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Mobilität im Landkreis:Studenten fahren auf Mieträder ab

Mietradstation der MVG in Planegg, 2020

Eine von 161 Stationen der MVG im Landkreis München: die Leihräder am Planegger Bahnhof.

(Foto: Catherina Hess)

In 21 Kommunen gibt es die silber-blauen Fahrräder der Münchner Verkehrsgesellschaft mittlerweile, doch in der Universitätsstadt Garching sind sie besonders beliebt: Mehr als 21 000 Mal wurden sie dort 2019 ausgeliehen.

Mittlerweile gehören sie beinahe im gesamten Landkreis zum Ortsbild: die silber-blauen Leihräder der Münchner Verkehrsgesellschaft (MVG). Am 5. Oktober 2018 wurde in Garching die erste MVG-Mietradstation durch die damalige bayerische Verkehrsministerin Ilse Aigner, Münchens Oberbürgermeister Dieter Reiter und Landrat Christoph Göbel eingeweiht. Seitdem kamen 161 weitere Stationen in insgesamt 21 der 29 Städte und Gemeinden im Landkreis mit mehr als 1100 Rädern hinzu. Die Garchinger aber sind weiterhin ganz weit vorne dabei, wie die Jahresbilanz des Landkreises München für das Jahr 2019 zeigt: Insgesamt 21 275 Ausleihen wurden in der Universitätsstadt registriert; in der Gemeinde Haar, die auf Platz zwei liegt, waren es 6021 Ausleihen.

Landrat Göbel (CSU) zeigt sich zufrieden angesichts der Auswertung. "Die Nutzungszahlen für 2019 unterstreichen, was sich bereits in den ersten Monaten abgezeichnet hat. Die Bürgerinnen und Bürger nehmen das Angebot ganz überwiegend dafür in Anspruch, wozu es auch gedacht ist", so der Landrat: "Zur Überwindung der letzten Meile in Ergänzung zum ÖPNV sowie als Alternative zum eigenen Pkw." Der Großteil der mehr als 74 000 Ausleihen erfolgte der Statistik zufolge vor allem in den Kommunen, die direkt an die Landeshauptstadt angrenzen, etwa in Pullach. Dort gibt es fünf Stationen mit 35 MVG-Mieträdern und mehr als die Hälfte der Radler nutzten die Fahrräder im Jahr 2019 für Fahrten in die Landeshauptstadt. Die Einführung des Systems sei ein Erfolgsmodell, heißt es aus der Rathausverwaltung.

Ottobrunn ist ein weißer Fleck auf der MVG-Karte

Das sehen nicht alle Kommunalpolitiker so - auch in stadtnahen Kommunen. Die Gemeinde Ottobrunn etwa ist nach wie vor ein weißer Fleck auf der MVG-Karte, seit Jahren wehrt sich Bürgermeister Thomas Loderer (CSU) mit der Unterstützung der Mehrheit im Gemeinderat gegen den Aufbau von MVG-Mietrad-Stationen in der Gemeinde. Mal verweist Loderer darauf, dass in Ottobrunn ohnehin jeder ein eigenes Fahrrad habe, mal kritisiert er die hohen Kosten - und dann zieht er wie unlängst in der Sitzung des Ottobrunner Planungsausschusses auch gerne den generellen Nutzen des Systems in Zweifel. Oder anders gesagt: Loderer platzte mit Blick auf die Daten aus dem Pullacher Rathaus der Kragen. Es würden seitens des Landratsamtes und der Gemeinde überhaupt keine stichhaltigen Fakten erbracht, die ein Erfolgsmodell belegen würden, sagte Loderer. Dann rechnete er vor, dass bei mehr als 2100 Ausleihen und 35 Fahrrädern jedes Radl nur alle sechs Tage ausgeliehen werde; zudem sei überhaupt nicht erkennbar, welche Strecke zurückgelegt wird. Er erkenne überhaupt keinen positiven Kosten-Nutzen-Faktor, sagte der Rathauschef.

Landrat Göbel setzt indes weiterhin auf das Mietrad-System und dessen Ausbau im Landkreis München, räumt aber gleichzeitig ein, dass es noch Zeit brauche, bis es sich endgültig im Alltag der Menschen und der lokalen Infrastruktur etabliert habe. "Diese Zeit müssen wir auch dem Mietradsystem einräumen. Es wäre wenig zielführend, jetzt zu erwarten, dass ein einzelnes neues Angebot innerhalb eines Jahres lang geübte Routinen aushebelt und die dringend notwendige und angestrebte Verkehrswende quasi im Alleingang einläutet", sagt Göbel. "Das kann und darf auch nicht Ziel des Mietradsystems sein."

Das Angebot sei aber eine sinnvolle Ergänzung und setze dort an, wo schienengebundener Nahverkehr, Busse oder der motorisierte Individualverkehr aus verschiedenen Gründen an ihre Grenzen stoßen, so Göbel weiter. Zumal das Mietrad innerhalb Münchens genutzt werden könne.

Aus dem Landratsamt heißt es, dass bereits mehrere Kommunen signalisiert hätten, das System weiter ausbauen zu wollen. Die Planungen hierfür sollen in den kommenden Monaten konkretisiert werden. Bisher belaufen sich die Gesamtinvestitionen in den Aufbau des Mietrad-Netzes im Landkreis auf etwa 3,6 Millionen Euro, das Bundesumweltministerium fördert das Projekt mit etwa drei Millionen Euro, den Rest teilen sich der Landkreis und die beteiligten Kommunen zu je 50 Prozent.

Ein Blick in die Jahresstatistik zeigt, dass die Räder vornehmlich unter der Woche genutzt werden: Etwa Dreiviertel der Fahrten finden von Montag bis Freitag statt. Die Verantwortlichen im Landratsamt loben vor allem die Flexibilität des MVG-Mietrads gegenüber dem ÖPNV, etwa wenn es um schnelle Besorgungen oder einen Abstecher ins Fitnessstudio geht. Bestens genutzt würden vor allem die Stationen an den S- und U-Bahnhöfen und an den Hochschulstandorten wie in Garching, den Ortsmitten und Gewerbegebieten. Und die Menschen im Landkreis gehen sehr sorgfältig mit den Rädern um. Mehr als 74 000 Mal wurden die Bikes ausgeliehen - und mehr als 71 000 Mal auch wieder an den Stationen zurückgegeben.

© SZ vom 25.06.2020/hilb

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