Vilshofen Die SPD kapert das Bierzelt

Martin Schulz spricht beim Politischen Aschermittwoch der SPD in Vilshofen in einem Festzelt vor 5000 Besuchern.

(Foto: dpa)

Und wirkt beim politischen Aschermittwoch traditioneller als die CSU. Dort spricht man zwar vom "größten Stammtisch der Welt", inszeniert aber vor allem eine multimediale Show.

Kolumne von Katja Auer

Es war so, wie man sich das landläufig vorstellt: Ein riesiges Bierzelt mit weiß-blauen Bahnen unter dem Dach, Blasmusik, Bierkrüge auf den Tischen und Fischsemmeln, weil der Aschermittwoch unter Katholiken, wie es sie noch zahlreich gibt in Bayern, ein Fasttag ist. Dazu das politische Poltern und eine Mordsgaudi unter den 5000 Zuhörern. So war es schon oft beim Politischen Aschermittwoch in Niederbayern. Nur halt selten bei der SPD.

Es ist noch nicht so lange her, da hockten die Genossen am Aschermittwoch in überschaubarer Anzahl im Wolferstetter Keller in Vilshofen und beklagten ihr Dasein als in Bayern kaum beachtete Splitterpartei. Die CSU schicke ihre ganze Prominenz nach Passau, schimpfte vor ein paar Jahren noch ein altgedienter Parteiveteran, und bei der SPD trete nur so ein unbekannter Europapolitiker auf. Martin Schulz hieß der.

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Der war nun wieder da, diesmal als Kanzlerkandidat und Lichtgestalt, und verschaffte der SPD den Triumph der wohl größten Veranstaltung zum Aschermittwoch in Niederbayern. Beim größten Stammtisch der Welt, wie die CSU üblicherweise ihre Zusammenkunft in der Passauer Dreiländerhalle bezeichnet, musste der Generalsekretär dagegen heuer von einer gefühlten Mehrheit reden, weil die mehreren wohl in Vilshofen saßen. Noch dazu in genannter traditioneller Aufmachung.

Die CSU dagegen, die Traditionen und deren Bewahrung gerne für sich beansprucht, machte ihren Aschermittwoch zu einem multimedialen Event. "Touchpad und Trachtenjanker" gab der Generalsekretär als neues Motto aus, ergänzend zum vielbelächelten "Laptop und Lederhose". Gesagtes wurde aus der Halle direkt in die Welt getwittert und gepostet, zwischen den Reden gab es Live-Schalten zu den jungen Leuten, die die sozialen Medien mit den CSU-Botschaften fütterten. Übertragen auf die Videoleinwände, klar. Die riesige Bühne weckte Assoziationen zum amerikanischen Wahlkampf, die ganze Halle CSU-blau illuminiert.

Der Hauptredner wenigstens war traditionell derselbe, CSU-Chef Horst Seehofer. Fischsemmeln gab es auch. Und den bayerischen Defiliermarsch. Obwohl der, landläufig betrachtet, besonders gut in ein Bierzelt passt.

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