Anschlag Was man über die Bombe bislang weiß

Viele Fragen sind ungeklärt: Woher hatte der Mann die Rolle mit 50-Euro-Scheinen, die er bei sich trug? Ein mittelloser Flüchtling, der auch keinen Job hatte? Mit wem hat er vor der Tat so hektisch telefoniert, wie Zeugen berichten? Wo hat er die Bombe gebaut? Und wo hat er das wohl gelernt?

Viel spricht dafür, dass er im Bombenbauen nicht so versiert war. Seine Bombe war nach Informationen der SZ dilettantisch gebaut und entfaltete nicht die volle Wirkung. Sonst wäre seine Leiche noch stärker zugerichtet gewesen, da er den Rucksack mit der Bombe am Leib trug. Die meisten der Opfer wurden durch Glassplitter oder durch Gegenstände verletzt, die durch die Druckwelle umherflogen, nicht aber durch die scharfkantigen Metallsplitter in der Bombe.

So schildert es auch der frühere US-Soldat Ralph Millsaps, der zum Tatzeitpunkt im Garten von "Eugens Weinstube" war, wo Mohammad D. die Bombe zündete. Der frühere GI sprach von einem "Bömbchen" und fügte hinzu: "Es roch nach Diesel. Und die Haut fühlte sich klebrig an." In D.s Zimmer wurde ein Benzinkanister gefunden. Offenbar konnte D. unbemerkt Kanister und Säure dort horten. Ansbachs Oberbürgermeisterin Carda Seidel sagte, das Haus, in dem D. lebte, sei "eine kleine, relativ unkomplizierte Unterkunft". Dort gebe es keine Sicherheitskontrollen wie in den größeren Flüchtlingsheimen.

Immer deutlicher wird, dass der Attentäter wohl unter einer posttraumatischen Belastungsstörung litt, die er sich durch Krieg und Folter in Syrien zugezogen hatte. Die SZ sprach mit Gisela von Maltitz, der Geschäftsführerin des Therapiezentrums "Exilio" in Lindau, wo D. von Mai 2015 bis Januar 2016 behandelt worden war. "Herr D. berichtete uns von schwerster Folter in syrischen Gefängnissen", sagt Maltitz. "Er wurde persönlich gefoltert, wurde psychisch und physisch misshandelt, wurde Zeuge von Tötungen anderer, Ohrenzeuge von Folter anderer Gefangener. Des Weiteren verlor er seine Ehefrau und sein Kind durch einen Bombenangriff."

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Der Flüchtling wurde dann auch in Deutschland auffällig. Er ritzte sich die Arme blutig, zerschlug ein Waschbecken. Zweimal versuchte er, sich das Leben zu nehmen. Als sein Asylantrag abgelehnt wurde, weil er schon in Bulgarien Asyl bekommen hatte, drohte er, sich vor dem Bundesamt Zirndorf mit Benzin zu übergießen und sich anzuzünden. Er wurde in die Psychiatrie eingewiesen. Er blieb dort fünf Monate. Danach begann seine ambulante Therapie.

Es ist bekannt, dass die Terrororganisation Islamischer Staat sich verzweifelter, psychisch labiler Menschen bedient. Immer wieder wurden auch geistig behinderte Menschen als Selbstmordattentäter losgeschickt. Dass Mohammad D. im Jahr 2014 in Bulgarien verzweifelt war, das lässt sich gut nachvollziehen. Er hatte - belegt durch Röntgenaufnahmen - mehrere Granatsplitter in den Beinen und Knien, die ihn ständig schmerzten.

Ein Arzt in Sofia wies ihn mehrmals ins Krankenhaus ein, doch jedes Mal wurde der Flüchtling wieder weggeschickt. Zwischendurch erfuhr er nach eigenen Angaben, dass auch seine Eltern in Syrien in Haft waren. Erst in Österreich und dann in Deutschland wurde ihm geholfen. In Wien wurden seine Knie operiert, in Deutschland seine Psyche behandelt. Und er hatte ein, wenn auch kleines, Zimmer in einem Hotel.

Gisela von Maltitz weiß mittlerweile auch um das Bekennervideo, auf dem D. mit weiteren Anschlägen droht. "Es ist schwer nachvollziehbar, was Mohammad D. da auf dem Bekennervideo von sich gibt", sagt sie. "Dass er Deutsche töten möchte. Das klingt schon sehr auswendig gelernt für mich. Der Satz passt einfach nicht auf ihn."

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