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Neue Partei:Die "Ein-Frau-Gruppierung Stamm"

Claudia Stamm gibt sich kämpferisch, auch wenn einstige Parteifreunde sie nun ignorieren.

(Foto: Robert Haas)
  • Die ehemals grüne Landtagsabgeordnete Claudia Stamm hat Partei und Fraktion verlassen. Stattdessen will sie eine neue Partei gründen.
  • Bis es soweit ist, sitzt sie als Fraktionslose im Landtag. Es heißt, sie habe sich politisch ins Aus geschossen.
  • Stamm will ihre Arbeit unverändert fortsetzen. Dazu ist sie aber auch auf Entgegenkommen angewiesen.

Kurz nach Mittag, gleich tagt das Parlament im Landtag. Die Abgeordnete Claudia Stamm läuft den Gang entlang, wie immer. Sie legt ihren Laptop auf ihren Platz, holt sich ein Wasser, wie immer. Alles nichts besonderes eigentlich, nur, dass an diesem Mittwoch im Landtag gar nichts wie immer ist für Claudia Stamm. Acht Jahre lang saß sie für die Grünen im Landtag, acht Jahre redete sie für sie im Plenum, saß im Haushaltsausschuss.

Jetzt ist sie alleine. Stamm ist aus ihrer Partei ausgetreten, will den Grünen mit einer eigenen Partei Konkurrenz machen. Deshalb ist das, was nun passiert, auch alles andere als normal. Der Grüne Christian Magerl lehnt an der Wand, da kommt Stamm. "Griaß Di" - "Servus", eine Hand zum Gruß. Der Christian und sie mögen sich halt, sagt Stamm. Andere dagegen gingen grußlos an ihr vorbei. Auch wenn kaum einer Stamms neuer Partei eine Chance gibt, den Grünen schaden könne sie allemal.

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Zunächst braucht sie als Fraktionslose aber einen neuen Sitz im Parlament. "Kommt die jetzt zu uns?", fragten einige in der CSU-Fraktion. Falls sie sich freuten, konnten sie es sehr gut verbergen. Doch Stamm nimmt im grünen Block Platz, ganz hinten, Platz 140. Allerdings nur eine vorübergehende Lösung, heißt es von den Grünen, die bestimmen dürfen, wo Stamm sitzt. Langfristig wollen sie einen möglichst großen Abstand zur "Ein-Frau-Gruppierung Stamm". Ganz links außen könnte sie sitzen oder neben den Freien Wählern, auf jeden Fall in der letzten Reihe und mit einem separierten Sitz. Bei anderen Fraktionslosen sei das nicht üblich gewesen. Dass die Grünen ihren Sicherheitsabstand brauchen, nennt Stamm "bezeichnend". Also bekommt sie ihren Extra-Tisch. Ein Stamm-Tisch mit nur einem Mitglied, sozusagen.

Ansonsten sei man ganz gelassen, heißt es bei den Grünen. Wer offiziell Stamms Sprecherrollen übernehmen soll, müsse noch geklärt werden, sonst löse ihr Austritt keine größeren Emotionen mehr aus. Zum Scherzen taugt er aber. Er kenne da einen Tischler, der hätte Stamm schnell einen passenden Sitz gebastelt, sagt einer. Wie der aussehen sollte, sagt er nicht. Nichts sagen will wohl auch Stamms Mutter, Landtagspräsidentin Barbara Stamm (CSU). Sie sollte eigentlich das Parlament über den Austritt ihrer Tochter unterrichten, gab die Sitzungsleitung aber ab. Es ist wohl nicht zu viel Interpretation, wenn man sagt, sie ist über den Schritt ihrer Tochter nicht gerade glücklich. Nur zwei dürre Sätze sagte sie dazu: Es sei "eine persönliche Entscheidung und damit eine persönliche Angelegenheit".

Claudia Stamm habe sich "vollkommen ins Aus geschossen", heißt es. Sie darf in den Ausschüssen nicht reden, nicht abstimmen, nur sitzen. Im Parlament soll sie pauschal zwei Minuten sprechen dürfen, bis der Ältestenrat nächsten Mittwoch ihren Fall bespricht. Ihre Altersvorsorge wird Stamm wohl noch knapp erhalten, viel Aufmerksamkeit im Landtag wohl nicht. Wenn Fraktionslose mal auffielen, dann eher als Irrlichter wie Gabriele Pauli, der in einer Haushaltsdebatte zu viel über Zahlen und zu wenig über göttliche Gedanken geredet wurde.

Stamm aber will ihre Arbeit im Landtag unverändert fortsetzen. Vielleicht gewährt ihr der Ältestenrat, zumindest in einem Ausschuss reden und Anträge stellen zu können. Auch um mehr Redezeit könnte sie per Antrag bitten. Ihre zwei Minuten nutzte sie schon mal am Mittwoch. Während ihrer Rede tippten die Grünen auf ihren Handys, unterhielten sich. Geklatscht hat niemand.

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