bedeckt München 27°

SPD:Korruptionsaffäre in Regensburg: Tretzel aus U-Haft entlassen

Regensburger Korruptionsaffäre

Das historische Rathaus in Regensburg.

(Foto: dpa)
  • Der Regensburger Bauunternehmer Volker Tretzel steht unter Verdacht, OB Joachim Wolbergs bestochen zu haben.
  • Tretzel soll dem SPD-Politiker Norbert Hartl eine vergünstigte Wohnung zugesagt haben.
  • Hartl hatte Bauunternehmer Tretzel im Sommer 2014 den Konzeptentwurf für die Ausschreibung des städtischen Nibelungenareals geschickt.

Von Andreas Glas, Regensburg

In der Regensburger Korruptionsaffäre ist am Montag auch der dritte Beschuldigte aus der Untersuchungshaft entlassen worden. Das Landgericht Regensburg hat die beiden Haftbefehle gegen Volker Tretzel gegen Auflagen und Kaution außer Vollzug gesetzt. Die Staatsanwaltschaft wirft dem Bauunternehmer vor, den derzeit suspendierten Oberbürgermeister Joachim Wolbergs (SPD) und dessen Amtsvorgänger Hans Schaidinger (CSU) bestochen zu haben.

Im Fall Schaidinger sieht das Gericht aber keine Bestechung, sondern lediglich Vorteilsgewährung.

Zuvor waren bereits Wolbergs und ein Tretzel-Mitarbeiter aus der U-Haft entlassen worden. Bei allen drei Beschuldigten bestehe weiter dringender Tatverdacht und Verdunkelungsgefahr, so das Gericht. Wegen der fortgeschrittenen Ermittlungen seien aber mildere Mittel ausreichend.

Derweil rücken neue Details in der Affäre den Stadtrat Norbert Hartl (SPD) immer mehr ins Zwielicht. Nach Informationen der Süddeutschen Zeitung soll Bauunternehmer Tretzel dem SPD-Politiker eine vergünstigte Wohnung auf dem Nibelungenareal zugesagt haben. Tretzel ließ mitteilen, dass dies nicht zutreffe.

Bei dem Areal handelt es sich um das Grundstück, das im Zentrum der Affäre steht. Außerdem interessieren sich die Ermittler für eine Tretzel-Wohnung, die Hartl im Herbst 2009 in einem anderen Stadtteil gekauft hat. Demnach dürfte Hartl für die Wohnung rund 180 000 Euro bezahlt haben - wohl mehrere Zehntausend Euro weniger als der Käufer einer vergleichbaren Tretzel-Immobilie.

Er habe seine Wohnung "ordnungsgemäß erworben", sagt Hartl auf SZ-Nachfrage. Näher äußerte sich auch sein Anwalt zunächst nicht zu den Vorwürfen. Und Tretzel ließ mitteilen, dass sich die Immobilienpreise unter anderem nach Reservierungsdatum und Innenausbau richteten.

Dass Norbert Hartl zu den Beschuldigten in der Korruptionsaffäre gehört, ist bekannt. Im Zentrum des Interesses war bislang aber ein anderer Vorgang: Im Sommer 2014 hatte der damalige SPD-Rathausfraktionschef dem Bauunternehmer Tretzel den Konzeptentwurf für die Ausschreibung des städtischen Nibelungenareals geschickt. Auf diese Weise könnte Hartl der Baufirma einen unerlaubten Wissensvorsprung gegenüber Mitbietern verschafft haben. Die Firma Tretzel jedenfalls bekam den Zuschlag für das Baugrundstück.

Wegen seiner Verwicklung in die Affäre hatte Hartl im Januar den SPD-Fraktionsvorsitz im Stadtrat niedergelegt, sein Mandat aber behalten. Letzteres kritisiert die Stadtratsopposition heftig. Doch auch Hartls Nachfolger, der neue Fraktionschef Klaus Rappert, sah bisher keinen Anlass, seinen Parteikollegen zum Rückzug aus dem Stadtrat aufzufordern.

"Norbert Hartl hat seinen Fehler im Zusammenhang mit der Konzepterstellung des Nibelungenareals zugestanden", sagte Rappert kürzlich der Mittelbayerischen Zeitung. "Weitere Konsequenzen sieht die Fraktion beim aktuellen Erkenntnisstand nicht als erforderlich an", so Rappert. Angesichts der neuesten Erkenntnisse könnte sich dies nun ändern.

© SZ vom 14.03.2017/amm

Lesen Sie mehr zum Thema

Zur SZ-Startseite