Anti-Corona-Strategie in Bayern:Erst impfen, dann tanzen

Coronavirus - Delta-Variante breitet sich in Bayern aus

Das Impftempo in Bayern gerät ins Stocken.

(Foto: Moritz Frankenberg/dpa)

Die Staatsregierung will Anreize zur Immunisierung schaffen und stellt erstmals die Öffnung von Clubs in Aussicht. Verweigerer sollen für Tests zahlen.

Von Florian Fuchs und Matthias Köpf

Markus Söder hat schon viele Schlagworte gesetzt in den Monaten der Pandemie. "Vorsicht und Umsicht" ist so ein Mantra, das der Ministerpräsident gerne vor sich her trägt. Nun, wo der "Kampf um den Impfstoff zum Kampf um den Impfling" geworden ist, wie es Gesundheitsminister Klaus Holetschek (CSU) ausdrückt, hat Söder ein neues, eingängiges Schlagwort gefunden: "Wer kommt, bekommt." Gemeint ist der Impfstoff, der laut Söder einzigen Chance, uns von "dem Damoklesschwert Corona" zu befreien.

Da aber das Tempo der Impfkampagne in Bayern ins Stocken gerät, soll nun nach dem Motto "Impfen to go" auch in Supermärkten, Vereinen oder Moscheen geimpft werden. Und Söder will Impfunwillige durch Anreize und Druck überzeugen, das Impfangebot wahr zu nehmen: Geimpften stellt er den Besuch von Diskotheken in Aussicht. Ungeimpfte sollen langfristig dagegen selbst für Schnelltests zahlen müssen, um etwa Veranstaltungen besuchen zu können.

"Es kommt, und es steigt", sagte Söder am Dienstag nach der Kabinettssitzung zur Delta-Variante des Virus, die mit 51 Prozent Anteil am Infektionsgeschehen nun vorherrschend ist im Freistaat. Ein Grund zur Panik sei dies nicht, aber der bereits viel zitierte "Wettlauf mit der Zeit". 42 Prozent Zweitgeimpfte gibt es inzwischen in Bayern. Die Kampagne komme voran, sagte Söder, aber nicht so, wie es sich die Staatsregierung vorstelle. Es müsse das Ziel sein, einen weiteren Lockdown zu verhindern. Deshalb sei "Impfen der Weg zur Freiheit". Im Fokus stehe nun die Bevölkerungsgruppe der 16- bis 30-Jährigen, wobei Söder auch an die Ständige Impfkommission appellierte, ihre Empfehlung noch einmal zu überdenken, nur Zwölf- bis 16-Jährige mit Vorerkrankungen impfen zu lassen. "Wenn wir jetzt so weiterimpfen wie die letzten Wochen, hätten wir in 90 Tagen alle über zwölf geimpft. Da sind wir aber skeptisch."

Mobile Impfteams sollen deshalb vor allem dort hinfahren, wo sich die Bürger in ihrer Freizeit aufhalten: zu Schwimmbädern, Vereinen, zu Wirtshäusern, auch zu Fastfood-Restaurants, Hotels, Supermärkten, Einkaufszentren und Jugendeinrichtungen. Das Landratsamt Traunstein etwa hat seinen Impfbus bereits am Samstag am Chiemseestrand in Übersee vorfahren lassen. Direkt vor der dortigen Beachbar ließen sich laut Landratsamt 35 Menschen impfen. Drive-in-Stationen sollen Impfen im Auto ermöglichen. An Familiensonntagen fürs Impfen sollen junge Impflinge vielleicht ein Eis bekommen, Geldgeschenke lehnt Söder jedoch ab.

Die Staatsregierung setzt auf andere Anreize. Sobald im Herbst mehr Jüngere vollständig geimpft sind, stellte Söder erstmals eine Öffnung von Clubs in Aussicht - nur für Geimpfte. Genauso müsse es Erleichterungen bei Quarantäneregeln nach Reisen für Geimpfte geben. Wer sich nicht impfen lassen will, darüber müsse man nachdenken, sagte Söder, soll seine Tests selbst zahlen, sobald alle Bürger ein Impfangebot erhalten habe. In Frankreich habe dies zu fast einer Million Neuanmeldungen für Impfungen geführt. Der Ministerpräsident forderte den Bund auf, rasch Kriterien festzulegen, ab wann neue Beschränkungen der Freiheitsrechte geboten sind. Die Inzidenz bleibt seiner Ansicht nach das maßgebende Kriterium, wobei mit steigender Impfquote höhere Inzidenzwerte als bislang geltend unproblematisch seien. Der Inzidenzwert müsse auch durch andere Kriterien wie die Belastung des Gesundheitssystems ergänzt werden.

Da Kinder und Jugendliche von den Auswirkungen der Corona-Pandemie besonders betroffen sind, schafft Familienministerin Caroline Trautner mehr Stellen, unter anderem für Sozialarbeit. Eine interaktive Aktion im Herbst in Zusammenarbeit mit dem Bayerischen Jugendring soll Kontakt- und Partizipationsformate im digitalen Raum erarbeiten.

© SZ vom 14.07.2021/heam
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