Hans Schuierer im Maximilianeum:Fast wie einst in Wackersdorf

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Hans Schuierer im Maximilianeum: "Es gibt sehr viele politisch einflussreiche Leute, die sich jetzt wieder als Befürworter der Kernenergie aufspielen", sagt der ehemalige Schwandorfer Landrat Hans Schuierer am Mittwoch im Bayerischen Landtag.

"Es gibt sehr viele politisch einflussreiche Leute, die sich jetzt wieder als Befürworter der Kernenergie aufspielen", sagt der ehemalige Schwandorfer Landrat Hans Schuierer am Mittwoch im Bayerischen Landtag.

(Foto: Johannes Simon)

Bei der Landtags-SPD schaut Hans Schuierer vorbei, die Legende des Widerstands gegen die WAA. Nun geht es wieder um die Atomkraft - und um die Stammtische.

Glosse von Andreas Glas

Am Mittwochmorgen weht ein Hauch von Widerstand durchs Münchner Maximilianeum. Hans Schuierer ist da, früher Landrat im Kreis Schwandorf in der Oberpfalz, inzwischen 91 Jahre alt. In den Achtzigerjahren hat Schuierer der Staatsregierung ziemlich Feuer gemacht, um in Wackersdorf die Wiederaufbereitungsanlage für Atommüll zu verhindern, dieses Ungeheuer mit den drei Buchstaben, die jeder in Bayern kennt: WAA.

Und nun? Ist Schuierer noch einmal nach München gekommen, um der Staatsregierung ein bisschen einzuheizen. "Es gibt sehr viele politisch einflussreiche Leute, die sich jetzt wieder als Befürworter der Kernenergie aufspielen", sagt Schuierer am Mittwoch. "Ich verstehe diese Leute nicht." Diese Leute - über wen Schuierer da wohl spricht?

Es ist ein schlauer PR-Schachzug der SPD, den bayerischen Anti-Atomkraftprotz schlechthin im Landtag zu präsentieren. Er fühle sich ja gerade sehr "an die Achtzigerjahre in der Oberpfalz erinnert", sagt SPD-Fraktionschef Florian von Brunn, dem das behutsame Zuspitzen nicht total fremd ist. Dann erzählt Schuierer, ihm sei damals von der CSU "immer gesagt worden, wie ungefährlich das ist" mit der Kernkraft und den Strahlen.

Daran fühlt er sich nun offenbar erinnert, wenn Ministerpräsident Markus Söder (CSU) nonstop die Laufzeitverlängerung der verbliebenen drei deutschen Kernkraftwerke fordert, darunter Isar II bei Landshut, das Ende 2022 vom Netz gehen soll. Wohnung heizen, Wirtschaft schützen, alles wichtig, sagt Schuierer über die Energiekrise. Aber macht das die Kernkraft weniger gefährlich? "Der Preis ist zu hoch", sagt Schuierer. Er wolle, dass "Kinder und Enkelkinder eine gesunde Energie haben, gesund aufwachsen können."

Wackersdorf Reloaded? Hans Schuierer rechnet fest mit Protesten, sollten die Kernkraftwerke weiterlaufen wie damals, sagt er. Allerdings, es gibt Umfragen, in denen sich viele Menschen offen zeigen für eine Zukunft der Atomkraft, um sich unabhängiger von russischer Energie zu machen. Sollte die Laufzeitverlängerung kommen, "würde sich der Wind aber schnell drehen", prophezeit SPD-Fraktionschef Brunn. Dass die Verlängerung kommt, ist allerdings unwahrscheinlich und liegt nicht in Händen der CSU. Die SPD schickt Schuierer trotzdem ins Feld. Um seine Motive macht Brunn da gar kein Geheimnis. Er wolle nicht, dass Söder bei der Kernkraft "die Lufthoheit über die Stammtische bekommt".

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