Korruptionsaffäre Ein Schwiegersohn macht Karriere in Regensburg

Im Regenburger Rathaus soll es Mauscheleien gegeben haben.

(Foto: Stephan Rumpf)
  • Joachim Wolbergs (SPD) soll dem Schwiegersohn eines Koalitionspartners auf unlautere Weise einen Stelle im Rechtsamt von Regensburg besorgt haben.
  • Gegen den suspendierten Oberbürgermeister laufen derzeit Ermittlungen wegen Korruption.
  • Schon bei der Vergabe der Stelle des Technischen Leiters der kommunalen Stadtbau GmbH gab es unter Wolbergs offenbar Unregelmäßigkeiten.
Von Andreas Glas, Regensburg

Zwei Wochen ist es her, da platzte Ludwig Artinger der Kragen. Mitten in der Stadtratssitzung raunzte der Fraktionschef der Freien Wähler: "Halten Sie bitte das Maul!" Das Mundwerk, das gemeint war, gehört CSU-Stadtrat Christian Schlegl, der kurz zuvor etwas gesagt hatte, das Ludwig Artinger gar nicht gefiel. In aller Öffentlichkeit hatte Schlegl die Andeutung gemacht, dass Artingers Schwiegersohn nur deshalb einen tollen Job bei der Stadt bekam, weil bei der Stellenvergabe noch toller gemauschelt wurde. "Halten Sie bitte das Maul" - ein derber Satz, aber letztlich ein Nebensatz, der schnell wieder verklang.

Nun, zwei Wochen später, könnte aus einer Randnotiz doch noch ein Aufreger werden. Ein Aufreger, der die Korruptionsaffäre um den suspendierten SPD-Oberbürgermeister Joachim Wolbergs weiter anfachen könnte. Hat Wolbergs seinem Koalitionspartner Artinger einen Gefallen getan und mitgeholfen, dessen Schwiegersohn auf unlautere Weise zum Abteilungsleiter im Rechtsamt der Stadt zu machen?

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Die Art und Weise, wie die Stellenbesetzung zustande kam, wirft jedenfalls Fragen auf. Nach Informationen der Süddeutschen Zeitung wurde die Abteilungsleiterstelle im November 2014 ausgeschrieben, insgesamt gab es mehrere Dutzend Bewerbungen - unter anderem bewarb sich Ludwig Artingers Schwiegersohn. Der konnte im Bewerbungsgespräch jedoch nicht überzeugen, die Auswahlkommission stufte zwei andere Bewerberinnen zunächst deutlich besser ein.

Die Kommission machte daraufhin den Vorschlag, die eine Kandidatin als Abteilungsleiterin einzustellen und die andere Bewerberin als Ersatzkandidatin zu nehmen, falls die Top-Bewerberin abspringen sollte. Doch seltsamerweise landete dieser Vorschlag nie zur Abstimmung im Stadtrat.

Stattdessen bestellte Oberbürgermeister Joachim Wolbergs, der zunächst nicht an den Vorstellungsgesprächen teilgenommen hatte, einzelne Bewerber zu einem zweiten Gespräch ein. Kurz darauf legte der OB dem Stadtrat eine Beschlussvorlage vor. Zwar hatte die ursprünglich am besten eingestufte Kandidatin zu diesem Zeitpunkt tatsächlich abgesagt, doch statt der Ersatzbewerberin sah die Vorlage plötzlich einen ganz anderen Kandidaten als besten Bewerber vor: den Schwiegersohn des Freie-Wähler-Fraktionschefs Ludwig Artinger. Der Stadtrat stimmte diesem Vorschlag zu, der Schwiegersohn bekam den Job, und die zunächst als Ersatzkandidatin benannte Bewerberin war aus dem Rennen.

"Da sind mir die Zusammenhänge natürlich klar geworden"

"Das ist ärgerlich, ich hätte die Stelle gerne gehabt", sagt diese Bewerberin. Als sie erfuhr, wer den Job statt ihr bekam, habe sie mal gegoogelt, "und da sind mir die Zusammenhänge natürlich klar geworden". Ihr kam der gleiche Verdacht in den Sinn, den CSU-Stadtrat Schlegl geäußert hatte: Dass da einer zum Zuge kam, weil er Schwiegersohn ist - und nicht etwa der beste Bewerber.

Was also ist passiert, dass Artingers Schwiegersohn plötzlich bevorzugt wurde, obwohl sich die Auswahlkommission bereits für eine andere Kandidatin entschieden hatte? In der CSU-Fraktion kursiert die Theorie, dass die ursprüngliche Wahl der Kommission auf Joachim Wolbergs' Initiative verworfen wurde und der OB durchgedrückt habe, dass Artingers Schwiegersohn den Posten bekommt. Darauf angesprochen sagt Rechtsreferent Wolfgang Schörnig, der in der Auswahlkommission saß: "Personalentscheidungen diskutieren wir nicht öffentlich."