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Landkreis München:Strafgebühr für wild abgestellte MVG-Räder

MVG-Mieträder dürfen im Landkreis München nur noch an den Stationen abgestellt werden - sonst wird es teuer.

MVG-Mieträder dürfen im Landkreis München nur noch an den Stationen abgestellt werden - sonst wird es teuer.

(Foto: Catherina Hess)

Nutzer müssen künftig 20 Euro zahlen, wenn sie ihre Fahrt nicht an einer der Radstationen beenden. Kommunalpolitiker kritisieren das als wenig kundenfreundlich.

Von Martin Mühlfenzl

Die Schonfrist für Nutzer der MVG-Mieträder im Landkreis München ist vorbei. Künftig muss das geliehene Fahrrad hier nach der Tour zwingend an einer der dafür vorgesehenen Stationen abgegeben werden. Wer seine Fahrt nicht an einer Station beendet, sondern das Rad frei abstellt - wie das bisher möglich war und in der Landeshauptstadt weiter möglich ist -, muss eine Gebühr von 20 Euro bezahlen.

Diese Neuregelung löst unter den Bürgermeistern der beteiligten Kommunen, die unlängst von der Münchner Verkehrsgesellschaft (MVG) über den Schritt informiert worden sind, wenig Begeisterung aus. "Alles andere als glücklich" sei er mit der Entscheidung der MVG, teilte Unterschleißheims Rathauschef Christoph Böck (SPD) mit. Zusammen mit seinen Bürgermeisterkollegen habe er versucht, sie abzuwenden, die Verkehrsgesellschaft aber habe nicht eingelenkt.

In insgesamt 21 Städten und Gemeinden im Landkreis gibt es mittlerweile MVG-Mietradstationen. Aktuell sind es sogar 22, da in der Gemeinde Ottobrunn, deren Bürgermeister Thomas Loderer (CSU) vom MVG-Konzept wenig überzeugt ist, seit Mitte März und vorerst befristet bis Mitte Juni eine mobile Mietradstation am Margreider Platz in der Ortsmitte getestet wird. Im ländlich geprägten Oberhaching gibt es mittlerweile acht Mietradstationen mit 60 Rädern. In Ismaning sind es sogar 14 Stationen über den gesamten Ort verteilt - alle in Nähe zu einer Bushaltestelle oder zum S-Bahnhof. Und die Räder würden gut angenommen, sagt Bürgermeister Alexander Greulich (SPD).

Umso unverständlicher sei der Schritt der MVG, eine Strafgebühr zu erheben. "Das ist wenig kundenfreundlich", kritisiert der Rathauschef. "Eigentlich wollen wir das Angebot ja ausbauen, mit Pedelecs, E-Lastenrädern, E-Rädern." Da aber bewege sich die MVG kaum, stattdessen werde eine unnötige Gebühr erhoben. "Ich kann ja das verstehen, wenn einer das Rad in den Isarauen ablädt", sagt Greulich, "aber im Ortsgebiet sollte das möglich sein." Hinzu kämen die enge Verflechtung des Landkreises mit der Landeshauptstadt und die starken Pendlerbewegungen in den und aus dem Landkreis heraus. "Für die Kunden ist das nicht mehr nachvollziehbar, dass sie das Rad in München irgendwo abstellen können, aber im Landkreis nur an einer Station", so Greulich.

Auch Kirchheims Bürgermeister Maximilian Böltl (CSU) kritisiert die Ungleichbehandlung zwischen Stadt und Land. Er könne schon verstehen, dass die MVG reagieren müsste, wenn durch das freie Abstellen im Landkreis großer Schaden entstehe; das könne er aber nicht erkennen. "Es wäre schon kundenfreundlicher, wenn das Fahrrad im Ortsgebiet auch frei abgestellt werden könnte", sagt Böltl, das würde das Angebot stärken.

Darum geht es auch Markus Büchler, Landtagsabgeordneter und Verkehrsexperte der Grünen aus Oberschleißheim. Die MVG müsse eher Anreize schaffen, als Drohungen in den Raum zu stellen. "Zumindest in den Siedlungsgebieten sollte es möglich sein, das Fahrrad auch frei abzustellen", sagt Büchler. "Ich könnte mir aber auch vorstellen, dass es einen Bonus etwa in Form einer Freifahrt für denjenigen gibt, der das Radl doch an der Station abgibt. Wie es das bei E-Leihautos auch schon gibt." Er glaube nicht, sagt Büchler, dass die MVG-Mieträder im Landkreis in großer Zahl "im Wald abgestellt" würden. "Und vielleicht freuen sich ja auch einige, wenn sie nicht den Weg zur nächsten Station laufen müssen, sondern auf der App erkennen, dass gleich in der Nähe ein Fahrrad steht."

"Die Regelung wird dauerhaft beibehalten"

Die Stadtwerke München als Eigentümerin der MVG bekräftigen auf Nachfrage, dass das Mietradsystem im Landkreis rein stationsbasiert sei. "Das war schon immer so - nun wird aber neu die Gebühr eingehalten, da die ,Schonfrist' beendet wurde", heißt es. Damit solle das "wilde Abstellen" verhindert werden, das auch Gemeinden aus dem Landkreis kritisiert hätten. "Die Regelung wird dauerhaft beibehalten", teilt ein Pressesprecher mit, dies sei mit dem Landkreis und den Kommunen auch so vereinbart worden.

Die Einschätzung, dass viele Fahrräder wild abgestellt würden, kann Neubibergs Bürgermeister Thomas Pardeller (CSU) nicht bestätigen. "Das System wird bei uns in Neubiberg wirklich sehr gut angenommen", sagt er. "Und die allermeisten Fahrräder werden auch an den Stationen zurückgegeben." Er wünsche sich aber, sagt Pardeller, dass die freie Rückgabe in Stadt und Landkreis gleich gehandhabt werden und möglich sein sollte.

© SZ vom 07.04.2021/wean
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