Spektakuläre Aktion:Künstler JR zeigt Solidarität mit der Ukraine

Spektakuläre Aktion: Gemacht für den Blick von oben: ein Porträt der fünfjährigen Valeriia, die aus der Ukraine nach Polen flüchten musste.

Gemacht für den Blick von oben: ein Porträt der fünfjährigen Valeriia, die aus der Ukraine nach Polen flüchten musste.

(Foto: Florian Peljak)

Der französische Fotograf und Streetart-Künstler veranstaltet auf dem Münchner Odeonsplatz eine Aktion mit einem Porträt der fünfjährigen Valeriia - aufgezogen auf einer 45 Meter langen Plane. 100 Freiwillige helfen ihm beim Tragen.

Von Jürgen Moises

Es beginnt wie eine religiöse Prozession. Eine Gruppe von Menschen trägt langsamen Schrittes ein weißes Tuch durch die Theatinerstraße. Es gibt einen Schlenker durch die Seitenstraße, dann geht es auf der Residenzstraße zum Odeonsplatz, dem eigentlichen Ort der Aktion. An der Spitze läuft ein Mann mit blauem Hemd und Sommerhut, er trägt Jeans und weiße Sneakers, hat einen Dreitagebart und eine Sonnenbrille im Gesicht. Der Mann, der durch ein Megaphon auf Englisch Anweisungen gibt, nennt sich JR. Er ist ein französischer Fotograf und Streetart-Künstler, dem die Kunsthalle München eine Retrospektive widmet.

Spektakuläre Aktion: Zahlreiche Helfer beteiligten sich an der Solidaritätsaktion des Künstlers JR.

Zahlreiche Helfer beteiligten sich an der Solidaritätsaktion des Künstlers JR.

(Foto: Peter Kneffel/dpa)

Die Aktion auf dem Odeonsplatz passiert am Tag der Ausstellungseröffnung. Vorbeilaufenden Passanten gibt der Künstler, der seinen Geburtsnamen geheim hält, damit Rätsel auf. "Was ist das? Keine Ahnung." Das rufen sich zwei junge Männer zu. Die Tuchträger sind eingeweiht. 100 Freiwillige hatte die Kunsthalle gesucht, die beim Tragen und Entfalten des Bildes helfen. Denn das Tuch ist ein Bild. Ein schwarzweißes Porträt von Valeriia, eines fünfjährigen Mädchens aus der Ukraine. Artem Iurchenko hat es an der Grenze zu Polen fotografiert. JR hat das Bild auf eine 45 Meter lange Plane gezogen. Als Sinnbild für alle Kinder, alle Menschen, die unter dem Krieg in der Ukraine leiden.

Die Idee war, das großformatige Bild russischen Kampfpiloten zu zeigen

Der Künstler hat die Aktion am 14. März bereits in Lwiw in der Ukraine stattfinden lassen. Die Idee war, russische Kampfpiloten das Bild vom Himmel aus sehen zu lassen. Danach hat JR das Ganze in Paris, Berlin, Düsseldorf, Venedig wiederholt. Und nun eben in München. Das Bild von Valeriia, das kann eigentlich nur die darüber fliegende Drohne erkennen, der irgendwann kurz der Saft ausgeht. Eine kleine Panne. Wie die zwei Frauen, die beim Tragen stolpern. Denn das Tuch wird nicht nur aufgespannt. Die Träger sollen es, eins, zwei, drei, zu einem Strich zusammenfalten. Dann wird es wieder aufgespannt. Ein Spiel, das sich mehrmals wiederholt. So wird das Ganze zur Gemeinschaftsaktion.

Warum die Menschen mitmachen? Andrea, 60, sagt, sie kenne JR's Film "Women Are Heroes". Er sei ein Künstler mit Herz, und das sei die Art, wie man Menschen erreiche. Eine 40-jährige Passantin hat über Facebook von der Aktion erfahren, kannte, wie sie sagt, aber davor schon JR's "Mexiko-Aktion". Und die anderen Passanten? Ein zuschauendes Ehepaar hätte sich mehr Informationen gewünscht. Als man es ihnen erklärt, heißt es aber doch: eine schöne Aktion. Gegen Ende erläutert JR tatsächlich noch per Megaphon die Hintergründe. Danach landet "Valeriia" in einer schwarzen Tasche, während die versammelte Presse den Künstler fotografiert und interviewt. Eine Aufmerksamkeit, wie sie hoffentlich auch die Ukrainer bekommen.

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