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Messbarer Stillstand:In Freising verbessert sich die Luftqualität

Treffen von Vertretern der SPD Freising

Wolfgang Herrmann vom Bürgerverein Freising.

(Foto: Lukas Barth)
  • In Freising verbessert sich die Luftqualität, weil kaum noch Flugzeuge fliegen.
  • "Die ersten Ergebnisse zeigen, dass sich die Belastung um 90 Prozent reduziert", sagt der stellvertretende Vorsitzende des Bürgervereins.
  • Er wünscht sich, "dass man konsequent darüber nachdenkt, wie man die Ultrafeinstaubwerte absenkt", auch nach der Corona-Krise.

Von Nadja Tausche, Freising

Dass weniger Flugzeuge unterwegs sind, macht sich in Sachen Luftqualität bemerkbar - zumindest, was den Eintrag an Ultrafeinstaub von Seite des Flughafens angeht. Das zeigen erste Messergebnisse des Bürgervereins Freising, der sich gegen die Belastung durch Ultrafeinstaub einsetzt und in Ermangelung staatlicher Messungen selbst welche durchführt.

Für definitive Aussagen brauche es zwar noch mehr Daten, sagt der stellvertretende Vereinsvorsitzende Wolfgang Herrmann. Aber: "Die ersten Ergebnisse zeigen, dass sich die Belastung um 90 Prozent reduziert." Der Bürgerverein erhebt die Daten mit stationären Messgeräten in Neufahrn, in Niederlern im Landkreis Erding und in der Freisinger Neulandsiedlung. Die Zahlen, die der Verein bisher ausgewertet hat, kommen aus Freising: Weht der Wind aus Richtung Flughafen, steigt die Belastung Herrmann zufolge um rund 36 000 Partikel an - im Normalbetrieb. Momentan seien es nur rund 3500 Partikel mehr bei Wind vom Flughafen. Und auch die Grundbelastung durch Ultrafeinstaub sei niedriger. "Die Ergebnisse zeigen genau das, was man erwartet", so Herrmann: Weniger Flugzeuge bedeuten fast eins zu eins weniger Ultrafeinstaub. Als nächsten Schritt wertet der Bürgerverein die Daten der beiden anderen Messgeräte aus und wartet auf Wind aus Richtung Flughafen, um mehr vergleichbare Daten sammeln zu können.

Dass es dauerhaft bei den niedrigen Werten bleibt, da macht sich Herrmann wenig Hoffnung. "Der Flugverkehr wird wieder wachsen", damit steige auch die Belastung durch Ultrafeinstaub, Lärm und andere Stoffe wieder an. Was er sich jetzt wünscht: "Dass man konsequent darüber nachdenkt, wie man die Ultrafeinstaubwerte absenkt." Kurzstreckenflüge auf die Schiene verlegen, technische Änderungen am Flughafen - Ideen hat er viele. Jetzt sei der Zeitpunkt, sich zu fragen, was man wolle: "Wir müssen uns in der Gesellschaft fragen, wo wir die Schwerpunkte setzen."

Optimistisch ist der stellvertretende Vorsitzende aber bei einer Sache: Der Auswirkung der Corona-Krise auf die Debatte um eine dritte Startbahn am Flughafen. "Eigentlich sollte sich die dritte Startbahn damit erledigt haben", denkt Herrmann. Die Diskussion werde in Zukunft aber noch schwieriger: "Wenn das Thema Corona weg ist, geht es wieder um das Klima." Der Bürgerverein selbst setzt sich gegen den Flughafenausbau ein, indem er weiter das Gespräch mit Politikern sucht: Man müsse "eine Bewusstseinsänderung hervorrufen", betont Herrmann. So wie in der Bevölkerung auch.

© SZ vom 11.04.2020/aner

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