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Petition gestartet:Neues Bündnis für Geflüchtete

Bayern soll 500 Menschen von Griechischen Inseln aufnehmen

Von Thomas Anlauf

Menschen in dünnen Schuhen schaufeln in diesen Tagen braunes Regenwasser aus ihren Zelten und versuchen, ihre dürftigen Behausungen vor den Herbststürmen zu sichern, Kinder stehen im kalten Matsch. Seit Jahren müssen Tausende Menschen nun schon auf griechischen Inseln ausharren, jetzt kommt erneut der Winter und es gibt nur wenig Hoffnung, dass sie einen menschenwürdigen Schutz in Europa finden. "Es ändert sich verdammt noch mal nichts", sagt Marcus Mittermeier. Der Schauspieler und Regisseur hält auf der Theresienwiese ein großes blaues Transparent in die Höhe. "Menschlichkeit jetzt! Schutz für Geflüchtete aus den griechischen Lagern", steht darauf. Mittermeier ist Schirmherr einer am Freitag gestarteten Petition, damit Bayern ein eigenes Programm zur Aufnahme von Geflüchteten von Lesbos, Samos und anderen Inseln in Griechenland startet. Die Münchner Sozialgenossenschaft Bellevue di Monaco, Refugio München, das Evangelische Migrationszentrum im Griechischen Haus und die bayerischen Grünen haben sich dem Aufruf ebenso angeschlossen wie der Bayerische und der Münchner Flüchtlingsrat.

Allein 16 Kommunen in Bayern haben schon vor vielen Monaten erklärt, zahlreiche Menschen aus den griechischen Lagern aufzunehmen. Doch bislang ist nicht viel geschehen. "Die von Ministerpräsident Söder geführte Regierung weigert sich, ein solches Zeichen der Menschlichkeit zu setzen", heißt es in einer Erklärung des Bündnisses "#BayernNimmtAuf".

"Es muss endlich ein humanistisches Zeichen von Bayern geben", sagt die Münchner Landtagsabgeordnete Gülseren Demirel (Grüne). Die Zustände auf den griechischen Inseln seien dramatisch. Demirel hatte selbst ein Lager auf Lesbos besucht und sich ein Bild von der Situation verschafft. "Wie kann es sein, dass solche Zustände in Europa herrschen dürfen?", fragt sich Marcus Mittermeier. Das Bündnis fordert nun, bayernweit etwa 500 Geflüchtete von den Inseln aufzunehmen. Allein München hatte bereits signalisiert, mindestens die Hälfte davon menschenwürdig in der Stadt unterbringen zu können. Doch Bayern darf insgesamt bislang lediglich 100 Menschen aufnehmen.

© SZ vom 07.11.2020/van

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