Filmfestivals Ins Blaue hinein

Stufen zum Erfolg: Auf dem "Filmfestival Türkei Deutschland" läuft "Eine schwierige Entscheidung" im Spielfilm-Wettbewerb.

(Foto: Filmfestival Türkei Deutschland)

Auch abseits der oscar-verdächtigen Produktionen verdienen viele Filme ein Interesse. Das zeigen vier Filmfestivals in Nürnberg, Bad Aibling, Regensburg und Landshut.

Von Yvonne Poppek

Der Winter und besonders sein Ende gehören dem Kino. Das merkt man im Januar, wenn die Golden Globes verliehen werden. Und es klingt Ende Februar, Anfang März aus, wenn die Oscar-Nacht ansteht. Rund um diese Großereignisse ranken sich die Wochen, in denen in kleineren und größeren Städten eine besondere Auswahl an Filmen gezeigt wird. In Bayern wird dann deutlich sichtbar, wie lebendig diese Szene ist und wie viele Filme abseits der oscar-verdächtigen Produktionen ein Interesse verdienen.

Da wäre zum Beispiel das "Filmfestival Türkei Deutschland", das am Freitag, 9. März, zum 23. Mal in Nürnberg beginnen wird. 1992 wurde es gegründet, zu einer Zeit, in der "in Deutschland Asylbewerberheime brannten", wie Mitbegründer und Vorsitzender des Veranstalters "Inter Forum" Adil Kaya einmal in einem Interview sagte. Es sollte ein Friedensprojekt sein, Filme als Mittel zum Austausch der unterschiedlichen Kulturen. Diese Rolle nehmen die Veranstalter nach wie vor sehr ernst und unterstreichen: "Für die Türkei ist es die umfangreichste Präsentation des türkischen Kinos außerhalb des Landes."

Insgesamt 43 Filme sind diesmal in Nürnberg zu sehen. 21 Beiträge konkurrieren dabei in den beiden Wettbewerben für Kurz- und Spielfilme. Zudem werden zwei prominente Vertreter des türkischen und deutschen Kinos mit dem Ehrenpreis ausgezeichnet: Schauspieler Halil Ergün und Regisseur Volker Schlöndorff. Mehr als 70 Künstler sind anwesend, die ihre Projekte vorstellen.

Diese sind dabei sehr unterschiedlich: Der Dokumentarfilm Nach der Haselnuss von Ercan Kesal, mit dem das Festival eröffnet, zeigt eine solidarische Dorfgemeinschaft, die jedoch mit der Haselnussernte die sozialen Prinzipien zugunsten der ökonomischen verdrängt. Im Gegensatz dazu spielt Umut Dağ in Das deutsche Kind mit der Frage: Was passiert, wenn eine in Deutschland lebende Familie mit türkischen Wurzeln ein deutsches Kind aufnimmt? Und Ender Özkahraman geht in Eine schwierige Entscheidung der Frage nach, welcher Preis einem das eigene Wohlbefinden wert ist.

Anders als in Nürnberg nähert man sich beim Festival in Bad Aibling dem Film komplett von der dokumentarischen Seite her. Dabei wird bei der "Nonfiktionalen" diesmal versucht, alle 18 Beiträge unter dem Motto "Sprechende Bilder" zu verbinden. Gemeinsam ist den Dokus, dass der Motor ihrer Erzählung die Bilder sind, nicht Interviews oder Off-Kommentare. So hat etwa Marc Eberhardt für Meuthen's Party den AfD-Politiker Jörg Meuthen fünf Monate auf Wahlkampf begleitet, zieht aber die Kraft seines Porträts nicht aus Interviews, die er mit ihm führte, sondern aus der Montage der filmischen Beobachtungen.

Einen nochmals anderen Schwerpunkt setzen die Festivals in Regensburg und Landshut, die beide am 14. März beginnen. Dort geht es beide Male um das Genre Kurzfilm. Dank dieses Formats sind innerhalb weniger Tage jeweils um die 300 Beiträge zu sehen. Und danach beginnt er dann ganz sicher - astronomisch zumindest: der Frühling.

11. Nonfiktionale, Festival des dokumentarischen Films Bad Aibling, Do., 8. März, bis So., 11. März, Aibvision Filmtheater, Bahnhofstr. 15, 01525/7347825

23. Filmfestival Türkei Deutschland, Freitag, 9. März, bis 18. März, Nürnberg, verschiedene Kinos, t 09 11/929 65 60, Tickets bei der Kultur Information, Königstr. 92, 0911/2314000

20. Internationale Kurzfilmwoche Regensburg, Mi., 14. März, bis 21. März, verschieden Kinos, 0941/2984563

19. Landshuter Kurzfilmfestival, Mi., 14. März, bis 19. März, diverse Kinos, Festivalpässe nur bei Kinopolis, 0871/319931