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FC Bayern:"Wir sind nicht dort gewesen, um Urlaub zu machen"

Lukas Schneller und Jamals Musiala.

Lukas Schneller (r.), hier mit Klub-WM-Pokal neben Jamals Musiala, wohnte als Kind in Moosach im Landkreis Ebersberg.

(Foto: FC Bayern München/oh)

Lukas Schneller wurde einst beim TSV Moosach im Kreis Ebersberg ausgebildet. Bei der Klub-WM in Katar stand der 19-jährige Torwart nun überraschend im Kader des FC Bayern.

Interview von Korbinian Eisenberger

Lukas Schneller hat noch nie für die Profis des FC Bayern auf dem Platz gestanden. Trotzdem war der 19-Jährige als Teil der Profimannschaft bei der Klub-WM in Katar und darf sich nun Weltmeister nennen. Im Interview spricht der Torwart über die Tage von Doha, den Kontakt zu Weltfußballer Robert Lewandowski und den Verein, von dem er einst nach München wechselte: den TSV Moosach im Kreis Ebersberg.

SZ: Weltmeister mit 19. Was soll jetzt noch kommen?

Lukas Schneller: Man muss es so sehen: Ich darf glücklich sein, dass ich überhaupt dabei sein konnte und den Erfolg miterleben durfte. Die beiden Spiele in Doha waren ein Erlebnis, das ich nie vergessen werde. Sportlich habe ich aber nicht viel beigetragen. Ich habe nur den Kader aufgefüllt.

Sie haben noch kein Bundesliga- oder Champions-League-Spiel für Bayern bestritten. Wie kommt es, dass Sie nun bei der Klub-WM in Katar im Kader standen?

Weil der zweite Torwart Alexander Nübel ausgefallen ist, bin ich aus der Drittligamannschaft als dritter Torwart nachgerückt. Die Profis nehmen zu solchen Events immer drei Keeper mit.

Beim 0:2 gegen Hansa Rostock standen Sie in der dritten Liga mit der zweiten Mannschaft erstmals 90 Minuten im Tor. Nun saßen Sie in Doha auf der Bank und haben gegen Tigres aus Mexiko gewonnen. Spielen und verlieren - oder als Auswechselspieler gewinnen. Was ist Ihnen lieber?

In meinem Alter ist Spielen das wichtigste. Natürlich möchte ich jetzt vor allem bei den Amateuren in der dritten Liga Fuß fassen. Am besten spielt man und gewinnt.

Ist es in einem leeren Stadion wie aktuell in Deutschland überall ein Vorteil, wenn man wie Sie weniger Zuschauer gewohnt ist?

Bei Auswärtsspielen ist es für uns junge Spieler vielleicht etwas einfacher. Wenn du dann in Dresden oder Rostock spielst, ist es sicher nochmal eine zusätzliche Herausforderung, so viele Leute auf den Rängen gegen sich zu haben. Wir Spieler freuen uns aber alle, wenn die Zeit der Geisterspiele endlich vorbei ist.

In Doha waren Sie mit einer Truppe unterwegs, die gespickt ist mit Stars. Wie war Ihr Kontakt mit Welttorhüter Manuel Neuer?

Sehr kollegial. Manuel ist ein super- netter Typ, er hat mich gut aufgenommen, erklärt vieles. Ich kann immer zu ihm kommen. Auch Lewandowski und die anderen suchen Kontakt zu den jüngeren Spielern.

Auf Instagram haben Sie ein Foto gepostet, wo sie mit Choupo-Moting und Süle auf dem Trainingsgelände unter der Sonne Dohas stehen. Können Sie uns in Erinnerung rufen, wie sich 25 Grad am Meer anfühlen?

Wir sind nicht dort gewesen, um Urlaub zu machen, uns zu sonnen und Spaß zu haben. Es ging darum, für den FC Bayern den sechsten Titel zu holen, was vor uns nur Barcelona geschafft hat. Für dieses Ziel hat jeder von uns Gas gegeben.

Wie reagieren die Freunde daheim auf diese Reise und den Triumph?

Da kam schon der ein oder andere Glückwunsch. Nicht nur von der Familie, sondern auch von Leuten von früher, mit denen ich lange keinen Kontakt hatte.

Die Reise ist nicht ganz unumstritten gewesen. Gab es auch kritische Stimmen?

Für uns Spieler ging es nur darum, unseren Job zu erledigen.

Unter Ihren Instagram-Post mit dem Pokal gab es drei Herzen von Joshua Zirkzee, der nach starken eineinhalb Jahren im Bayern-Profikader kürzlich verliehen wurde. Wie sieht Ihre Planung aus?

Josh kenn ich seit der U 17, er ist ein Freund von mir und wir sind weiter in Kontakt. Mein Ziel ist, dass ich in dieser Saison in der dritten Liga so viele Spiele machen kann wie möglich. Und ich hoffe, dass ich durch gute Leistungen weiterhin die Chance bekomme, Teil des Profitrainings zu sein, um mich bestmöglich weiter zu entwickeln.

Setzt man in Ihrer Situation alles auf den Fußball oder baut man sich ein zweites Standbein auf?

Ich habe kürzlich meinen Vertrag beim FC Bayern verlängert. Momentan sehe ich die Chance, im Fußball meinen Weg zu gehen.

Viele Buben und Mädchen eifern Sportlern wie Ihnen oder der Ebersbergerin Julia Pollak bei den FCB-Frauen nach. Wie schafft man es vom TSV Moosach zum FC Bayern?

Aktuell ist es natürlich schwierig, da der Amateurbereich aussetzen muss. Ich hatte zu der Zeit in Moosach eine gute Mannschaft. Wir feierten viele Erfolge zusammen. Dem damaligen Bayern-Scout bin ich aufgefallen. Beim Probetraining der U 11 habe ich überzeugt. Ich glaube auch durch Ehrgeiz. Torhüter sind in dem Bereich ja immer ein bisschen besonders.

Sie auch?

Insofern, weil ich sehr viel trainiere und vor und nach dem Training Extraschichten mache.

Haben Sie noch Kontakt nach Moosach?

Leider nicht mehr, der Trainer von damals ist nicht mehr da und die Mannschaft hat sich aufgelöst.

© SZ vom 17.02.2021/koei
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