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Coronavirus:Wie Schwimmbäder die Zwangspause nutzen

Bäderchefin Christine Kugler im leeren Cosimabad.

Bäderchefin Christine Kugler im leeren Cosimabad.

(Foto: Robert Haas)

Von der Reinigung bis zur Rekrutierung - die Münchner Bäder haben viel zu tun. Die Zeit nach dem Virus wird auch schon geplant.

Wo sonst geplanscht wird, ist große Leere: München hat seine Schwimmhallen wegen der Corona-Krise geschlossen. Dennoch ist Christine Kugler, verantwortlich für die Bäder der Stadtwerke (SWM), derzeit fast noch mehr im Stress als sonst in dieser Jahreszeit. Ihr Arbeitsalltag bewege sich zwischen "Entschleunigung und Beschleunigung", sagt sie. Es gebe wahnsinnig viel zu organisieren. Kugler und ihre Mitarbeiter stellen sich darauf ein, dass die Münchnerinnen und Münchner nach den Osterferien, von 20. April an, wohl wieder schwimmen gehen können. Das hängt jedoch vom Freistaat ab, der die Schließung aller öffentlichen Einrichtungen angeordnet hat, auch der Bäder. "Wenn's anders kommt, bleiben wir gelassen und passen uns an neue Situationen an", sagt Kugler.

Bislang konnte man sie noch in ihrem Büro in der Emmy-Noether-Straße erreichen. Ihren Laptop aber klappt sie auch nach Feierabend und am Wochenende zu Hause auf. In dieser unsicheren Lage möchte sie schnell reagieren können. Eine naheliegende Reaktion auf die geschlossenen Türen der Schwimmbäder: Man nutzt die Zeit der erzwungene Pause für jährlich anfallende Maßnahmen zur Instandhaltung. Das können Kleinigkeiten sein wie Spindschlösser reparieren und Schlüsselbänder austauschen, aber auch Fliesen flicken, Fugen auffüllen und einiges mehr.

Für solche Kleinigkeiten braucht es nun einen guten Blick und gegebenenfalls die richtigen Handwerker. Diese auf die Schnelle zu bekommen, sei allerdings nicht so einfach, sagt Kugler. "Wir werden die Arbeiten vorziehen, die machbar sind, was davon abhängt, ob die entsprechenden Firmen spontan verfügbar sind." Die sogenannte Revisionszeit findet sonst in den einzelnen Bädern hintereinander zwischen Juli und September statt.

Die Mitarbeiter der Bäder sind ohnehin trotz der Corona-Schließungen weiterhin an Bord. Denn auch wenn man derzeit dort keine Bahnen ziehen darf, gibt es einiges zu tun. Das Wasser in den Becken wird in einer solchen Ruhephase nicht einfach abgelassen, wie zu Hause aus einer Badewanne. Zur Reinigung ist die Umwälzung in Betrieb, allerdings nur so wenig wie technisch nötig, um Energie zu sparen. Aus demselben Grund ist die Temperatur derzeit geringer als sonst - nur etwa 12 bis 16 Grad. Gut 27 Grad werden normalerweise in den Sportbecken gemessen, zwei Grad mehr dort, wo schwimmen gelehrt wird. Im Kinderbereich hat das Wasser angenehme 34 Grad, in den Außenbecken während der Wintermonate etwa ebenso viel.

In den Münchner Bädern gibt es Becken aus Edelstahl wie etwa im Südbad in Untersendling, aber auch geflieste wie im Schwabinger Nordbad oder im bald 120 Jahre alten Müller'schen Volksbad am Gasteig. Das Wasser in den moderneren Edelstahl-Varianten wird planmäßig abwechselnd nur alle zwei bis drei Jahre komplett erneuert. Die älteren Fliesenbecken werden jährlich entleert, um nach möglichen Schäden zu sehen und sie gründlich zu reinigen. Mehr als 508 Kubikmeter Wasser, also 508 000 Liter, fließen bei einer Entleerung allein aus dem großen Schwimmerbecken des Südbads durch die Abwasserrohre.

Neben den vorgezogenen Arbeiten in den Hallenbädern beschäftigt Kugler aber auch schon die Vorbereitung auf die Freibad-Saison. Nach dem Motto "der nächste Sommer kommt bestimmt" trifft ihre Abteilung alle Vorkehrungen dafür, dass die Sommerbäder eröffnen können - so die Corona-Krise bis dahin überwunden ist. Das Dantebad in Neuhausen-Nymphenburg soll nach einer vorgezogenen Revisionspause den Sommerbetrieb sogar schon am 20. April aufnehmen. Wenn das Wetter und das Virus es zulassen, sollen das Schyren- und das Prinzregentenbad am Maifeiertag aufmachen, die Georgenschwaige am 16. Mai und die restlichen vier Freibäder kurz danach.

Soweit der Plan von Seiten der Stadtwerke - ungeachtet der unvorhersehbaren Katastrophenlage. Was zur Umsetzung allerdings bislang fehlt, sind noch einige Mitarbeiter für die Freibäder. Das Rekrutieren der meist gut gebräunten Beobachter am Beckenrand, die übermütige Jugendliche zurückpfeifen und für Notfälle rund ums Wasser da sind, gestaltet sich jedes Jahr schwierig. Heuer aber ist die Lage besonders kritisch. Wegen der geschlossenen Bäder kann nicht wie sonst mit Flyern für die Saisonjobs geworben werden. Zudem können die nötigen Erste-Hilfe-Kurse nicht stattfinden und Rettungsscheine nicht abgenommen werden. Insgesamt fehlen im Augenblick gut 30 Rettungsschwimmer, dazu sechs Kassenkräfte. Angesprochen fühlen dürfen sich alle, so Kugler, die im Moment in einer beruflich unsicheren Zeit leben. Und sich einen Arbeitsplatz unter freiem Himmel vorstellen können. Erste Kontaktaufnahme ist über die Webseite der SWM möglich.

© SZ vom 25.03.2020/wean
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