Mitten in Bayern:Das Treffen der Königinnen

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Die Freien Wähler haben Bayerns Influencerinnen nach Fürth geladen. Etliche hadern mit ihren Rollen.

Kolumne von Johann Osel

Weißwurstkönigin, Apfelkönigin, Honigkönigin oder Bierkönigin, Wein- und Spargelköniginnen sowieso, und was es sonst noch an Produkthoheiten gibt - Markus Söder hat sie praktisch alle schon getroffen. Auf gemeinsamen Fotos, sei es in Gruppenstärke bei den Neujahrsempfängen des Ministerpräsidenten, sei es einzeln auf Festen und Messen. Oft dabei ist Landwirtschaftsministerin Michaela Kaniber (CSU), die dann derart herzhaft lächelt, dass man ihr prompt Krone, Schärpe und jedwedes noch nicht monarchisch besetzte Biergartenschmankerl anvertrauen möchte. Es mag gerade nicht so rund laufen für die CSU - doch beim Königinnen-Kontakt macht ihr wohl keiner was vor.

Moment mal, dürften nun die Freien Wähler sagen: Wir sind die Experten! Nicht nur, weil auch Hubert Aiwanger gern mit Hoheiten posiert, sondern weil die Fraktion seit Jahren Netzwerktreffen mit der Zunft abhält, als Teil der Agrar- und Ehrenamtspolitik. Wie jetzt am Wochenende in Fürth, "Bayerische Produktköniginnen - wie gelingt der Neustart nach Corona?" war das Motto. "Großartig war's", berichtet Vize-Fraktionschefin Gabi Schmidt, an die 100 amtierende und ehemalige Hoheiten kamen zu dem Austausch. Um Selbstdefinition sei es etwa gegangen, die Königinnen seien ja auch "Influencer", die in sozialen Medien Jugendliche quasi über Landwirtschaft aufklärten. Aber auch um Probleme: dass die Fahrten zu Festen steuerlich nicht absetzbar seien, das will Schmidt in den Landtag bringen. Oder um Anzüglichkeiten und Grapschen, "da sollen sie sich ruhig wehren, auch die Zeiten des Altherrenwitzes im Bierzelt sind vorbei". Manche hadern auch damit, dass sie "oft belächelt" werden oder nur als "Beiwerk" von Politikern gelten.

Wobei, es ist eine Win-win-Situation: Die Königinnen und damit Bauern und Erzeuger erhalten mit jedem Polit-Promi-Foto mehr Aufmerksamkeit für Zuckerrübe, Mehl oder Most. Und die Volksvertreter können unkompliziert Bodennähe zeigen. Indes, man muss der Typ dafür sein. Vom Bundespräsidenten Theodor Heuss ist überliefert, dass ihn mal die Anfrage ereilte, ob er sich bei einer Reise von der Weinkönigin mit einem Kuss begrüßen lasse. Die Absage fiel distanziert aus, mit Anflügen von Entsetzen: Er sehe sich nicht als "Fremdenverkehrsartikel" - und für den Kuss sei er ganz sicher nicht der richtige Mann.

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