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Lech-Stahlwerke:Die Herausforderungen liegen im Abfall

Allein der Schrottplatz ist 330 Meter lang, gesäumt von mehr als 20 Meter hohen Wänden. Hinter den Hallen erheben sich Schlackeberge. Wo in den Hallen Wasser auf glühendes Metall trifft, zischt und dampft es. Die Luft flimmert. Draußen rollt Lkw um Lkw vorbei. Etwa 100 Tonnen Schrott schaffen die Lichtbogenöfen pro Stunde, das macht die Lech-Stahlwerke nach eigenen Angaben zum größten Recyclingunternehmen Bayerns. Die Jahresproduktion liegt bei etwa 1,1 Millionen Tonnen Stahl. Der Strombedarf entspricht ungefähr dem Augsburgs.

Wie überall in der Industrie gilt: Wo Massen entstehen, ist jeder gesparte Euro ein Kostenvorteil. Trotzdem sieht man in Meitingen die Debatte um US-Strafzölle auf ausländischen Stahl betont entspannt. Der schwäbische Anteil am internationalen Stahlhandel ist klein. Führend sind chinesische Hersteller. Wenn sie wollen, fluten sie den Weltmarkt innerhalb von Wochen mit Billigstahl.

Unternehmer Max Aicher, 84 Jahre alt, führt heute ein Konglomerat aus 40 Firmen, 1976 stieg er bei den Lech-Stahlwerken ein.

(Foto: oh)

Die Lech-Stahlwerke könnten da nicht mithalten - was ihnen die Freiheit gibt, die Sache gleich anders anzugehen. Sie liefern hauptsächlich in die Region und nur auf Bestellung. Der günstigere Betonstahl findet auf Baustellen im Umkreis von 200 Kilometern Verwendung. Der teurere Qualitätsstahl geht an andere Firmen der Aicher-Gruppe oder an Automobilzulieferer, die daraus Antriebsstränge oder Fahrwerkskomponenten schmieden.

Die Herausforderungen liegen aus Sicht der Lech-Stahlwerke anderswo. Etwa im Abfall. Beim Abstich fällt Schlacke an, ein Schmelzrückstand aus verschiedenen Stoffen. Aicher würde seine Schlacke gern günstig im Straßenbau verbuddeln, aber das, sagt er, sei nicht erlaubt. Jedenfalls nicht in Bayern. Also karren Laster seine Schlacke regelmäßig nach Thüringen, mehrere Millionen Euro soll das im Jahr kosten.

Aicher schneidet das Thema mehrmals an. Es scheint ihn umzutreiben, wie die Sache mit dem Lärmschutz. Jahrelang hat er sich mit Anwohnern einer nahen Siedlung darüber gestritten. Die derzeit stattfindenden Bauarbeiten lassen sich deshalb als eine Art Kompromiss werten: Der Schrottplatz wird komplett eingehaust - dafür darf das Gelände um ein paar Hektar und neue Anlagen vergrößert werden.

Wenn Aicher wollte, müsste er nicht mehr arbeiten. Seine Firmen sind in eine Familienstiftung überführt, die Bilanzsumme liegt bei einer Milliarde. Aber Aicher ist ein Patriarch alter Schule. Die haben gern Kontrolle über ihr Lebenswerk. Während im Stahlwerk der nächste Abstich vorbereitet wird, beobachtet er draußen den Baufortschritt.

Gerade werden Fundamente für die Erweiterung gesetzt. Wenn alles klappt, soll die neue Werkstraße August 2019 in Betrieb gehen. Ein straffer Zeitplan, aber "straff ist gut", sagt Rummler. Der Bauleiter steigt aus der Grube und schüttelt dem Chef die Hand. Auf der Jacke steht, natürlich, "Max Aicher Bau".

© SZ vom 26.06.2018/amm

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