Smartphones:Ein Kabel für alle

Ein USB-C-Kabel neben dem Ladekabel für das Apple iPhone

Ein USB-C-Kabel neben dem Ladekabel für Apples iPhone: Die EU zwingt den Konzern nun, auch USB-C zu nutzen.

(Foto: Jessy Asmus)

Die EU will die Handy-Anschlüsse vereinheitlichen. Das klingt praktisch - ist aber dirigistisch und innovationsfeindlich.

Kommentar von Björn Finke

Die neue Regelung ist gut für die Umwelt und bequem für Verbraucher: Trotzdem ist es ein Fehler, dass die EU-Kommission per Gesetz einheitliche Ladekabel für Handys und Tablets erzwingen will. Am Donnerstag stellte die Brüsseler Behörde den entsprechenden Richtlinienentwurf vor. Demnach dürfen künftig nur Smartphones, Tablets, Kameras oder Spielekonsolen verkauft werden, die mit Kabeln des Typs USB-C aufgeladen werden. Dieser Anschluss ist ohnehin der am weitesten verbreitete bei Handys. Bloß der US-Konzern Apple verwendet für Smartphones seinen eigenen Standard namens Lightning. Doch damit wird bald Schluss sein.

Das Gesetz, dem EU-Parlament und Ministerrat erst noch zustimmen müssen, soll dann nervigem Ärger mit Kabeln ein Ende bereiten. Wer im Urlaub sein Ladegerät zu Hause vergessen hat, kann einfach das von Freunden nutzen. Zudem sollen neue Smartphones künftig immer auch ohne miteingepacktes Ladegerät zu kaufen sein. Die Hoffnung der Kommission: Wer schon ein passendes Ladegerät in der Schublade liegen hat, erwirbt nur das Telefon. Das spart den Verbrauchern Geld und verkleinert den Rohstoffverbrauch und die Berge an Elektromüll.

Apple muss das Design seiner Geräte ändern, wider Willen

Für die Hersteller bedeutet das etwas weniger Umsatz, doch das werden sie verkraften. Einziger großer Verlierer, so scheint es erst einmal zu sein, ist Apple. Die Kalifornier müssen gegen ihren Willen Technik und Design ihrer Handys und Tablets ändern, vermutlich weltweit; schließlich wäre es zu teuer, eine Version für Europa und eine für den Rest der Welt zu produzieren. Eine milliardenschwere Firma wie Apple wird damit aber klarkommen.

Trotz der netten Vorteile und überschaubaren Belastungen: Die Kommission hätte auf das Gesetz verzichten sollen. Denn das Festschreiben von USB-C als de facto wohl weltweiten Standard kann Innovationen behindern. Apple könnten tolle Verbesserungen beim Lightning-Modell gelingen, oder vielleicht würde ein anderer Hersteller einen überlegenen dritten Standard entwickeln. Das wird nun nicht mehr passieren, weil die Behörde am 23. September 2021 entschieden hat, dass die Zukunft USB-C heißt.

Dient dieser Schritt vielleicht nur der Brüsseler Imagepflege?

Außerdem ist dieses Gesetz ein sehr harter Eingriff in die wirtschaftliche Freiheit - für ein doch eher kleines Problem. Die Industrie hat schon durch freiwillige Selbstverpflichtungen die Zahl der Ladekabeltypen binnen zehn Jahren von 30 auf drei und bald nur zwei verringert. Der dritte überlebende Standard, Micro-USB, ist ein Auslaufmodell. Die Verbraucher haben also viel weniger Ärger als früher. Und wäre der Leidensdruck wirklich noch so groß, könnten die Kunden den Apple-Konzern für seinen Sonderweg ganz einfach abstrafen: indem sie lieber ein Smartphone von Samsung oder anderen Rivalen kaufen. Auf diese Weise würde der Markt sein Urteil sprechen.

Doch die Kommission vertraut nicht dem Urteil des Marktes. Stattdessen setzt sie auf Dirigismus und detaillierte Vorgaben von ganz oben. Das ist ein beunruhigendes Signal für eine Behörde, die über Europas Wirtschaftspolitik mitbestimmt. Zudem liegt der Verdacht nahe, dass die Kommission das Gesetz auch der Imagepflege zuliebe ersonnen hat: Die EU ist abstrakt und kompliziert; da ist es gut, dem Bürger zwischendurch immer wieder zu zeigen, welche ganz konkreten Vorteile Brüssel bringt. Aber derart plumpes Werben hat die EU gar nicht nötig.

© SZ/jsl
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