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Hallbergmoos:Ultrafeinstaub-Messungen in Flughafennähe

Bayerns Umweltminister Thorsten Glauber startet zusammen mit Anke Nölscher, Professorin für atmosphärische Chemie, die neue UFP-Messstation in Hallbergmoos und erfüllt damit eine jahrelange Forderung der Flughafenanwohner.

(Foto: Marco Einfeldt)

Schon lange fordern Anwohner Messungen im Umfeld des Münchner Airports - nun werden die Partikelzahlen mit speziellen Geräten in Hallbergmoos und Freising bestimmt.

Von Alexandra Vettori, Hallbergmoos

Am Montagmorgen ist der offizielle Startschuss für die lang geforderten Messungen von Ultrafeinstaub im Umfeld des Flughafens Münchens auf dem Hallbergmooser Volksfestplatz gefallen. Dazu kam auch Bayerns Umweltminister Thorsten Glauber (Freie Wähler), dessen Ministerium die Messungen der Universität Bayreuth mit 360 000 Euro fördert.

"Wir betreten Neuland bei dem Thema", sagte Umweltminister Glauber, selbst die WHO sei sich bei der Bewertung der Gesundheitsschädlichkeit der winzig kleinen Partikel noch nicht einig. Mit den staatlich finanzierten wissenschaftlichen Messungen und Analysen zeige die Landesregierung, "dass wir es ernst meinen und das nicht nur ein Feigenblatt ist". Die zwei Messstationen befinden sich in Hallbergmoos und in Freising. Während der rund dreijährigen Laufzeit sollen Partikelzahlen von Ultrafeinstaub (UFP) kontinuierlich bestimmt und weitere Luftgüteparameter gemessen werden.

Die Uni Bayreuth und das Helmholtz Zentrum München unterstützen außerdem die mobilen UFP-Messungen des Bürgervereins Freising im Umfeld des Flughafens. Die teils alarmierenden Ergebnisse des Bürgervereins waren ein maßgeblicher Grund für die nun gestarteten wissenschaftlichen Messungen. Wie Glauber ausführte, verfolge Bayern eine umfassende Strategie bei der UFP-Forschung. Dazu gehöre ein Projekt unter Leitung der Friedrich-Alexander-Universität Erlangen-Nürnberg, wo Eigenschaften und Wirkung ultrafeiner Partikel untersucht werden. Außerdem fördert das Umweltministerium auch die mobilen Messungen.

Freisings Landrat Helmut Petz (Freie Wähler) verwies darauf, dass der Bürgerverein Freising bereits seit dem Jahr 2017 mit mobilen Geräten Ultrafeinstaubpartikel messe und dabei vom Landkreis unterstützt werde. "Erstens, weil wir uns Sorgen machen, wegen der hohen Belastung am Flughafen und zweitens, weil wir genauere Erkenntnisse wollen. Es gibt verdichtete Hinweise darauf, dass UFP im Körper was machen", so Helmut Petz. Die jetzt anlaufenden Messungen seien aber "ein Quantensprung", so Petz, "jetzt ist das da, wo es hingehört, nämlich in eine staatliche Hand, die auch Forschungsprojekte vergeben kann".

Der Flughafen weigert sich nach wie vor, Messungen auf seinem Grund zuzulassen

Der Freisinger Oberbürgermeister Tobias Eschenbacher (Freisinger Mitte) verwies darauf, dass es noch immer Kämpfe gebe. Nach wie vor weigere sich der Flughafen, Messungen auf seinem Grund durchführen zu lassen. "Man weiß, es gibt ein Thema und man weiß, in der Nähe des Flughafens ist das Thema besonders groß", so Eschenbacher. Deshalb hat man sich für zwei Messstandorte entschieden, die möglichst nahe am Flughafen sind, der Freisinger Stadtgärtnerei nördlich des Flughafengeländes und der Hallbergmooser Volksfestplatz im Süden. Eschenbacher wünschte sich, die Messungen über die vorgesehene Dauer hinaus auszubauen und betonte: "Uns geht es nicht darum, den Flughafen zu behindern, sondern darum, die Auswirkungen auf die Bevölkerung abschätzen zu können und zu verringern."

Anke Nölscher, Professorin für atmosphärische Chemie an der Universität Bayreuth, leitet die Messungen und Analysen. Einer, der an vorderster Front in den mit High-Tech-Gerätschaften vollgestopften Messcontainern arbeitet, ist Doktorand Julius Seidler. Er erklärte, wie das "sehr komplexe Stoffgemenge" in der Luft analysiert wird. Zuerst werden die Teilchen nach Größen klassifiziert und danach je nach Größenordnung gezählt, "dabei macht man sich die elektrische Mobilität der Teilchen zu Nutze". Weil die Teilchen so klein sind, werden sie mit einer Hülle aus Alkohol umgeben und dann in einem Kondensationspartikelzähler gezählt.

Grünen-Landtagsabgeordneter Johannes Becher, der wie andere Landtags-Kollegen nicht zur Eröffnung eingeladen war, um die Zahl der Beteiligten Corona-bedingt möglichst klein zu halten, betonte in einer Mitteilung, am und um den Flughafen Frankfurt würden seit vielen Jahren UFP gemessen. Deshalb sollten die Messcontainer in Hallbergmoos und Freising nur ein Anfang sein. "In Frankfurt haben wir ein Messnetz und es wird auch auf dem Gelände des Flughafens gemessen." Ein Antrag der Grünen im Landtag, auch den Münchner Flughafen dazu zu zwingen, sei erst kürzlich von der Mehrheit aus CSU und Freien Wählern abgelehnt worden.

© SZ/nta/vewo/van
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