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Mollath vor Untersuchungsausschuss:Lieber Gefängnis als Psychiatrie

Gustl Mollath, Fall Mollath, Landgericht Regensburg

Gustl Mollath bei seinem Auftritt im Bayerischen Landtag

(Foto: REUTERS)

Lange hatten andere über ihn geurteilt: Nach sieben Jahren in der Psychiatrie steht Gustl Mollath nun als Zeuge vor dem Untersuchungsausschuss des Bayerischen Landtags - und erzählt seine Version. Mollath wirkt ruhig und gefasst, macht aber deutlich, wie sehr er sein Leben in der Psychiatrie hasst.

Gustl Ferdinand Mollath sitzt in der Psychiatrie, weil ihn das Landgericht Nürnberg-Fürth im Jahr 2006 für gemeingefährlich erklärte. Die Vorwürfe: Er soll seine damalige Frau schwerst misshandelt und die Reifen mehrerer Dutzend Autos zerstochen haben. Mollath selbst sieht sich hingegen als Opfer seiner Exfrau und der Justiz, weil er Schwarzgeldgeschäfte in Millionenhöhe aufgedeckt habe. Nun tritt er im Untersuchungsausschuss im Bayerischen Landtag auf.

  • Am siebten Sitzungstag des Mollath-Untersuchungsausschusses kommt endlich der Mann zu Wort, um den sich alles dreht: Mollath selbst. Der 56-Jährige wird mit Applaus begrüßt. Er wirkt gefasst.
  • Detailliert erzählt Mollath seine Version der Dinge: Seiner Exfrau wirft er illegale Schwarzgeldgeschäfte vor. Anfänglich habe die Bankerin im Auftrag ihres Arbeitgebers illegal Schwarzgelder von Bankkunden in die Schweiz geschafft, später sogar hinter dem Rücken der Hypo-Vereinsbank Schwarzgeld-Transfers eingefädelt. Mollath sagt: "Ich habe gewusst, das muss aufhören - zum Schutz meiner damaligen Frau und zu meinem Schutz."
  • Wenige Stunden, bevor Mollath im Landtag aussagen soll, hatte auch seine Exfrau ihr Schweigen gebrochen und dem Nordbayerischen Kurier ein Interview gegeben. Darin greift sie ihren Exmann scharf an.
  • Seine Unterbringung in der Psychiatrie spricht Mollath bei seinem Auftritt im Landtag nur am Rande an. Deutlich wird, wie sehr er sein Leben dort hasst. Er beschreibt, wie es ist, nachts aufgeweckt zu werden, keinen natürlichen Schlafrhythmus mehr zu finden. Dass er wahnhaft sei, weist Mollath von sich.

+++ Mollaths Auftritt im Landtag +++

+++ Der Untersuchungsausschuss zum Fall Mollath +++

Die Abgeordneten im Bayerischen Landtag griffen erst spät in den Fall Mollath ein. Am 16. April 2013 beantragten die Oppositionsparteien die Einrichtung eines Untersuchungsausschusses. Dann ging plötzlich alles sehr schnell - notwendigerweise, denn bis zur Sommerpause des Landtags dauert es nur noch wenige Wochen. Am 14. Mai traten die ersten Zeugen vor dem Untersuchungsausschuss auf - und förderten interessante Details zu Tage. Der im Prozess gegen Mollath Vorsitzende Richter Otto Brixner räumte etwa ein, die Verteidigungsschrift Mollaths samt Anlagen nicht gelesen zu haben. Generalstaatsanwalt Hasso Nerlich hält das Urteil gegen Mollath mittlerweile für mehr als schludrig. Unter den Zeugen waren zudem Steuerfahnder, die erklären müssen, warum sie Mollath von vorneherein als "Spinner" eingestuft hatten.

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Schwierige Suche nach der Wahrheit

+++ Der Fall Mollath +++

Angefangen hat das Drama bereits im August 2001. Seit fast sieben Jahren sitzt Gustl Mollath inzwischen in der Psychiatrie. Was die Untersuchungen in den vergangenen Monaten über den Fall hervorgebracht haben, erschütterte das Vertrauen vieler Bürger in den Rechtstaat. Die Causa Mollath gilt vielen mittlerweile als ein Exempel für richterliche Ignoranz und schludrige Voreingenommenheit von psychiatrischen Gutachtern. Inzwischen laufen zwei Wiederaufnahmeanträge der Staatsanwaltschaft und von Mollaths Anwalt.

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Fall Mollath

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