Klimaschutz in Traunstein:Neutral ins Nirwana

Klimaschutz in Traunstein: Eine Einäscherung verbraucht viel Energie. Im Krematorium in Traunstein stammt die inzwischen aus Biomethan.

Eine Einäscherung verbraucht viel Energie. Im Krematorium in Traunstein stammt die inzwischen aus Biomethan.

(Foto: Rolf Vennenbernd/dpa)

Ein Krematorium im Südosten Oberbayerns verbrennt die Toten nach eigenen Angaben inzwischen nahezu CO₂ -frei. Gut, dass da selbst die katholische Kirche nichts mehr dagegen hat.

Glosse von Matthias Köpf, Traunstein

Wenn die Menschen schon das Ausatmen nicht unterlassen können, bei dem sie jedes einzelne Mal ein Quantum Kohlendioxid in die Luft hauchen, dann können sie jetzt wenigstens einigermaßen beruhigt sein, was die Klimabilanz nach dem letzten Atemzug betrifft. Das Krematorium im oberbayerischen Traunstein jedenfalls bezeichnet sich neuerdings als klimaneutral, und das trotz eines gewissen notwendigen Verbrauchs an Energie, die dort nun hauptsächlich aus Biomethan kommt.

In der Gesamtbilanz würden inzwischen pro Einäscherung so nur noch knapp drei Kilogramm CO₂ freigesetzt, heißt es aus Traunstein. Vor drei Jahren seien es noch fast 15 Kilo gewesen. Und jene letzten drei Kilo, die auch am Ende des "Projekts 2023" offenbar so unvermeidlich sind wie der Tod selbst, würden durch den Kauf entsprechender Zertifikate kompensiert. Das wird vielen die letzte Ruhe noch friedlicher gestalten.

Denn auch ganz im Südosten Bayerns gibt es immer mehr Menschen, nach denen nicht gleich die Sintflut kommen soll. Die Nachfrage ist also da. Mit der klimaneutralen Einäscherung mache man es möglich, "dass ein nachhaltig geführtes Leben auch einen würdigen Abschluss erhält", begründen die PR-bewussten Betreiber ihre Anstrengungen.

Dabei boomt das Geschäft mit den Feuerbestattungen ohnehin. Deutschlandweit entscheiden sich laut dem Präsidenten des Bestatterverbands mittlerweile drei Viertel der Kunden für das postume Verbrennen. Das dürfte laut Duden übrigens auch ein posthumes Verbrennen sein, obwohl dann der darin anklingende Humus nicht nur bezüglich der Wortherkunft auf die falsche Fährte führte. Sondern in dem Fall auch bezüglich der Bestattungsmethode.

Aus Sicht der christlichen Kirchen war die Feuerbestattung lange Zeit praktisch eine Sünde. Die Protestanten wurden da langsam immer toleranter, und die katholische Kirche rang sich mit dem Zweiten Vatikanischen Konzil in den 1960er-Jahren dazu durch, das Einäschern zu dulden. Das ist gut, schließlich wollen auch notorische Klimasünder in den Himmel immerwährender Neutralität eingehen, selbst wenn das jetzt vielleicht sogar ein bisschen buddhistisch klingen könnte. Eine Einäscherung als letzte Sünde hätte aber womöglich wieder eine halbe Ewigkeit im Fegefeuer abgebüßt werden müssen. Und wer könnte da schon sicher sein, wie der Teufel das dann am Brennen hält?

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