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Kanzlerkandidatur:Söder und sein Streben nach Alleinherrschaft

CSU-Fraktionssitzung

Der CSU-Chef bei einer Sitzung der Landtagsfraktion.

(Foto: dpa)

Im Duell um die Kanzlerkandidatur zeigt sich Markus Söders unbändiger Machtwille. Schon immer wusste er die Schwäche eines Gegners zu nutzen. Bayern regiert er als Ein-Mann-Kabinett - in Berlin würde das nicht funktionieren.

Kommentar von Sebastian Beck

Wer Markus Söder beim Machtkampf um die Kanzlerkandidatur zuschaut, der fühlt sich stark an die Zeit erinnert, als er Horst Seehofer erst aus dem Amt des Ministerpräsidenten drängte und sich später auch den CSU-Vorsitz schnappte. Seitdem regiert Söder Bayern im Grunde als Ein-Mann-Kabinett. Die Corona-Krise spielt ihm zusätzlich in die Hände. Die Menschen sehnen sich in Zeiten der Unsicherheit nach einer vermeintlich starken Führungsfigur vom Zuschnitt eines Sebastian Kurz, aber nicht nach Debatten. Dem Wunsch kommt Söder nur zu gerne nach.

Seit seinen Anfangsjahren ist er von einem unbändigen Streben nach Macht getrieben. Söder riecht die Schwäche seiner Gegner und weiß daraus Nutzen zu ziehen. Die sogenannte Sachpolitik erscheint bei ihm schon deshalb oft wie ein Mittel zum Zweck. Für ihn kann es immer nur in eine Richtung gehen: nach oben.

Allein schon aus dieser Logik heraus muss Söder nach der Kanzlerkandidatur greifen, denn sein Konkurrent Armin Laschet wirkt nun ähnlich bezwingbar wie zuvor der abgewirtschaftete Seehofer in Bayern. Der hatte auf einer CSU-Weihnachtsfeier 2012 über seinen damaligen Minister gesagt: Söder leide unter "charakterlichen Schwächen" und sei "vom Ehrgeiz zerfressen".

In der CDU ahnen manche wohl, was Seehofer damit gemeint haben könnte. Söder würde Deutschland wahrscheinlich am liebsten so regieren, wie er es von Bayern gewohnt ist: ganz alleine, ohne all die anderen Schwächlinge, die es seiner Meinung nach nicht draufhaben.

In Bayern funktioniert das ganz gut. Im Ministerrat wie auch in der CSU-Fraktion dominieren schon lange die Ja-Sager, selbst die Koalitionspartner der Freien Wähler üben sich in Unterwürfigkeit, weil sie wissen, dass Söder sich jederzeit auch andere Mehrheiten suchen könnte. Ein Bundeskanzler Markus Söder würde dagegen jeden Tag die Grenzen seiner Macht aufgezeigt bekommen - von selbstbewussten Koalitionspartnern, aber auch von den Verflechtungen des Föderalismus, die er als Landeschef für sich auszunutzen wusste.

Im Moment sind ihm solche Detailfragen egal. Er will unbedingt auf den Gipfel. Bergsteiger wissen, was danach kommt.

© SZ vom 15.04.2021/infu, van
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