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Entsorgung:Müll-Sheriffs kontrollieren den Bio-Abfall

Wie trennt man Müll eigentlich richtig?

(Foto: EBE)
  • Müll richtig zu trennen, ist eine Wissenschaft für sich - und nicht jeder befüllt die Biotonne so, wie es richtig wäre.
  • Darum schickt man im Landkreis Günzburg nun Kontrolleure aus, die den Inhalt der Tonnen künftig genau ansehen sollen.
  • Finden sie Störstoffe, so wird der Müll vom Entsorger nicht geleert.

Fachbegriffe sind etwas Wunderbares, auch in der Abfallwirtschaft gibt es Wörter, die sonst nirgendwo auftauchen. "Fehlwurf" zum Beispiel oder "Störstoff". Mit solchen Sachen beschäftigen sich im schwäbischen Landkreis Günzburg die Abfallmanager. Nun sollen sich aber auch die Bürger damit intensiver auseinandersetzen, denn die neigen zu Fehlwürfen. Das bedeutet: Störstoffe landen im Müll. Und zwar im Biomüll.

Weil in die Biotonnen immer mehr nicht kompostierbare Stoffe wie Plastiktüten geworfen werden, hat das Landratsamt nun Konsequenzen angedroht. Es werden Müll-Sheriffs losgeschickt, die den Inhalt der Tonnen kontrollieren. Werden sie fündig, dann wird's für die Müll-Sünder entweder schmutzig oder teuer.

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Richtiges Mülltrennen ist eine kleine Wissenschaft. In die Biotonne dürfen neben Obst- und Gemüseabfällen Kaffeefilter, Milchprodukte, Federn und Haare und auch Sägespäne. Nicht hinein gehören Asche, Straßenkehricht, Fleisch- und Fischabfälle und Staubsaugerbeutel. Die sogenannte Trennpflicht schreibt vor, dass organische Abfälle nicht über die Restmülltonne entsorgt werden dürfen. Denn aus diesen Abfällen wird in Günzburg wertvolle Komposterde hergestellt.

750 000 Euro lässt sich der Kreis heuer allein die Grüngut-Entsorgung kosten, und da ist es ärgerlich, wenn die Bürger nicht sauber trennen. In den Wintermonaten packen etliche Leute ihre Bioabfälle in Plastiktüten anstatt in Papiertüten, Küchenkrepp oder Zeitungspapier, um sie dann in die Biotonne zu stecken. "Manche verwenden ihre Obst- oder Einkaufstüten einfach als Müllbeutel weiter und werfen sie in die braune Tonne", berichtet Anton Fink, der Werkleiter des Kreisabfallwirtschaftsbetriebes. Vermutlich wollen die Leute damit erreichen, dass ihre Tonne schön sauber bleibt und bei Minustemperaturen nicht welke Salatblätter und anderes feuchtes Zeug am Boden festfriert. Andere handeln laut Fink aus Unkenntnis oder missbrauchen die braune Tonne bewusst, um Fremd- und Restmüll zu entsorgen. Es sind auch schon Batterien im Biomüll gefunden worden.

Fink will die Falschtrenner disziplinieren. Denn Störstoffe müssten in den Kompostanlagen unter großem Aufwand per Hand aus dem Biomüll entfernt werden. Dieser Aufwand verursache hohe Kosten, die letztlich über die Müllgebühren mitfinanziert werden müssten. In diesem Jahr bleiben die Müllgebühren im Kreis Günzburg noch stabil, das könnte sich in den nächsten Jahren aber ändern.

Den Inhalt der Tonnen sollen sich künftig Kontrolleure genau ansehen. Das sind einerseits die Mitarbeiter des vom Landkreis beauftragten Entsorgungsunternehmens. Anton Fink will aber auch eigene Mitarbeiter losschicken, die einen Blick in die Tonnen werfen. Finden sie Störstoffe, so wird der Müll vom Entsorger nicht geleert. In diesem Fall hat der Besitzer dann zwei Möglichkeiten: Er kann Plastik & Co. aus der Tonne fischen und sie zur nächsten Leerung erneut bereitstellen. Lassen sich Rest- und Biomüll nicht mehr voneinander trennen, dann muss eine Sonderleerung als Restmüll bestellt werden - und die ist kostenpflichtig. Ein technisches Verfahren zur Müllkontrolle wird in Günzburg nicht eingesetzt, weil die Detektoren nur metallische Gegenstände erkennen können.

Plastik und andere Störstoffe im Biomüll seien kein Günzburger Phänomen, sagt Fink. "Das ist bundesweit ein Problem, und wir sind auch nicht der einzige Landkreis, der reagiert." Auch in Augsburg musste der Abfallwirtschaftsbetrieb sein Konzept anpassen. Bis zum vorigen Jahr nahm die Müllabfuhr auch Gartenabfälle mit, die in Plastiksäcke gefüllt waren und neben den Biotonnen standen. In Augsburg wird mit dem Biomüll in einer Abfallverwertungsanlage Biogas erzeugt. Diese Art der Verwertung wird ebenfalls durch einen zu hohen Anteil an Störstoffen eingeschränkt. Ist Plastik in der Vergärungsanlage, fällt die Gas-Ausbeute deutlich geringer aus.

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