Nach Facebook-Post zu Israel:Islamisches Zentrum München suspendiert Imam

Nach Facebook-Post zu Israel: Das Islamische Zentrum in Freimann.

Das Islamische Zentrum in Freimann.

(Foto: Catherina Hess)

Auslöser ist ein Post des Vorbeters zum Hamas-Terror gegen Israel. Der Betroffene spricht von "Missverständnissen", für die er sich entschuldige. Die Moschee steht im Visier des Verfassungsschutzes.

Von Martin Bernstein

Das Islamische Zentrum München (IZM) im Stadtteil Freimann hat seinen Imam suspendiert. Mohamed Ibrahim hatte am 7. Oktober - dem Tag des Terrorüberfalls der Hamas auf israelische Zivilisten - auf Facebook auf Arabisch den Satz gepostet: "Jeder hat seine Art, den Oktober zu feiern" und ihn mit einem lachenden Smiley verziert. "In aller Deutlichkeit" distanziert sich der Vorstand des IZM auf seiner Homepage von dem privaten, inzwischen gelöschten Post ihres Vorbeters: "In einer Sondersitzung des Vorstandes wurde die sofortige Suspendierung unseres Imams bis zur Klärung der Vorwürfe entschieden."

Mohamed Ibrahim, nach eigenen Angaben als Sohn einer Beduinenfamilie auf dem damals von Israel besetzten Sinai aufgewachsen, spricht in einer Stellungnahme von Missverständnissen: "Dieser Post ist in der Dynamik der sozialen Medien, hier Facebook, entstanden." Er habe am 7. Oktober bei einigen arabischsprachigen Facebook-Freunden gelesen, "dass den Palästinensern etwas Großes gegen Israel gelungen sei". Darauf habe er den "lustig" und "sarkastisch" gemeinten Satz geschrieben, der als Anspielung auf einen ägyptischen Nationalfeiertag gemeint gewesen sei. Am 6. Oktober feiert Ägypten den "Tag der Streitkräfte" in Erinnerung an den Jom-Kippur-Krieg gegen Israel vor 50 Jahren.

Zu diesem Zeitpunkt seien ihm weder die Ereignisse des 7. Oktober noch ihre Tragweite "ganz bewusst" gewesen, schreibt der Imam auf Facebook. "Ich entschuldige mich daher in aller Form dafür, dass mein Post zu Missverständnissen geführt hat." Die zivilen Opfer des 7. Oktober zu verhöhnen, lasse sich nicht mit seinen ethischen islamischen Werten vereinbaren, so Mohamed Ibrahim. Der Imam schreibt aber auch, dass er sich mit den Palästinensern solidarisiere, "weil ihnen seit Jahrzehnten Unrecht geschieht und weil die Bilder und Berichte, die uns momentan von dort erreichen, sehr schrecklich und traurig sind". Zwei seiner Verwandten aus dem Gazastreifen seien bei israelischen Angriffen ums Leben gekommen.

"Unter keinen Umständen dürfen wir als deutsche muslimische Gemeinschaft und als Gesellschaft erlauben, dass Hass und Gewalt aus dem Nahen Osten auf Juden und Muslime in Deutschland übertragen werden", begründet das IZM die Suspendierung des Vorbeters. Das IZM will nach eigenen Angaben "den hier ansässigen Muslimen bei der Ausübung ihrer Religion behilflich sein, ihr Glaubensbewusstsein und ihre Bereitschaft zum Dienst am Mitmenschen vertiefen, aber auch zum besseren Verständnis des Islam und der Muslime beitragen". Man sei eine der herausragenden muslimischen Einrichtungen in Deutschland und wirke weit über den Münchner Bereich hinaus.

Das sieht der bayerische Verfassungsschutz ähnlich, wenn auch unter negativen Vorzeichen. Er rechnet das IZM der Deutschen Muslimischen Gemeinschaft und damit der islamistischen Muslimbruderschaft zu. In einer Predigt sei etwa an einen kurz zuvor verstorbenen Ideologen der Muslimbruderschaft erinnert worden, heißt es im Verfassungsschutzbericht für das Jahr 2022. Auch die Hamas gilt als Ableger der Muslimbruderschaft. Besondere Brisanz bekommt der Vorgang, weil das IZM Mitglied im Münchner Muslimrat ist, der am Montagabend ein Friedensgebet der Religionen abhalten wollte. Die Veranstaltung war nach massiver Kritik insbesondere an der Rolle des IZM im Vorfeld kurzfristig abgesagt worden.

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