Fünf für München:Zwischen Westpark und Weltall

Fünf für München: Kerstin Behnke leitet den via-nova-Chor, der nun einen Staatspreis eingeheimst hat.

Kerstin Behnke leitet den via-nova-Chor, der nun einen Staatspreis eingeheimst hat.

(Foto: Robert Haas)

Doris Dörries Film Freibad läuft als Benefizvorführung für "Artists for Kids", drei Jungunternehmer schicken Raketen in den Orbit - unsere Münchnerinnen und Münchner der Woche.

Von Sabine Buchwald, Sonja Niesmann und Martina Scherf

Kammerorchester

Sie seien Kulturbotschafter, die "den Freistaat zum Klingen bringen", so rühmte Kunstminister Markus Blume bei der Verleihung die neuen Träger der fünf bayerischen Staatspreise für Musik. In der Kategorie "Laienmusik" ging ein Preis an den via-nova-Chor. Der 1972 gegründete und seit 2017 von Kerstin Behnke geleitete Chor habe sich schon zeitgenössischer Musik gewidmet, ehe Berufschöre diese in ihr Repertoire aufnahmen. Er vergibt auch Kompositionsaufträge an deutsche und bayerische Komponisten und insbesondere Komponistinnen, die sich in bislang gut 70 Uraufführungen niedergeschlagen haben.

Das Münchener Kammerorchester erhielt einen Preis in der Kategorie "Professionelles Musizieren". Die Jury lobte dessen stilistische Variabilität und exzellentes interpretatorisches Niveau. Den Kern des Ensembles bilden 28 Streicherinnen und Streicher aus 13 verschiedenen Ländern. Mit einem Stamm erstklassiger Gäste aus europäischen Spitzenorchestern erweitert das MKO seine Besetzung flexibel. Neben der Konzertreihe im Prinzregententheater genießen die "Nachtmusiken der Moderne" in der Rotunde der Pinakothek der Moderne längst Kultstatus.

Einen Sonderpreis heimste der Gräfelfinger Manfred Eicher ein. Er gründete 1969 das Label ECM Records (Edition of Contemporary Music). Im Laufe seiner beruflichen Karriere erhielt Eicher bereits viele bedeutende Auszeichnungen, wie den Grammy Award, Best Classical Producer of the Year (2002), den Kulturellen Ehrenpreis der Stadt München (2004) oder die Auszeichnung "Produzent des Jahres". Er habe insbesondere "den Gang des Jazz über 50 Jahre hinweg weltweit mitgestaltet", so die Jury.

Kinder

Fünf für München: Doris Dörrie unterstützt "Artists for Kids".

Doris Dörrie unterstützt "Artists for Kids".

(Foto: Alessandra Schellnegger)

1999 hat der Filmproduzent Bernd Eichinger "Artists for Kids" gegründet, ein Hilfsprojekt in seiner Heimatstadt München, das sich für sozial benachteiligte Kinder und Jugendliche in den Vierteln Laim und Westend einsetzt. Regisseurin Doris Dörrie unterstützt diese Initiative schon seit ihrer Gründung. Am Sonntag, 16. Juli, gibt es zugunsten von "Artists for Kids" bei Kino, Mond & Sterne im Westpark eine Benefizvorführung von Dörries Filmkomödie "Freibad" (2022): Verschiedene Kulturen, Religionen und Dresscodes treffen in einem deutschen Frauenfreibad aufeinander. Einlass von 20 Uhr an, Filmbeginn um 21.15 Uhr.

Kommunikation

Ob Kommunikationsnetze, autonomes Fahren oder digitale Landwirtschaft: Für viele neue Technologien werden Satelliten zur Datenübertragung benötigt. Das Münchner Start-up Isar Aerospace hat eine Trägerrakete für kleine und mittelgroße Satelliten entwickelt, die in niedrigen Umlaufbahnen um die Erde kreisen sollen. Das Start-up will seinen Kunden auch die Raketenstarts organisieren. Die Gründer Daniel Metzler, Josef Fleischmann und Markus Brandl haben vor Kurzem den "TUM Presidential Entrepreneurship Award" gewonnen. Alle drei haben an der Technischen Universität München Luft- und Raumfahrt studiert und in einer studentischen Forschungsgruppe an Raketentriebwerken gearbeitet. Erste Prototypen bauten sie nach ihrer Unternehmensgründung 2018 in der Hightech-Werkstatt Maker-Space. Sie haben bereits mehrere Finanzierungsrunden bestanden. Inzwischen beschäftigt Isar Aerospace rund 350 Mitarbeiter in Ottobrunn. Der erste Testflug der Rakete ist noch in diesem Jahr geplant. Die Vision: jede Woche ein Start in den Orbit.

Kinopremiere

Fünf für München: Für seinen Film "Runnig against the Wind" hat Jan Philipp Weyl den mit 5000 Euro dotierten Nachwuchspreis beim Friedenspreis des Deutschen Films erhalten.

Für seinen Film "Runnig against the Wind" hat Jan Philipp Weyl den mit 5000 Euro dotierten Nachwuchspreis beim Friedenspreis des Deutschen Films erhalten.

(Foto: Robert Haas)

Jan Philipp Weyls Spielfilm ist eine "Liebeserklärung an Äthiopien". So jedenfalls lautet der Untertitel von "Running against the Wind", der am Mittwoch, 12. Juli, im Rio Filmpalast, Rosenheimer Straße 46, Premiere feiert. Der junge Filmemacher und sein Team haben ihr Kommen für den Abend fest zugesagt. Weyl, 1987 in Krefeld geboren, hat Filmproduktion und Medienwirtschaft an der Münchner Hochschule für Fernsehen und Film studiert, zudem Anthropologie und Kunstgeschichte an der LMU.

Seine Liebe zu dem Land am Horn von Afrika entdeckte er über die von Schauspieler Karlheinz Böhm initiierte Stiftung "Menschen für Menschen". Zusammen mit gleichgesinnten Schulkollegen gründete er den Spendenverein "Moltke-Schüler für Afrika". Nach eigenen Angaben hat der Verein bis heute mit mehr als 120 000 Euro den Bau von zwei Schulen in Äthiopien finanziert. Nachdem Weyl als Achtklässler gut 23 000 Euro Spenden gesammelt hatte, lud Böhm die Schülerinnen und Schüler ein, sich die Entwicklungsprojekte seiner Stiftung anzusehen. 2005 reiste Weyl zum ersten Mal nach Äthiopien, bei dieser einen Reise ist es nicht geblieben.

Inzwischen hat er einige Jahre dort gelebt, die Sprache der Einwohner gelernt und sich intensiv mit ihrer Mentalität und Kultur beschäftigt. Er habe den Film gemacht, um der Welt Äthiopien, die Menschen und deren ethische und traditionelle Werte durch die Augen von zwei jungen Männern zu zeigen, die bereit sind, für ihre Träume und Ziele im Leben zu kämpfen, erklärt Weyl. "Running against the Wind" war 2020 der erste Oscar-Beitrag Äthiopiens in der Kategorie "Bester Internationaler Spielfilm". Ab dem 20. Juli ist der Film in den Kinos zu sehen.

Klinik

Fünf für München: Professor Stefan Böck ist neuer Chefarzt für Hämatologie und Onkologie der MüK Harlaching und Neuperlach.

Professor Stefan Böck ist neuer Chefarzt für Hämatologie und Onkologie der MüK Harlaching und Neuperlach.

(Foto: Éva Gréta Galamb/München Klinik)

Die München Klinik hat einen neuen Chefarzt. Stefan Böck, 46, ist Internist, Hämatologe, internistischer Onkologe und Palliativmediziner. Er hat an der Ludwig-Maximilians-Universität Medizin studiert, blieb der Uni-Klinik treu und war dort zuletzt an der Etablierung des viszeral-onkologischen Zentrums beteiligt. Außerdem bringt er einen Master in Gesundheitsmanagement mit. Böck beerbt Meinolf Karthaus, der im kommenden Jahr in den Ruhestand treten wird. Das große Angebot an klinischen Studien an der München Klinik voranzutreiben und die Klinikstandorte in die Zukunft zu führen, sieht Böck als wichtigen Schwerpunkt seiner Arbeit.

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