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Chaos am Flughafen München:Erst eine Stunde nach dem Vorfall wird die Abfertigung gestoppt

6 Uhr

Die Mitarbeiter der Kontrollstelle haben inzwischen ihren Vorgesetzten darüber informiert, was passiert ist. Ein Verstoß gegen die Vorschriften: Die Frau wurde nicht kontrolliert - und es wurde kein Alarm ausgelöst. Jetzt informiert das Büro des SGM-"Modulmanagers" telefonisch das Luftamt. Die Luftsicherheitsstelle und die SGM haben ihre Büros beide in der Terminalstraße Mitte 18. Die Luftsicherheitsstelle wertet die Videoaufzeichnungen aus.

6.15 Uhr

Nach der Prüfung alarmiert die Luftsicherheitsstelle die Bundespolizei. Diese hat aus Datenschutzgründen keinen direkten Zugriff auf die Videoaufzeichnungen. Ein Beamter schaut sich in der Luftsicherheitsstelle die Videosequenzen von der Kontrollstelle an. Angesichts der Auswirkungen einer Sperrung des Terminals 2 müssen die Videos sehr genau begutachtet werden. Die Frage ist: Hätte die Frau theoretisch eine Möglichkeit gehabt, die Flüssigkeit unbeobachtet umzupacken oder einzustecken? Dann berichtet der Beamte seinem Dienststellenleiter, der nach nochmaliger "intensiver" Bewertung des Vorgangs die Sperrung des Terminals anordnet.

6.47 Uhr

Eine Stunde nach dem Vorfall beginnt der Abfertigungsstopp. Auch Flugzeuge dürfen jetzt nicht mehr starten. Die betroffenen Bereiche hinter den Sicherheitsschleusen werden komplett geräumt und abgesucht. Die Bundespolizei leitet umfangreiche Fahndungsmaßnahmen nach der Frau ein, ohne sie zu finden. Denn die Gesuchte ist bereits über den Wolken. Ihr Flugzeug hat noch vor dem Abfertigungsstopp abgehoben.

10.45 Uhr

Die Bundespolizei beginnt, einzelne Bereiche nach erfolgter Überprüfung sukzessive wieder freizugeben. Das dauert bis gegen Mittag. Am frühen Nachmittag sollen die ersten Maschinen starten.

15.30 Uhr

"Aufwändige Recherchen" des Luftamts ergeben Klarheit: Die Frau ist weg. Kameras zeigen, wann die Passagierin an der Bordkartenkontrolle war. Durch Auswertung der Bordkartenleser kann der Name der Frau ermittelt werden. Nähere Angaben zu der 40-jährigen Frau will die Regierung von Oberbayern nicht machen. Dem stünden die Persönlichkeitsrechte entgegen. "Aus derzeitiger, vorläufiger Sicht sehen wir insbesondere keinen Raum für ein strafrechtliches Vorgehen gegenüber der Passagierin", teilt die Regierung mit. "Die Prüfung ist aber noch nicht endgültig abgeschlossen."

16.30 Uhr

Das Luftamt Südbayern informiert die Bundespolizei darüber, dass die Frau "identifiziert" sei. Daraufhin stellen die Beamten ihre Suchmaßnahmen am Flughafen ein. Direkten Kontakt zwischen der Frau und der Bundespolizei gibt es nicht. "Wir haben sie nicht befragt", sagt Bundespolizei-Sprecher Christian Köglmeier am Montag, "und wir werden sie nicht befragen". Gegen die Frau liege nichts vor, sie habe sich nichts zuschulden kommen lassen.

© SZ vom 31.07.2018/baso
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Von Isabel Bernstein, Fabian Heckenberger und Andreas Schubert

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