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Bundestag:Wer aus Bayern in den Bundestag kommt

A general view of the lower house of German parliament Bundestag in Berlin

Bayern schickt Abgeordnete aus 46 Wahlkreisen nach Berlin.

(Foto: REUTERS)
  • Die CSU hat in Bayern alle Direktmandate geholt - trotz herber Verluste bei den Stimmen.
  • Die SPD schickt über die Landesliste 18 Abgeordnete nach Berlin.
  • Bei der AfD sind es 14, unter ihnen nur eine Frau.

In der nächsten Legislaturperiode werden einige neue Abgeordnete im Bundestag arbeiten. Die AfD ist zum ersten Mal dabei, sie schickt eine komplett unerfahrene Truppe nach Berlin. Aber auch in den anderen Fraktionen gibt es neue Gesichter. Nur die bayerischen SPD-Abgeordneten waren allesamt schon im Parlament.

CSU

Die CSU holte trotz ihrer hohen Verluste wieder alle Direktmandate in Bayern. Als Bürgermeisterkandidat war er 2014 krachend gegen Ulrich Maly (SPD) gescheitert und hatte mit 24,1 Prozent das schlechteste CSU-Ergebnis bei einer Nürnberger Oberbürgermeisterwahl in der Nachkriegszeit eingefahren: 24,1 Prozent. Nun holte Sebastian Brehm, Steuerberater und Fraktionsvorsitzender der CSU im Rathaus, das Direktmandat im Wahlkreis Nürnberg-Nord. Der 45-Jährige folgt auf seine Parteikollegin Dagmar Wöhrl, die nicht mehr angetreten war. Nach zwei erfolglosen Listenkandidaturen 2009 und 2013 tritt die 35-jährige Katrin Staffler nun als Direktkandidatin im Wahlkreis Fürstenfeldbruck-Dachau das politische Erbe der langjährigen CSU-Landesgruppenchefin Gerda Hasselfeldt an.

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Mit der Bundestagswahl hat Bayern mit Starnberg-Landsberg-Germering wegen verschobener Bevölkerungsanteile auf Kosten Thüringens einen neuen, insgesamt 46. Wahlkreis hinzubekommen. In diesem Wahlkreis hat sich als erster Direktkandidat der 44-jährige Michael Kießling gegen zehn Mitbewerber durchgesetzt. Der Bauingenieur und Softwarespezialist war erst vor drei Jahren zum Bürgermeister der 2500-Einwohner-Gemeinde Denklingen im Landkreis Landsberg gewählt worden. Dort wird jetzt eine Neuwahl fällig. In München hörten gleich drei langgediente CSU-Abgeordnete auf. Ihnen folgen Bernhard Loos, Michael Kuffer und Stephan Pilsinger.

Einen Generationenwechsel gibt es in Deggendorf. Dort löst Thomas Erndl, 43, den 68-jährigen Bartholomäus Kalb ab, der sich nach drei Jahrzehnten aus dem Bundestag zurückzieht. Erndl lebt in Künzing, ist verheiratet, hat drei Söhne und ist Elektroingenieur. Zu einer seltenen Rochade kommt es im Wahlkreis Regensburg: Peter Aumer, 41, ist Nachfolger von Philipp Graf Lerchenfeld, 65, der wiederum Aumer bei der Wahl 2013 als Direktabgeordneter beerbt hatte. Damals hatte Betriebswirt Aumer auf eine erneute Kandidatur verzichtet, weil er sich offenbar sicher war, dass ihn die Menschen im Kreis Regensburg zum Landrat wählen. Am Ende aber setzte sich Tanja Schweiger (Freie Wähler) durch.

SPD

Die bayerischen Sozialdemokraten schicken 18 Abgeordnete nach Berlin. Einziger Neuling ist Michael Schrodi. Der Lehrer aus Olching war bereits zum zweiten Mal angetreten. Als Kandidat für Fürstenfeldbruck und Dachau ging er von Listenplatz 17 ins Rennen. Erwartungsgemäß nicht geschafft hat es Johanna Uekermann. Die stellvertretende SPD-Landeschefin und Bundesvorsitzende der Jusos bewarb sich von Listenplatz 26 - die SPD hätte auf ein sehr gutes Ergebnis im Freistaat kommen müssen, damit die 30-Jährige in den Bundestag gekommen wäre.

AfD

Ausschließlich neue Gesichter gelangen für die bayerische AfD in den Bundestag. Nach dem vorläufigen Endergebnis gehen 14 Abgeordnete nach Berlin - unter ihnen nur eine Frau. Spitzenkandidat der Liste ist Martin Hebner, IT-Unternehmensberater aus Dießen am Ammersee. Seine Wahl auf Platz eins, mit einem Sieg über Landeschef Petr Bystron, war überraschend.

Im Bundestag sitzt nun der Wirtschaftspublizist Peter Boehringer aus München, er fordert ein "Ende der planwirtschaftlichen, billionenteuren, vertragswidrigen Euro-Dauerrettung". Vor der AfD-Gründung hatte er als Kopf der Bürgerinitiative "Holt unser Gold heim" für den Abzug der Bundesbankreserven aus dem Ausland gekämpft. Zuletzt hatte der Ökonom sein Kernthema häufig verlassen und mit scharfen Tönen vor einer "existenziell gefährlichen islamischen Zuwanderung" gewarnt. Abgeordnete wird auch Corinna Miazga, Chefin der AfD Straubing-Regen. Sie hatte in ihrer Bewerbungsrede darauf verwiesen, bereits vor der AfD-Zeit mit einer Nachbarschaftsinitiative persönlich ein Asylbewerberheim verhindert zu haben.

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Auf dem vierten Platz kommt Landeschef Petr Bystron in den Bundestag, das prominenteste Gesicht der AfD im Freistaat. Wegen Sympathien für die sogenannte Identitäre Bewegung, die der Verfassungsschutz als rechtsextremistisch einstuft, wird er ebenfalls vom Geheimdienst beobachtet. Bystron, der mit seinen Eltern 1987 aus der Tschechoslowakei nach Deutschland geflohen war, richtete seinen Wahlkampf stark gegen die CSU aus, sprach von einem "Anhängsel einer nach links gerückten CDU". Als erste Amtshandlung will er einen "Untersuchungsausschuss Merkel" wegen der Flüchtlingspolitik fordern.

Ein Mandat erreichen auch Martin Sichert, Diplom-Kaufmann aus Nürnberg, und Hans-Jörg Müller aus dem Berchtesgadener Land, er ist auch Bundeschef des AfD-Mittelstandsforums. Müller gilt als Russland-Experte, plädiert gegen die Wirtschaftsanktionen. Ebenfalls das Thema Mittelstand besetzt der AfD-Mann Peter Felser aus dem Allgäu.

Gelungen ist der Einzug in den Bundestag Gerold Otten, Oberst a. D. aus Putzbrunn bei München, und dem niederbayerischen AfD-Bezirkschef Stephan Protschka. Geschafft hat es auch Paul Victor Podolay, 71 Jahre alt. 1982 kam Podolay, dessen Mutter Deutsche war, aus der damaligen Tschechoslowakei mit Familie als Spätaussiedler nach Deutschland. Laut Parteiangaben war er 1968 als Medizintechniker Mitglied im zwölfköpfigen Operationsteam der ersten Herztransplantation in Europa. Anderthalb Jahrzehnte war Podolay CSU-Mitglied, engagierte sich im Ortsverband München-Grünwald.

Ebenfalls nach Berlin gehen Wolfgang Wiehle, der im Münchner Süden angetreten war, Rainer Kraft aus Langweid am Lech und Tobias Peterka aus Bayreuth. Der jüngste AfD-Abgeordnete aus Bayern ist Johannes Huber, der in Nandlstadt wohnt und für den Wahlkreis Freising-Pfaffenhofen-Schrobenhausen antrat. Er ist Finanzbuchhalter in einem mittelständischen Unternehmen und hat Diplom-Soziologie an der Katholischen Universität Eichstätt-Ingolstadt studiert.