Frauen und Karriere "Die braucht man nicht fördern, die wird bald schwanger"

Männer verteidigen im Büro ihr Revier vor Frauen, weil sie Angst vor Machtverlust haben.

(Foto: imago/Westend61)

Mit so einem Spruch wird einer Frau gerne einmal die Karriere verbaut. Warum Männer Angst vor starken Frauen haben, erklärt Psychologe Werner Dopfer in seinem Buch "Das Mama-Trauma". Sie seien einfach die besseren Chefs.

Interview von Nadja Lissok

Frauen sind kooperativer, kompromissbereiter und weitsichtiger als Männer - davon ist Diplom-Psychologe und Managementcoach Werner Dopfer überzeugt. In seinem Buch "Mama-Trauma - Warum Männer sich nicht von Frauen führen lassen" beklagt er, dass es dennoch so wenige Chefinnen in Deutschland gibt. Viele Männer bleiben immer noch lieber unter sich. Und warum? Weil sie sich vor starken Frauen fürchten.

SZ.de: Herr Dopfer, in Ihrem Buch stellen Sie fest, dass Männer, von Konkurrenz- und Leistungsdenken getrieben, auch gern mal organisiert im großen Stil betrügen. Hätte es die Finanzkrise oder den VW-Skandal nie gegeben, wenn mehr Frauen in den Führungsriegen sitzen würden?

Werner Dopfer: Aktuelle Forschungsergebnisse legen das nahe. Frauen sind gewissermaßen ein Garant für Fairness und Nachhaltigkeit, sie sind weniger anfällig für Größenwahn und versuchen seltener eigene Interessen durchzusetzen. Frauen wollen Risiken eher minimieren und spüren intuitiv, wenn etwas nicht mit rechten Dingen zugeht.

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Sind das biologisch weibliche Eigenschaften oder eher anerzogene Angewohnheiten?

Beides. Das ist eine geschlechterspezifische Prädisposition, die Intuition wird aber auch in der Erziehung bei Mädchen viel stärker gefördert.

Und die weibliche Intuition macht Frauen zu besseren Chefs?

Unter anderem. Der weibliche Führungsstil ist tendenziell eher kompromissbereit und kooperativ und deshalb für unsere moderne und vernetzte Welt, in der wir alle voneinander abhängig sind, besser geeignet. Die Menschen wollen heute partizipieren und fair behandelt werden. Sie wollen nicht mehr durch autoritäre Despoten oder narzisstische Selbstdarsteller geführt werden.

Aber erleben wir mit dem Erstarken von Populisten wie Trump oder autoritären Führern wie Erdoğan nicht gerade genau das Gegenteil?

In Krisenzeiten schreien die Menschen gern nach einem starken Mann. Da fallen viele in alte Muster zurück und wählen die vermeintlich einfachere Lösung, anstatt sich konstruktiv mit einem Problem auseinanderzusetzen. Das ist eigentlich psychologisch paradox, denn ein starker Mann führt automatisch zu anderen noch stärkeren Männern, die dann noch mehr Krisen produzieren. Das sieht man gerade sehr gut an den Bemühungen, den Krieg in Syrien zu beenden. Der deutsche Außenminister Steinmeier, der auf Verhandlung und Diplomatie setzt, verzweifelt dort vermutlich vor lauter männlichem Imponiergehabe.

Wie würden Sie denn im Gegensatz dazu Angela Merkels Führungsstil beschreiben?

Meiner Meinung nach ist der Führungsstil der Kanzlerin durch Besonnenheit, Geduld und Ausdauer gekennzeichnet. Sie sucht nach gemeinsamen Lösungen und lässt sich aber auch von ethischen Vorstellungen leiten - das ist ihr Erfolgsrezept. Ihre spontanes "Wir schaffen das" zur Flüchtlingskrise entsprach nicht diesem weitsichtigen Führungsverhalten. Solche emotionalen Äußerungen war man von ihr nicht gewöhnt. Deshalb wurde sie auch so massiv von allen Seiten kritisiert.

Da fühlten sich die Männer bestätigt, dass eine Frau keine geeignete Regierungschefin sein kann. Aber woher kommt denn nun die Angst der Männer vor mächtigen Frauen?

Eine grundlegende Angst bei Männern ist, an Bedeutung zu verlieren. Außerdem haben viele Angst vor dem Verlust der Leistungsfähigkeit und vor der weiblichen Emotionalität. An diesen zentralen Ängsten wird gerüttelt, wenn eine Frau den Ton angibt. Männer sind es einfach nicht gewöhnt, Macht mit Frauen zu teilen. Historisch ist die Situation ja auch noch relativ neu.