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Isar-Partys trotz Corona:Nur Regen kann helfen

Sonne an der Isar

Sommer auf Abstand? Tausende Münchner zieht es an die Isar. Nächtliches Feiern nervt die Anwohner in der Unteren Au.

(Foto: Sven Hoppe/dpa)

Die Frühlingsanlagen zwischen Reichenbach- und Wittelsbacherbrücke sind zur Partyzone geworden. Die Lokalpolitik zeigt sich ratlos, die Polizei verspricht den lärmgeplagten Anwohnern verstärkte Kontrollen.

Von Patrik Stäbler

Die Abende sind lau, Clubs und Bars nach wie vor wegen Corona geschlossen, und so zieht es viele Münchner dieser Tage zum Feiern ins Freie - oft zum Leidwesen der Anwohner. Zunehmender Beliebtheit erfreuen sich dabei die Frühlingsanlagen, also die Isarauen zwischen Reichenbach- und Wittelsbacherbrücke in der Unteren Au. Dort haben sich nun etliche Bewohner mit ihren Beschwerden über nächtlichen Lärm und die Hinterlassenschaften der Feiernden an den Bezirksausschuss (BA) Au/Haidhausen gewandt.

"Da herrscht ein Zustand, dass einem die Augen tränen", klagte Wolfgang Dykiert, Anwohner der Eduard-Schmid-Straße, in der Sitzung des Stadtteilgremiums. "Die Feierei geht nachts bis um drei Uhr. Hinterher liegen Glasscherben und Plastiktüten herum, und das größte Problem sind die hygienischen Verhältnisse, weil da jeder Zehnte ins Gebüsch geht."

Ganz ähnlich klingt das bei einem Anwohner, der sich schriftlich unter anderem ans Rathaus und ans Innenministerium gewandt hat. Er berichtet von "exzessiven Partys" auch unter der Woche und mahnt die geltenden Kontaktbeschränkungen an: "Hat nur eine einzige Person dort eine Corona-Infektion, dann hat das danach die ganze Isar und im Anschluss fast die ganze Stadt - Göttingen und Ischgl sind dann harmlos."

Derweil bestätigt ein Polizeisprecher, dass in den vergangenen Tagen vermehrt Beschwerden von Anwohnern der Frühlingsanlagen eingegangen seien. Er spricht von zehn bis 20 Anrufen je Abend. Die Polizei sei daraufhin zur jeweiligen Örtlichkeit gefahren und habe die Situation geklärt - "primär mit Kommunikation und Deeskalation", erklärt der Sprecher des Präsidiums. Vereinzelt habe es Anzeigen wegen Verstößen gegen die Kontaktbeschränkungen sowie wegen Feierns und unerlaubten Grillens gegeben. Jedoch seien diese im Vergleich zu den Zeiten während der Ausgangsbeschränkungen zurückgegangen.

"Ich fürchte, so richtig viel können wir da nicht machen", sagte Nikolaus Haeusgen (CSU) in der BA-Sitzung, nachdem Anwohner Wolfgang Dykiert sein Leid geklagt hatte. "Das ist einfach ein Mangel an Benehmen und an Rücksichtnahme." Heidrun Stangenberg (Grüne) berichtete den Kollegen, dass sie sich an einem Abend selbst ein Bild an der Isar gemacht habe - "und ich habe mich erschreckt", sagte sie. "Das ist zu einer Massenveranstaltung geworden. Außerdem standen da riesige Boxen, die gewummert haben." Die Forderung, die Isar-Partys "massiv mit Polizei einzudämmen", wies Brigitte Wolf (Linke) unterdessen zurück. "Das führt nur dazu, dass man die Leute an eine andere Stelle in der Stadt treibt", sagte sie. "Das Problem wird höchstens gelöst, wenn's regnet oder kalt wird."

Prinzipiell seien die Frühlingsanlagen "eine Erholungsfläche und ein Bereich, wo Leute feiern dürfen", stellte BA-Vorsitzender Jörg Spengler (Grüne) klar. Jedoch müssten sich die Nachtschwärmer an geltende Regeln etwa zur Ruhestörung halten und auch ihren Müll wieder mitnehmen. Infolge der vielen Bürgerbeschwerden hatte Spengler einen Termin bei der Polizei vereinbart. Dort habe man ihm versichert, dass Beamte verstärkt in dem Gebiet eingesetzt werden. "Die Polizei will mit Fingerspitzengefühl vorgehen, denn das Schlimmste wäre, wenn es da zu Tumulten kommt", so der BA-Vorsitzende. Ihm zufolge werde man das Problem wohl nicht so schnell aus der Welt schaffen. "Ich fürchte, dass die Anwohner da auch ein Stück weit mit leben müssen", sagte Spengler. "Der Sommer hat ja gerade erst begonnen."

© SZ vom 01.07.2020
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