Ersatzveranstaltungen für Volksfeste:Söder betreibt Wortklauberei

Abgesagtes Oktoberfest - Veranstaltungen und Aktionen

Volksfeste gibt es diesen Sommer in Bayern nicht. Ersatzveranstaltungen schon.

(Foto: Felix Hörhager/dpa)

Volksfeste darf es nicht geben, Ersatzveranstaltungen für Volksfeste aber schon. Da wird es langsam absurd.

Kommentar von Katja Auer

Bier und Brezn oder Schießbude und Autoscooter? Braucht ein Volksfest eine Blaskapelle oder reichen ein paar rustikale Sitzgelegenheiten? Die Staatsregierung hat mit einer "Unschärfe in der Kommunikation", wie es Ministerpräsident Markus Söder nennt, eine Debatte losgetreten, die geeignet ist, die absurde Seite der Anti-Corona-Strategie offenzulegen.

Söder hat sich die ganze Zeit als besonders harter Pandemie-Bekämpfer dargestellt, immer ein bisschen strenger als die anderen, immer ein bisschen schneller. Dazu gehörte seine Aussage vor wenigen Wochen, dass es in diesem Jahr "keine Volksfeste" geben werde, "auch kleinere nicht". Als nun das Gesundheitsministerium in einem Schreiben an die Kommunen Ausnahmen für kleinere Volksfeste ankündigte, musste eben diese Bezeichnung offenbar schnellstens zurückgeholt werden, wohl um bloß keine Inkonsequenz anzudeuten.

Mit der Folge, dass nun Volksfeste nicht erlaubt sind, Ersatzveranstaltungen für Volksfeste aber schon. Inhaltlicher Unterschied: null. Strenge Auflagen hätten ohnehin gegolten. Verwirrung: maximal. Die Pandemie ist nicht vorbei, vielerorts steigen die Infektionszahlen gerade wieder.

Doch der Rückhalt in der Bevölkerung schwindet, das zeigt das mangelnde Interesse an Impfungen. Umso wichtiger, dass die Maßnahmen nachvollziehbar bleiben. Eh schon schwer, wenn die Stadien zur Fußball-Europameisterschaft voll sein dürfen, das Klassik-Open-Air in Nürnberg - mit sicher ruhigerem Publikum - aber abgesagt werden musste. Die Zuschauerzahl bei Sport- und Kulturveranstaltungen immerhin soll nun angeglichen werden.

Volksfeste dürften nicht "zu Treibern des Infektionsgeschehens werden", heißt es, dem ist nicht zu widersprechen. Doch ernsthaft darauf zu beharren, dass eine Veranstaltung, bei der zwar höchstens 1500 Menschen zusammenkommen, bei der es aber mutmaßlich Bier, Brezn, Fahrgeschäfte und Zuckerwatte-Buden geben wird, nicht Volksfest heißen darf, ist geradezu albern.

© SZ vom 14.07.2021/van/vewo
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