Frühere Grafinger Rathauschefin:"Für die Stelle habe mich ganz klassisch beworben"

Angelika Obermayr - Abschiedsportrait

Angelika Obermayr pendelt jetzt nach Ampermoching.

(Foto: Peter Hinz-Rosin)

Bis Ende April 2020 war Angelika Obermayr die erste und bis dato einzige Grüne Bürgermeisterin im Landkreis Ebersberg. Jetzt hat die Grafingerin einen neuen Job.

Interview von Thorsten Rienth, Grafing

Sechs Jahre lang lag der Arbeitsplatz von Angelika Obermayr komfortabel in der Grafinger Innenstadt: Die Grünen-Politikerin war Chefin im Rathaus, zum damaligen Zeitpunkt die einzige im Landkreis. Im Mai 2020 hat ihr Nachfolger Christian Bauer das Büro übernommen, er hatte sich in der Wahl durchgesetzt. Untätig bleiben wollte Obermayr dennoch nicht lange, wie sie im SZ-Interview erzählt.

SZ: Ihr Vorgänger hat das Amt des Grafinger Bürgermeisters einmal als 80-Stunden-Job bezeichnet. Hatte er recht?

Angelika Obermayr: Ja, solche Wochen sind die Regel. Da hat der Herr Heiler nicht übertrieben.

Und dann herrscht von einem auf den anderen Tag nur noch Freizeit.

Das war schon eine ordentliche Vollbremsung, keine Frage. Allerdings vergehen zwischen der Stichwahl und der Vereidigung des neuen Bürgermeisters immer einige Wochen. Die Umstellung kommt also weder plötzlich noch unerwartet. Ich habe mir damals zum Beispiel vorgenommen, eine Auszeit von einem Vierteljahr zu nehmen und - so sehr mir die Arbeit als Bürgermeisterin Freude gemacht hat - von der Schlagzahl herunterzukommen.

Sie sind Anfang 60, die Kinder aus dem Haus. Andere wechseln einfach in den Ruhestand.

Dieses Vierteljahr, in dem auch noch Lockdown war, hat mir sehr gutgetan. Aber auf Dauer war das noch nichts für mich. Im Sommer habe ich die Anzeige des Erzbischöflichen Ordinariats gelesen. Eine Verwaltungsleiterin für den Pfarrverband Röhrmoos-Hebertshausen wurde gesucht. Für die Stelle habe mich ganz klassisch beworben, sie bekommen und Anfang November angefangen.

Was macht man als Verwaltungsleiterin in einem Pfarrverband?

Die Verwaltungsleitung kümmert sich praktisch um alles, was nicht in die seelsorgerische Zuständigkeit fällt. Vieles dreht sich um Personal-, Haushalts- und Bauangelegenheiten. Es ist eine ehrlich spannende Aufgabe. Letztens ging es zum Beispiel darum, dass ein Kirchturm saniert werden muss. Da besteht die Gefahr, dass er durch seine Eigenschwingung beim Glockenläuten beschädigt wird. Oder die Einstellung einer Kirchenmusikerin. Wie spannend, als Laie zusammen mit einem Kirchenmusiker und Seelsorgern die richtige Auswahl zu treffen. Dann koordiniert man die Sachverständigen, Baufachleute und Denkmalschützer. Einiges ist vergleichbar mit der Aufgabe als Bürgermeisterin. Aber den Rahmen setzt nicht mehr eine Stadt, sondern der Pfarrverband mit seinen fünf Kirchenstiftungen.

Und die Atmosphäre?

Es ist ein sehr angenehmes Zusammenarbeiten, da alle großen Wert auf einen wertschätzenden Umgang miteinander legen. Dazu trägt sicherlich bei, dass in Pfarrverbänden sehr viele gewählte Ehrenamtliche mitarbeiten, sozusagen für Gottes Lohn. Außerdem ist mein Büro in dem wunderschön renovierten Pfarrhaus in Ampermoching.

Da sind sie aber ein ganz schönes Stück unterwegs.

Deshalb habe ich mir auch nach über zehn Jahren wieder einmal ein Auto gekauft.

Sie als Grüne?

Es ist selbstverständlich ein Elektroauto. Über Nacht laden wir es mit zwischengespeichertem Strom aus der Photovoltaikanlage auf dem Dach auf.

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