Weihnachten und Energiekrise:Landshut leuchtet schwächer

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Weihnachten und Energiekrise: Die XXL-Christbaumkugel vor dem Landshuter Rathaus darf nach dem Willen des Stadtrats trotz Energiekrise auch in diesem Advent leuchten.

Die XXL-Christbaumkugel vor dem Landshuter Rathaus darf nach dem Willen des Stadtrats trotz Energiekrise auch in diesem Advent leuchten.

(Foto: Peter Litvai/Stadt Landshut)

Um Energie zu sparen, beschließt der Stadtrat - wie vorher schon in anderen bayerischen Kommunen - eine Reduzierung der Weihnachtsbeleuchtung. Dass auch die Heizpilze aus dem Verkehr gezogen werden, stößt beim Oberbürgermeister auf Kritik.

Von Hans Kratzer, Landshut

Die nächtlichen Temperaturen kratzen am Gefrierpunkt, in den Süßwarenregalen türmen sich Lebkuchen und Schokoladen-Nikolause, die Weihnachtszeit wirft ihre Schatten voraus. Es stellt sich nur die Frage: Wird sie auch so stimmungsvoll und glühweinselig verlaufen wie in der Vergangenheit? Mehrere Städte in Bayern haben angekündigt und teilweise auch schon beschlossen, die adventliche und weihnachtliche Beleuchtung aus Energiespargründen einzuschränken. In Landshut zum Beispiel sollen die Lichter die Innenstadt nicht mehr bis Mitternacht erhellen, sondern bereits um 20.30 Uhr ausgeschaltet werden. Und das ist noch nicht alles, was an Einschränkungen geplant ist: Auch die Heizpilze in der Gastronomie sollen verboten werden, um weitere Energie einzusparen.

Eine Mehrheit im Landshuter Stadtrat folgte zuletzt einem Antrag der Grünen und votierte dafür, die innerstädtische Beleuchtung bereits um 20.30 Uhr auszuschalten. Das Plenum ging damit noch einen Schritt weiter als die Rathaus-Verwaltung, die ein Abschalten um 22 Uhr vorgeschlagen hatte. Die beim Publikum beliebte riesige Weihnachtskugel vor dem Rathaus lief Gefahr, gänzlich dunkel zu bleiben, aber sie darf nach dem Willen des Stadtrats nun weiterhin leuchten. Tatsächlich hätte sie kein großes Einsparpotenzial beschert, da der Stromverbrauch der LED-Leuchten gering ist. Die Grünen, die sich nicht durchsetzen konnten, argumentierten, es gehe vor allem darum, ein Zeichen zu setzen. Interessant war der Hinweis aus dem Rathaus, um welche Dimensionen es beim Stromsparen in der Stadt gehe. Der Verbrauch der weihnachtlichen Lichterketten beläuft sich demnach im alten Umfang auf 12 000 Kilowattstunden und bei verkürzter Brenndauer auf knapp die Hälfte dieser Menge. Dem gegenüber verzeichnen herausragende Landshuter Sportstätten wie das Sportzentrum West und das Eisstadion einen Jahresverbrauch von annähernd zwei Millionen Kilowattstunden.

Überdies votierte der Stadtrat mehrheitlich für eine Satzungsänderung, wonach der Betrieb von Heizanlagen auf Freiflächen im Bereich der Innenstadt in diesem Winter untersagt werden soll. Oberbürgermeister Alexander Putz positionierte sich allerdings gegen diesen Plan. Er hält die Abschaffung der Heizpilze schon deshalb für fragwürdig, weil die Gastronomen mit den Auswirkungen zweier Corona-Jahre und dem Fachkräftemangel schon genug zu kämpfen hätten. "Ich sehe dabei weniger die Besucherfrequenz, sondern habe eher die Umsatzeinbußen der Gastronomie im Blick", sagte er zur SZ. "Aus meiner Sicht schießen wir damit eindeutig übers Ziel hinaus."

Vier statt 40 Buden am Christkindlmarkt

Ganz anderer Meinung ist Stefan Gruber, der Fraktionschef der Landshuter Grünen. "Wir müssen hier ein klares Signal setzen: Es geht schließlich um viel. Daheim sollen wir einen Pulli anziehen und im Freien blasen wir mit Heizpilzen unnötig Energie in die Luft." Gruber sagt, man müsse in diesem Punkt generell umdenken. Vor den Gaststätten hocken die Menschen zwölf Monate im Jahr im Freien, und drinnen sind die Gasträume leer. Das müsse sich zumindest im Winter wieder umkehren. Die städtische Beleuchtung um 20.30 Uhr abzuschalten, sei hinnehmbar, sagt Gruber. "Das Einkaufserlebnis ist ja unverändert gegeben." Er würde aber nicht so extrem handeln wie etwa die Stadt Deggendorf, wo der Christkindlmarkt in diesem Jahr bei ebenfalls stark reduzierter Beleuchtung aus nur noch vier statt wie bisher aus 40 Buden bestehen wird.

Der Landshuter Wirte-Sprecher Franz Hopper unkt dagegen, die Stände am Christkindlmarkt bekämen ohne Heizpilze ein Problem. "Mit Sicherheit werden sich dort weniger Besucher aufhalten." Die Gastronomie sei sowieso schon gebeutelt durch die Pandemie und ringe um jeden Cent. Mit Strom betriebene Infrarotstrahler seien keine Alternative. Sie seien zu teuer und im Betrieb zu aufwändig. Schausteller-Kollege Christian Buchner wiederum gibt die Hoffnung angesichts der Widrigkeiten nicht auf. "Irgendwas Warmes bring ma scho zamm", sagt er, wichtig sei nur, den Humor nicht zu verlieren.

ÖDP-Stadtrat nimmt Eisstadion in den Fokus

Brauchtumsexperte Michael Ritter vom Landesverein für Heimatpflege sagt, Christkindlmärkte lebten von der adventlichen Stimmung, und da spiele die Beleuchtung eben eine große Rolle. "Sie ist ein wesentliches Element solcher Veranstaltungen, man kann nicht ganz darauf verzichten." Die elektrischen Lampen durch Kerzenlicht zu ersetzen, sei auch nicht gerade ökologisch sinnvoll. "Die allein seligmachende Lösung gibt es nicht", sagt Ritter. "Jeder muss sich fragen, welchen Anteil er zum Energiesparen leisten kann." Vielleicht, so vermutet er, werden diesmal manche auf eine weite Fahrt zu einem Christkindlmarkt verzichten.

Einen auf den ersten Blick radikalen Vorschlag brachte der Landshuter ÖDP-Stadtrat Stefan Müller-Kroehling ins Spiel. Abgesehen von Weihnachtsbeleuchtung und Heizpilzen müsse die Stadt ihren Blick auch auf energieintensive Einrichtungen richten, etwa auf das Eisstadion, wo unter Einsatz von viel Energie die Eisfläche runtergekühlt werden müsse. "Bei den städtischen Einrichtungen würde ich mir mehr Eingriffe wünschen", sagt er. Man müsse darüber nachdenken, wie weit man sich energieintensive Stätten noch leisten könne oder wie man sie etwas herunterregeln könne. Hier komme es ihm manchmal vor wie bei den Skikanonen in den Alpen, die den Schneemangel ausgleichen sollen. "Man kann den Betrieb solcher Einrichtungen nicht erzwingen."

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