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Sturm "Sabine" in Bayern:Erneut Tausende Haushalte ohne Strom

Sturmtief 'Sabine' - Allgäu

Ein bisschen wie die Nordsee: Nur selten zeigt sich der Hopfensee nördlich von Füssen im Landkreis Ostallgäu so aufgewühlt, dass man den Eindruck haben könnte, man stehe an der Promenade einer Meeresküste.

(Foto: Karl-Josef Hildenbrand/dpa)
  • Eine zweite Sturmwelle schneidet in der Nacht zum Dienstag erneut Tausende Haushalte in Bayern vom Strom ab.
  • Der Deutsche Wetterdienst warnte auch am Dienstag vor orkanartigen Sturmböen von bis zu 100 Kilometern pro Stunde.
  • Das Orkantief "Sabine" hatte am Montag in Bayern das öffentliche Leben teils zum Erliegen gebracht.
  • Mehrere Menschen wurden verletzt, die Sachschäden waren erheblich. Es hätte aber schlimmer kommen können.
  • Auch am Dienstag gibt es in manchen Regionen Bayerns Schulausfälle.

Eine zweite Sturmwelle hat in der Nacht zum Dienstag erneut Tausende Haushalte in Bayern vom Strom abgeschnitten. "Nachdem es Montagnachmittag zunächst ruhiger wurde, waren vergangene Nacht im Süden von München und im Voralpengebiet in unserem Netzgebiet noch mal etwa 20 000 Haushalte zeitweise ohne Strom", sagte ein Sprecher des Stromnetzbetreibers Bayernwerk AG am Dienstag. Mittlerweile seien die Schäden aber behoben.

"Insgesamt hat der Sturm in unserem Netzgebiet etwa 100 000 Haushalte vom Strom abgeschnitten", sagte der Sprecher. "Wir haben praktisch seit Montagfrüh um 3.00 Uhr ohne Pause dem Sturm hinterhergearbeitet." Die Nürnberger N-Ergie GmbH bilanzierte etwa 5200 Haushalte ohne Strom. Die meisten Schäden entstanden laut Bayernwerk-Sprecher, weil Äste und Bäume auf die Stromleitungen gefallen waren. "Wie viele Reparatureinsätze wir letztendlich hatten, kann ich gar nicht beziffern; aber es waren sehr, sehr viele", sagte er.

Nach den heftigen Stürmen normalisiert sich das öffentliche Leben in Bayern wieder. Polizei und Feuerwehr verzeichneten am Dienstag deutlich weniger wetterbedingte Einsätze als am Vortag. In Franken rollte der Bahnverkehr wieder weitgehend nach Plan. In Südbayern hingegen gab es noch Behinderungen, einige Strecken blieben zunächst gesperrt. "Aufgrund neuer aufkommender Sturmböen und Schneefall ist die Situation weiter angespannt", teilte die Deutsche Bahn am Vormittag mit. Bei der Werdenfelsbahn blieb der Verkehr südlich von Weilheim zunächst unterbrochen, ebenso im Allgäu südwestlich von Buchloe sowie in den Bereichen rund um Kempten sowie Hergatz-Lindau. Auch zwischen Günzburg und Mindelheim standen die Züge still. Auch beim Meridian und der Bayerischen Oberlandbahn gab es noch Probleme, wie die Bayerische Regiobahn mitteilte.

Am Dienstag bleibt es im Freistaat ungemütlich. Der Deutsche Wetterdienst (DWD) warnte weiterhin vor orkanartigen Sturmböen von bis zu 100 Kilometern pro Stunde. An den Alpen regnet es außerdem immer mal wieder, ab 700 Metern fällt Schnee. Bei drei Grad im Fichtelgebirge und zehn Grad am Untermain bleibt es weitestgehend mild.

In der Nacht zum Mittwoch schwächen sich die Böen örtlich bis auf 60 Kilometer pro Stunde ab. Durchs Mittelgebirge und auf den Alpengipfeln fegen weiterhin schwere Sturm- und orkanartige Böen von bis zu 100 Kilometern pro Stunde. Vereinzelt fallen Schnee-, Regen- oder Graupelschauer, auch Gewitter sind möglich. Nachts fallen die Temperaturen auf bis zu minus zwei Grad, in den Alpentälern bis auf minus fünf Grad. Die Meteorologen warnen örtlich vor glatten Straßen.

Das Orkantief Sabine hatte am Montag in Bayern das öffentliche Leben teils zum Erliegen gebracht. Mehrere Menschen wurden verletzt, die Sachschäden waren erheblich. Die Deutsche Bahn hatte am Morgen nach dem Fernverkehr auch den Regionalverkehr eingestellt, an den Airports wurden zahlreiche Flüge annulliert, fast alle Schulen blieben geschlossen, Veranstaltungen wurden abgesagt. Zahlreiche Bäume stürzten um und blockierten Straßen und Gleise, manche fielen auf Gebäude. Mehrere Menschen wurden verletzt, meist blieb es aber bei leichteren Blessuren. Im mittelfränkischen Heßdorf (Kreis Erlangen-Höchstadt) wurde ein 20 Jahre alter Fußgänger am Kopf schwer verletzt, weil der Anhänger eines vorbeifahrenden Autos durch eine Böe auf den Gehweg geschleudert wurde. In Ostheim (Landkreis Rhön-Grabfeld) erfasste am Montagnachmittag eine Windböe einen Arbeiter und blies ihn vom Dach einer Biogasanlage. Der 41-Jährige stürzte vier Meter tief und erlitt eine nicht lebensgefährliche Rückenverletzung, wie die Polizei am Dienstag mitteilte. Er war mit Wartungsarbeiten an der Lüftungsanlage beschäftigt und wurde in ein Krankenhaus gebracht.

Insgesamt hätte der Sturm nach Einschätzung von Experten allerdings noch schlimmere Folgen haben können. Nach Angaben von Guido Wolz vom Deutschen Wetterdienst (DWD) in München ist es bekannt, dass Stürme im Winter weniger Schäden verursachen als im Sommer. "Wenn die Bäume kein Laub tragen, sind sie weniger anfällig", erklärte er. Ein ähnlich starker Sturm hätte im Sommer vermutlich wesentlich mehr Bäume umgeworfen.

© SZ.de/dpa/kast/fema/kbl
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