Renault Kadjar im Fahrbericht Talentierter Nachzügler

Die Preise für den Renault Kadjar starten bei 19 990 Euro.

(Foto: JWO)

Renault drohte, den Trend zu kompakten SUVs zu verschlafen. Nun wollen die Franzosen mit dem Kadjar kräftig aufholen. Das könnte dank vieler Qualitäten gelingen.

Von Michael Specht

Es gab Zeiten, da schickte Renault Autos auf die Straße, die andere längst noch nicht hatten. Denken wir dabei nur an den R4, den Twingo, den Kangoo oder den Espace. Heute muss sich die französische Marke bemühen, den Anschluss zu halten. Das gilt insbesondere für das Thema SUV oder neudeutsch Crossover. Im Segment der kleinen Hochbeinigen hatte man zumindest vor zwei Jahren noch den richtigen Riecher: Der Captur ist in Deutschland inzwischen Bestseller in seinem Segment.

Renault Kadjar

Das Kompakt-SUV im Detail

Doch die Verantwortlichen in Paris scheuten sich lange, Vergleichbares eine Klasse höher zu tun. Hier führt unangefochten der VW Tiguan. Auch Hyundai, Kia, Toyota, Mitsubishi und Ford haben längst attraktive Modelle im Programm. Nicht zu vergessen Nissan: Renaults Schwestermarke landete schon 2007 mit dem Qashqai einen Volltreffer. Die Japaner und Franzosen arbeiten seit mehr als 15 Jahren zusammen. Umso unverständlicher ist Renaults langes Zögern.

Gutes Platzangebot

Nun soll jedoch alles besser werden. Der Kadjar nutzt die technische Plattform des neuen Qashqai und wird vom 21. Juni an bei den Händlern stehen. Mit einer Länge von 4,45 Metern positioniert er sich genau zwischen einem Renault Scénic und Mégane Kombi (Grandtour).

Fahrberichte Der Held soll wieder siegen
Fahrbericht Nissan Qashqai

Der Held soll wieder siegen

Qashqai, der zweite: Sparsame Motoren, Assistenzsysteme und Leichtbau sollen Nissans Erfolgsmodell wieder an die Spitze führen. Platzangebot und Einstiegspreis sind attraktiv, aber der Crossover hat auch einige Schwächen.   Von Georg Kacher

Weil er fast genauso niedrig ist wie der kleinere Captur, kann man dem Kadjar durchaus eine gewisse Sportlichkeit bescheinigen - zumindest optisch. Renault spricht wenig bescheiden von "athletisch-sinnlichen" Linien. Das wellige Design geht zumindest nicht zulasten der Insassen. Vorne wie hinten sind Kopf- und Beinfreiheit mehr als ausreichend. Auch in puncto Kofferraum zeigt der Kadjar, dass sich seine Entwickler ein paar mehr Gedanken gemacht haben als üblich. Ist der variable Ladeboden in der oberen Raste, können Getränkekisten und Ähnliches bequem hineingeschoben werden. Keine Stufe stört. Zudem lassen sich Teile des Ladebodens senkrecht arretieren, um Gegenstände zu trennen oder gegen Verrutschen zu sichern. Einziger Makel: Die Rücksitzlehnen fallen nicht komplett in die Waagerechte. Dennoch schluckt Renaults neues SUV bis zu 1478 Liter. Bei normaler Sitzanordnung sind es immerhin 472 Liter. Und gönnt man sich die umlegbare Beifahrersitzlehne, passen sogar Gegenstände bis zu 2,56 Meter Länge in den Kadjar.

Bei den Antrieben hält Renault am Downsizing fest. Kein Motor hat mehr als 1,6 Liter Hubraum. Zum Marktstart kann der Kadjar-Kunde zunächst zwischen einem 1,2-Liter-Benziner mit 130 PS, einem 1,5-Liter-Diesel mit 110 PS und einem 1,6-Liter-Diesel mit 130 PS wählen. Aktuell kann nur der 110-PS-Selbstzünder mit einem Doppelkupplungsgetriebe geordert werden, nur der 130-PS-Diesel ist mit Allradantrieb zu haben.