Regensburg:Zentrum Erinnerungskultur wird eröffnet

Regensburg: Die Universität Regensburg beherbergt nun auch ein Zentrum Erinnerungskultur.

Die Universität Regensburg beherbergt nun auch ein Zentrum Erinnerungskultur.

(Foto: imago stock&people/imago stock&people)

Bald werden keine Zeitzeugen des Holocaust mehr leben. Ein neues Zentrum an der Uni Regensburg widmet sich der Frage, wie wir in der Gegenwart mit der Vergangenheit umgehen können und sollen.

Von Deniz Aykanat, Regensburg

"Keine Gegenwart existiert ohne Erinnerung an die Vergangenheit", heißt es auf der Homepage des neuen Zentrums Erinnerungskultur (ZE) in Regensburg. Und mit welch absichtlich falschen Deutungen der Vergangenheit der russische Präsident gerade die Gegenwart prägt, zieht sich wie ein roter Faden durch die feierliche Eröffnung des ZE am Donnerstag. Die Eröffnungsrede sollte eigentlich Ministerpräsident Markus Söder (CSU) halten, der sich wegen des Kriegs in der Ukraine aber entschuldigen ließ. Stattdessen übernahm der frischgebackene Wissenschaftsminister Markus Blume (CSU), der ebenfalls zu Beginn seiner Rede über den Krieg vor den Toren der Europäischen Union spricht und damit die Wichtigkeit eines Zentrums wie das in Regensburg unterstreicht. "Es macht mich fassungslos, wie Putin mit falschen historischen Deutungen den Angriff auf die Ukraine rechtfertigt." Das dürfe man nicht zulassen, deshalb gebe es Orte wie das Zentrum. Von einer "bewussten Instrumentalisierung der Geschichte" spricht auch ZE-Direktor Bernhard Löffler, der an der Uni Regensburg den Lehrstuhl für Bayerische Landesgeschichte innehat.

Fokus des ZE ist die Erinnerungsgeschichte des Nationalsozialismus und des Holocaust und damit verbunden die Frage, wie Erinnern in Zukunft aussehen könnte und sollte - vor allem auch in Anbetracht der Tatsache, dass es bald keine Menschen mehr geben wird, die den Holocaust selbst erlebt haben und davon den nachfolgenden Generationen erzählen können. Als Forum für wissenschaftlichen Austausch versteht sich das ZE nach eigenen Worten, aber nicht nur. Löffler erklärt es am Beispiel der geschichtlich belasteten Straßennamen, die wohl fast jeden Stadtrat in Bayern früher oder später beschäftigen und so auch in Regensburg. Man wolle nicht unbedingt Gutachten zu Straßennamen schreiben, sondern das Phänomen der Diskussion um Straßennamen analysieren und den sich wandelnden Umgang mit kompliziertem historischen Erbe. Und dass dieser Umgang und die Rezeption mannigfaltig sind, zeigen die zahlreichen Einspieler von Studierenden, Wissenschaftlerinnen, Aktivisten und Tanzpädagoginnen, die erklären, was Erinnerung für sie eigentlich ist.

Ohne Zeitzeugen wird sich das Erinnern ändern. Ändern müssen. Auch damit beschäftigt sich das ZE. Wie kann man Geschichte erlebbar machen? Mit moderneren Formaten etwa wie Blogs zum Beispiel. In Zusammenarbeit mit dem Studiengang "Public History und Kulturvermittlung" an der Uni Regensburg entstand außerdem bereits eine Podcastreihe mit Zeugenberichten von Überlebenden des KZ-Komplexes Flossenbürg.

Geleitet wird das ZE neben Löffler von Jörg Skriebeleit, Leiter der KZ-Gedenkstätte Flossenbürg. Geschäftsführerin ist die Historikerin Bianca Hoenig. Dem wissenschaftlichen Beirat gehören unter anderen der Intendant des Münchner Volkstheaters, Christian Stückl und die Münchner Publizistin Rachel Salamander an, die 1949 in einem Displaced Persons Camp für Überlebende des Holocaust zur Welt kam. Ihre Rede, die sie eigentlich vorbereitet hatte für die ZE-Eröffnung wurde von den Ereignissen überholt. Mit einem Schlag sei die Welt eine andere geworden. "Durch Putins Krieg steht das Lernen aus der Geschichte erneut vor einer großen Bewährungsprobe."

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