Garmisch-Partenkirchen:Tödliches Zugunglück: Ermittlungen gegen Lokführer eingestellt

Garmisch-Partenkirchen: Bei dem Zugunglück am 3. Juni 2022 kamen fünf Menschen ums Leben, zahlreiche wurden verletzt. Die Ursache der Tragödie sind defekte Betonschwellen, die den Zug entgleisen ließen.

Bei dem Zugunglück am 3. Juni 2022 kamen fünf Menschen ums Leben, zahlreiche wurden verletzt. Die Ursache der Tragödie sind defekte Betonschwellen, die den Zug entgleisen ließen.

(Foto: Josef Hornsteiner/dpa)

Zwei Mitarbeiter der Deutschen Bahn tragen laut Staatsanwaltschaft keine Schuld an dem Unfall mit fünf Toten im Juni 2022. Gegen drei Bahnbeschäftigte besteht der Verdacht der fahrlässigen Tötung weiter.

Von Matthias Köpf und Klaus Ott, Garmisch-Partenkirchen

Gut eineinviertel Jahre nach dem Zugunglück bei Garmisch-Partenkirchen mit fünf Toten und zahlreichen Verletzten gibt es inzwischen erste abschließende Ermittlungsergebnisse der zuständigen Staatsanwaltschaft München II. Der Lokführer der Regionalbahn, die am 3. Juni 2022 bei Burgrain entgleiste, ist unschuldig. Die Staatsanwaltschaft hat das Strafverfahren gegen den Lokführer sowie gegen einen Fahrdienstleiter der Deutschen Bahn eingestellt. Gegen drei Beschuldigte wird weiter wegen des Verdachts der fahrlässigen Tötung ermittelt.

Die Staatsanwaltschaft bestätigte auf Anfrage, dass bei zwei der zuletzt fünf Beschuldigten die Akten geschlossen wurden. Bei diesen beiden Personen hätten sich keine Hinweise auf ein Fehlverhalten ergeben, das zu dem Unglück geführt habe. Die Namen und Funktionen der beiden Personen nannte die Staatsanwaltschaft nicht. Das gilt auch für die drei Beschuldigten, gegen die noch ermittelt wird.

Aus Kreisen von Verfahrensbeteiligten ist aber zu hören, um welche Funktionsträger es sich handelt. Der Lokführer und ein Fahrdienstleiter sind unschuldig. Unter Verdacht stehen weiterhin drei Beschäftigte der Deutschen Bahn: ein anderer Fahrdienstleiter, ein Verantwortlicher für die Gleisanlagen und ein Inspekteur. Wie die Ermittlungen gegen diese drei Beschäftigten abgeschlossen werden, ob es also zu einer Anklage kommt oder nicht, steht noch nicht fest. Im Falle einer Anklage müsste die Justiz erst noch entscheiden, ob es zu einem Prozess kommt. Es gilt die Unschuldsvermutung. Das würde sich erst bei einer rechtskräftigen Verurteilung ändern.

Schadhafte Betonschwellen aus Auslöser des Unfalls

Der Staatsanwaltschaft liegt inzwischen ein abschließendes Sachverständigen-Gutachten zum Hergang des Unfalls vor, bei dem mehrere Wagen der Regionalbahn von Garmisch-Partenkirchen nach München umgestürzt waren. Zum Inhalt des Gutachtens äußerte sich die Staatsanwaltschaft nicht. Die Deutsche Bahn teilte auf Anfrage mit, das Gutachten komme zu dem Ergebnis, dass "beschädigte Betonschwellen primär ursächlich für den Unfall" gewesen seien. "Mit diesem Gutachten bestätigt sich unsere Vermutung - schadhafte Betonschwellen führten zu diesem tragischen Unfall." Direkt nach dem Unfall habe man mit Sonderinspektionen begonnen und zahlreiche Betonschwellen dieser Art ausgetauscht. "Zudem kontrollieren wir unsere Schwellen noch engmaschiger", erklärte die Bahn.

Auf schadhafte Betonschwellen als mutmaßlichen Auslöser des Unfalls hatte ein Jahr nach dem Unglück auch die Bundesstelle für Eisenbahn-Unfalluntersuchung in einem Zwischenbericht verwiesen. In dem Bericht heißt es, ein "Mangel am Oberbau", also an der Schienentrasse, sei "primär ursächlich" gewesen. Gegen die Herstellerfirma dieser Betonschwellen hegt die Staatsanwaltschaft München II auch weiterhin keinen Verdacht auf Gesetzesverstöße. Hier gibt es keine Ermittlungen.

Nach dem Zugunglück von Burgrain hatte die Deutsche Bahn ihre Strecken in aller Eile genauer untersucht und zunächst zahlreiche sogenannte Langsamfahrstellen eingerichtet, welche die Fahrpläne vielerorts hinfällig werden ließen. Besonders betroffen war das Werdenfelsnetz rund um Garmisch-Partenkirchen. Hier ist die Bahn immer noch weit vom Normalbetrieb entfernt. So ist die schon seit vielen Monaten nicht mehr befahrene Strecke von Garmisch-Partenkirchen nach Mittenwald noch bis mindestens 7. Oktober gesperrt, weil eine marode Stützmauer saniert werden muss.

Auch der Zugverkehr von Mittenwald weiter nach Seefeld in Tirol und Innsbruck ist seit mehreren Tagen unterbrochen, weil nach einem Unwetter auf österreichischer Seite bei Scharnitz eine Mure die Gleise verschüttet hat. Auf der Strecke von Garmisch-Partenkirchen über Reutte nach Pfronten bauen die Österreichischen Bundesbahnen, weshalb hier voraussichtlich bis 5. Oktober ebenfalls keine Züge fahren.

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