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Maxvorstadt:Der Mann, der die Pizza nach München brachte

Vater und Tochter teilen die Leidenschaft für gute Küche. Mario Gargiulo ist stolz auf Marie-Lisa, die schon als Kind mitgeholfen hat.

(Foto: catherina Hess)

Mario Gargiulo war der erste Pizzabäcker der Stadt. Sein Restaurant ist auch bei Promis beliebt - ein Foto aber gibt es nur von einem Star.

Eineinhalb Minuten bei 450 Grad, nur so wird laut Mario Gargiulo eine Pizza perfekt. Der Mann muss es wissen, er stand schließlich lange genug am Ofen. Der Italiener war der erste Pizzabäcker Münchens, dieses Jahr feiert die Pizzeria Bei Mario ihren 50. Geburtstag. Mario Gargiulo ist jetzt 81 Jahre alt - und steht noch immer gerne in der Küche. Auch wenn seit zehn Jahren seine Tochter Marie-Lisa, 30, das Lokal in der Adalbertstraße 15 leitet.

Die beiden sitzen an einem Tisch am Eingang der Pizzeria und erzählen aus ihrem Leben. Sie, wie sie schon von klein auf im Betrieb mitgeholfen, später an der Bar gearbeitet und sich dann für eine gastronomische Laufbahn entschlossen hat. Er, wie er 1959 nach München kam, um Deutsch zu lernen - und dann hier blieb.

Sie, wie sie als talentierte Pianistin eigentlich Musik studieren wollte, sich dann aber in Rom zur Köchin ausbilden ließ. Er, wie er schon nach ein paar Monaten wieder nach Italien zurück wollte, aber dann zufällig eine Stelle als Chefkoch in einem Ristorante in der Residenzstraße bekam. Sie, wie sie des Vaters Laden übernommen und - aller Skepsis des Seniorchefs zum Trotz - modernisiert hat.

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Die Geschichte eines erfolgreichen Einwandererschicksals

Vater und Tochter tauschen immer wieder liebevolle Blicke aus, korrigieren sich gegenseitig bei Kleinigkeiten. Und natürlich hat der Vater mehr zu erzählen. Es ist die Geschichte eines erfolgreichen Einwandererschicksals, die Geschichte von einem, der auszog, um in der Ferne sein Glück zu machen. Der Zuhörer merkt dem Pizza-Pionier an, dass er seine Geschichte schon Dutzende Male erzählt hat.

Es gibt viele Zeitungsartikel über ihn, der Bayerische Rundfunk hat ihn vor ein paar Jahren in der Reihe "Lebenslinien" ausführlich porträtiert. Aber Gargiulo erzählt seine Geschichte immer wieder gerne. Alles sei ihm nur mit viel Arbeit und Fleiß gelungen, betont er: "Urlaub? Hab ich nie gemacht". Und darauf, dass er 1966 seinen eigenen Laden gegründet hat und dieser sich bis heute hält, ist er ganz offenkundig stolz.

Als ältestes von sieben Kindern wuchs Gargiulo in einem Dorf in der Nähe von Sorrent südlich von Neapel auf. Die Familie lebte in einfachen Verhältnissen. Mario lernte Koch, und nach seiner Zeit beim Militär beschloss er, "dass ich mal was anderes sehen muss". Kurz vorher hatte er sich in eine junge Frau aus Ravensburg verliebt, die beiden wollten heiraten, er sollte mit Unterstützung seines künftigen Schwiegervaters ein Lokal in Memmingen eröffnen. Doch der erschien nicht zu einem vereinbarten Treffen. Also fuhr Mario nach München, wo nach zwei Monaten seine Ersparnisse aufgebraucht waren.