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Ebersberger Pflegeinrichtungen:Weihnachten unter einem anderen Stern

Altenpflege in Corona-Zeiten

Trotz Einschränkungen ist man in den Heimen bemüht, etwas Weihnachtsatmosphäre zu schaffen.

(Foto: Peter Hinz-Rosin)

Anders wird es, aber trotzdem schön: Wie die Bewohner der Senioren- und Pflegeheime im Kreis Ebersberg dieses Jahr Heiligen Abend feiern.

Von Franziska Langhammer, Ebersberg

Alle Jahre wieder zwar, aber diesmal wird es anders sein: Kaum jemand wird dieses Jahr ein Weihnachten feiern, wie er es kennt. Vor allem auch für die Bewohner von Pflege- und Seniorenheimen werden der 24. Dezember und die Feiertage anders verlaufen als sonst. Wie trotz der Einschränkungen für ein bisschen weihnachtliche Atmosphäre gesorgt wird, berichten einige Einrichtungs-Mitarbeiter im Landkreis Ebersberg.

Normalerweise ist die Weihnachtsfeier im evangelischen Pflegeheim im Reischlhof in Ebersberg ein Highlight im Jahresverlauf für die Bewohner, sagt Leiterin Anke Möglinger. 48 Bewohner, die alle pflegebedürftig und zum großen Teil auch demenzkrank sind, leben im Reischlhof. Normalerweise wird am 24. Dezember nachmittags auf allen drei Stockwerken im Aufenthaltsraum gefeiert, so Möglinger. Die Vorbereitungen dazu beginnen oft schon im Oktober. "Da wir bloß wenige Bewohner haben, die auf Grund ihres Gesundheitszustandes nach Hause geholt werden können, haben wir auch immer viele Angehörige zur Weihnachtsfeier zu Besuch", sagt die Leiterin. "Die Aufenthaltsräume sind stets sehr gut gefüllt."

Dieses Jahr ist alles anders. "Wir werden die Weihnachtsfeier pandemiebedingt leider ohne die Angehörigen feiern müssen", so Möglinger, "ansonsten wird sich am Ablauf der Feier nicht viel ändern." Das Singen wird man sich leider verkneifen müssen, stattdessen wird eine Geschichte vorgelesen. Am ersten Feiertag gibt es, auch wieder getrennt in jedem Aufenthaltsraum, einen kleinen Gottesdienst. Zudem gibt es an allen drei Weihnachtstagen Besuchszeiten, so dass die Bewohner ihre Angehörigen an Weihnachten sehen können.

"Wir werden uns große Mühe geben, das Weihnachtsfest trotzdem schön zu gestalten", sagt Anke Möglinger.

Nicht zuletzt wegen eines Coronafalls unter den Bewohnern wird es im Glonner Marienheim dieses Jahr auch keine Zusammenkunft an Weihnachten geben. "Normalerweise treffen sich die Bewohner der einzelnen Wohnbereiche", erzählt Einrichtungsleiter Hubert Radan. "Man isst zusammen Plätzchen, trinkt Glühwein oder einen Punsch. Das wird dieses Jahr leider nicht möglich sein." Ein Angehöriger pro Bewohner darf jedoch an Weihnachten zu Besuch kommen, allerdings unter der Bedingung, er bringt ein aktuellen negativen Test mit oder macht vor Ort einen Schnelltest. Weiterhin würden natürlich die Alltagsbegleitung und Einzelbetreuung stattfinden. Und auch für etwas weihnachtliche Atmosphäre soll gesorgt sein. "Die Christbäume stehen schon und werden in den nächsten Tagen geschmückt", so Radan.

Im Carecon Seniorenwohnpark in Vaterstetten ist das Weihnachtsfest normalerweise eine große Veranstaltung: Es gibt Live-Musik, es wird getanzt - "eine schöne, angenehme Atmosphäre", so Leiter Tomislav Nikic. Das werde dieses Jahr leider auch nicht möglich sein. "Wir können kleinere Feiern in den einzelnen Wohnbereichen durchführen", sagt Nikic. Allerdings nur in kleinen Gruppen, Maske und Abstand seien natürlich Pflicht. Statt Live-Musik sollen per Radio festliche Lieder für alle gespielt werden. Auch befindet sich in jedem Wohnbereich ein bereits geschmückter Weihnachtsbaum. "Am 23. und 24. dürfen die Angehörigen noch die Bewohner besuchen", so Leiter Nikic. Allerdings ist auch hier nur ein Besucher pro Bewohner zugelassen, und das nur, wenn der Schnelltest negativ ausfällt.

"Wir haben normalerweise immer in den Tagen vor dem Heiligen Abend eine Weihnachtsfeier", erzählt Jakob Walker. Er leitet das Pflegeheim Walterhof in Markt Schwaben. Auch die Adventssonntage werden festlich begangen, mit Vorlesen, Plätzchen Essen, LED-Kerzen. Das ist zwar auch dieses Jahr möglich, allerdings ohne Angehörige. Am Montag vor Weihnachten ist ein langer Nachmittag geplant, an dem alle Bewohner an einem Gottesdienst teilnehmen. Weil dieses Jahr kein Pfarrer kommen kann, wird Walker, langgedienter Seelsorger und Mediator, die Weihnachtsgeschichte vorlesen und etwas in Zivil gestalten, wie er sagt. Gesungen wird wohl nicht, aber "auch an Musik darf es nicht fehlen", so Jakob Walker. Dafür wird ein Bewohner mit seinem Keyboard sorgen.

Im Anschluss gibt es dieses Jahr wie immer Kaffeetrinken mit Gebäck und Stollen im Walterhof, und dann kommt etwas, auf das viele Bewohner schon hinfiebern: die große Gabenverteilung. Im Vorfeld dürfen sich die Bewohner kleinere bis größere Geschenke wünschen, möglich ist das durch das Landespflegegeld. "Das ist immer ein großes festliches Ereignis, auf das sich alle freuen", sagt Walker. Zu diesem Anlass wird ein ganzes Zimmer mit Gaben gefüllt. Bei der Verteilung muss vielen Bewohnern geholfen werden, weil sie nicht mobil sind.

Natürlich werden bei der Veranstaltung sämtliche Hygiene-Vorschriften beachtet, mit Mundschutz und Handschuhen und teilweise Kittel und Hauben, so der Einrichtungsleiter. Was sich die Bewohner des Walterhofs dieses Jahr gewünscht haben? Jakob Walker erzählt von einem Bewohner, der sich sehnlichst einen größeren Fernseher für sein Einzelzimmer wünscht. "Der wird sich riesig drüber freuen", so Walker. Aber auch Radiogeräte oder Zigarettenstangen für Raucher stehen auf dem Wunschzettel.

Wenn also auch dieses Jahr alles unter einem anderen Stern steht, bleibt zu hoffen, dass auch in den Senioren- und Pflegeheime die große Freude unter dem Christbaum nicht ausbleibt.

© SZ vom 21.12.2020/koei
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