaligen "Führerbau" an der Arcisstraße, in dem heute die Musikhochschule residiert.

Die Wiedereröffnung des Amerikahauses: Vor rund zehn Jahren war das Bestehen des Kulturzentrums noch nicht gesichert.

(Foto: Stephan Rumpf)

Damals erhielt die Institution auch offiziell den Namen Amerikahaus. Neun Jahre später finanzierte der Freistaat ein neues Gebäudes auf dem Gelände des im Krieg zerstörten Lotzbeck-Palais am Karolinenplatz. Das von den Architekten Karl Fischer und Franz Simm konzipierte lichtdurchflutete Haus sollte ein demokratischer Gegenentwurf zur düsteren NS-Architektur im ehemaligen Parteiviertel sein sowie ein "positives Denkmal" für die Amerikaner, wie Baumeister Simm einmal sagte. Im großen Konzertsaal spielten seinerzeit Größen des Jazz, und als US-Präsident John F. Kennedy im November 1963 ermordet wurde, fand im Amerikahaus und in dessen Garten eine öffentliche Trauerfeier statt. 1997 stellte die US-Regierung ihre Mitwirkung an Kulturzentren wie das Amerikahaus ein. Was zunächst wie das Ende aussah, war ein Neuanfang. Fortan fungierte der Verein "Bayerisch-Amerikanisches Zentrum" als Träger. Das Haus aber kam in die Jahre, eine Generalsanierung war unumgänglich. Rund 27 Millionen Euro haben die Arbeiten gekostet, die in erster Linie die Erneuerung technischer Einrichtungen wie Heizung, Lüftung, Beleuchtung, Bühnentechnik, Dämmung oder Brandschutzvorrichtungen zum Ziel hatten.

Nun also die Wiedereröffnung mit Ministerpräsident Söder; der bezeichnet das Amerikahaus als eine Drehscheibe und ein Bekenntnis. "Das bayerisch-amerikanische Verhältnis ist eine emotionale Beziehung", sagt er. Ja, es gebe wirtschaftliche Kontakte, so seien rund 1500 US-amerikanische Unternehmen in Bayern tätig, und es gebe wissenschaftliche Verbindungen wie etwa 300 Hochschulpartnerschaften - vor allem aber bestehe zwischen Bayern respektive Deutschland und den Vereinigten Staaten eine Wertegemeinschaft. "Dieses Verhältnis muss sich wieder verbessern", fordert Söder und fügt hinzu: "Der Tag heute könnte ein Beitrag zu mehr Miteinander sein."

Rund 27 Millionen Euro haben die Arbeiten im Amerikahaus gekostet.

(Foto: Stephan Rumpf)

Robin S. Quinville, Geschäftsträgerin der US-Botschaft in Berlin, äußert sich etwas nüchterner als der Ministerpräsident, lässt aber wissen, "dass wir von der Verwandlung dieses wichtigen Amerikahauses begeistert sind", ein neuer Ort für den Dialog, "der heute ebenso wichtig ist wie vor 75 Jahren". Wolfgang Ischinger beteuert, dass es für die Mitarbeiter der Sicherheitskonferenz eine "große Chance" sei, in diesem Haus zu arbeiten - nicht zuletzt mit Blick auf die Geschichte der Sicherheitskonferenz, die mit Treffen deutscher und US-Politiker begonnen habe.

Meike Zwingenberger, die Geschäftsführerin der Stiftung, bedauert, dass die Eröffnung nicht als große Sause gefeiert werden kann. Interessantes zu bieten hat man dennoch: Vom Sonntag, 5. Juli, an ist eine Ausstellung mit Bildern des Fotografen Christopher Makos zu sehen. Der 1948 geborene Makos war ein Freund Andy Warhols, den er oftmals porträtiert hat. Eindrucksvoll aber auch die Aufnahmen von Liza Minnelli, John Lennon oder Debbie Harry. Damit setzt das Haus seine Tradition als Stätte des interkulturellen Dialogs fort. Geplant ist zudem, die Zusammenarbeit mit wissenschaftlichen Institutionen der USA zu verstärken, wobei die Bayerische-Amerika-Akademie (BAA) eine wichtige Rolle spielt. Auch Konzerte und Theateraufführungen soll es nach der Corona-Zwangspause wieder geben. So hat es Söder ja auch angeregt: Die bayerisch-amerikanische Liebe soll einen neuen Honeymoon erfahren.

© SZ vom 30.06.2020/wean

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