Sprachgesteuerte Geräte:Computer, die auf Stimmen hören

Mikrofone müssen nicht mehr von der Decke hängen, um überall zu sein

Dank sprachgesteuerter Geräte sind Mikrofone inzwischen überall.

  • Die Sprachsteuerung von Computern hat große Fortschritte gemacht: Inzwischen erkennen Maschinen fast fehlerfrei, was ihnen diktiert wird.
  • Spracherkennungssoftwares wie Apples Siri oder Amazons Alexa bearbeiten Milliarden von Befehlen am Tag.
  • Firmen hoffen, durch die Spracheingabe noch mehr über ihre Nutzer zu erfahren.

Von Helmut Martin-Jung

Zugegeben, C-3PO ist manchmal schon ein ziemlicher Blechtrottel. Aber egal in welches Sonnensystem es ihn auch verschlägt, der goldglänzende Roboter aus der Star-Wars-Filmreihe kann sich wenigstens verständigen. Schließlich beherrscht er nach eigenen Angaben sechs Millionen Sprachen, auch wenn höchstens Meister Yoda weiß, wie sie wohl in ihn hineingekommen sind. Die armen Erdlinge dagegen mühen sich seit Jahrzehnten damit ab, dass ihre primitiven Computer wenigstens korrekt erkennen, was man ihnen befiehlt. Als Antwort aber kommt oft genug: "Ich habe Sie nicht verstanden."

Doch das ändert sich gerade. Echo, der sprachgesteuerte, vernetzte Lautsprecher von Amazon, ist ein Sensationserfolg. Seit 2014 auf dem Markt, lauscht er bereits in Millionen Haushalten auf sein Codewort, spielt auf Zuruf die Wunschmusik aus dem Netz ab, sagt Rezepte auf oder regelt Licht und Raumtemperatur. Google hat im Oktober in den USA ein ähnliches Gerät herausgebracht, und auch Apple, so wird gemunkelt, arbeite an so etwas. In manchen Autos lässt sich das Navigationssystem komfortabel und ohne vorgegebene Reihenfolge per Sprache programmieren.

Sprachsteuerung kann viele Interaktionen mit Geräten vereinfachen

Etwa ein Fünftel aller Suchanfragen auf Android-Handys werden in den USA bereits mündlich gestellt. Und im vergangenen Oktober meldete der Software-Konzern Microsoft gar, sein jüngstes System habe bei einem standardisierten Test genauso wenig Erkennungsfehler gemacht wie ein Mensch.

Erfüllen sich also endlich doch die lang gehegten Träume von Technik, die uns versteht? Wird Sprache, diese ureigene Fähigkeit des Menschen, Hilfsmittel wie Schalter, Tastaturen, Computermäuse und anderes ersetzen? Und was würde das dann bedeuten?

"Viele Interaktionen mit technischen Geräten könnten dadurch schon einfacher werden", sagt Elmar Nöth. Er ist Professor an der Universität Erlangen und beschäftigt sich seit vielen Jahren mit Spracherkennung. Die Menschen, glaubt er, würden diese neuen Möglichkeiten mit der Zeit auch annehmen. Vor allem eine Firma wie Amazon könnte enorm davon profitieren, vor allem wenn sie über die smarten Geräte mehr und mehr über deren Nutzer herausfindet.

Sprachsteuerung liefert einen wertvollen Datenschatz

Wie das geht? Nun, die zylinderförmigen Echo-Lautsprecher, kaum größer als zwei Dosen Pfirsiche, haben selbst viel zu wenig Rechenkraft, um die statistischen Analysen zu betreiben, auf denen Computer-Spracherkennung basiert. Alles, was nach dem Codewort eingesprochen wird, landet deshalb in Rechenzentren, etwa von Amazon, wo es dann auch bleibt, für weitere Auswertungen. Und klar ist: Dort wird nicht nur versucht zu verstehen, was der Nutzer eigentlich will.

Die Unternehmen haben auch ein hohes Interesse daran, den Kunden besser kennenzulernen. Wie viele Kinder gibt es im Haushalt, welche Nachrichten werden gehört, welche Rezepte abgefragt - all das verknüpft mit den Daten, die ohnehin schon aus den Bestellungen bekannt sind, ergibt einen äußerst wertvollen Datenschatz. "Amazon kann ein viel genaueres Profil seiner Kunden erstellen", sagt der Erlanger Forscher Nöth, "das führt letztlich zu manipulativem Werben."

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