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Jeep Renegade 1.6 Multijet im Test:Mogel- statt Schlammpackung

Jeep Renegade

Der Grundpreis des Jeep Renegade liegt bei 19 900 Euro. Die gefahrene 1.6-Multijet-Version kostet mindestens 23 600 Euro.

(Foto: WGO)
  • Der Jeep Renegade mit dem 120-PS-Basisdiesel ist ausschließlich mit Frontantrieb zu haben. Andere Offroadhilfen fehlen ebenfalls.
  • Das Einstiegsmodell der Marke zeichnen eine hohe und übersichtliche Sitzposition, ein gutes Platzangebot und eine unkomplizierte Handhabung aus.
  • Beim täglichen Einsatz in der Stadt, über Land und auf der Autobahn zeigt er jedoch einige Schwächen, die ihn gegenüber den meisten Kompaktwagen ins Hintertreffen geraten lassen.

Renegade - übersetzt heißt das "Abtrünniger" oder "Überläufer". Klingt nach Abenteuer, Freiheit, Unangepasstheit, nach Schlammpackungen für die Karosserie, Wasserdurchfahrten oder knochenharten Schotterpisten. Nach einem kernigen Geländewagen mit Allradantrieb, Getriebeuntersetzung, sperrbaren Differenzialen. Und einem drehmomentstarken Motor, der das Auto mit purer Kraft aus dem Schlamm zieht, wenn es nicht mehr anders geht. Der also das technische Rüstzeug mitbringt, das ein Produkt der Marke Jeep auszeichnen soll.

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Das neueste Modell der amerikanischen Offroad-Institution hört auf diesen Namen - und sieht auch aus wie ein typischer Jeep. Der Renegade zeigt Ecken und Kanten, die Karosserie ragt weit in die Höhe, auch wegen der üppigen Bodenfreiheit von 17,5 Zentimetern, und die Räder rotieren in ausgestellten Radkästen. Die bei der Marke so traditionsreichen Rundscheinwerfer stehen ähnlich eng beieinander wie beim markantesten aller Jeep-Erzeugnisse, dem Wrangler, und werden von den sieben charakteristischen Vertikalstreben voneinander getrennt.

Die Ausrüstung fehlt

Technisch geht der Renegade, getestet in der 120 PS starken 1,6-Liter-Dieselversion, dagegen auf Distanz zu den anderen Jeeps. Zur Ausrüstung passt der Motor noch am besten. 320 Newtonmeter, bereitgestellt ab 1750 Umdrehungen, sind fast so viel, wie der 3,6-Liter-V6-Benziner des Wrangler bietet. Seine Kraft verteilt der Motor in dieser Renegade-Variante jedoch nicht auf alle vier Räder, sondern leitet sie nur an die vorderen weiter. Untersetzung, Differenzialsperren oder andere Offroadhilfen, die abseits befestigter Wege Vorankommen sichern, fehlen ebenfalls.

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Freunde des Querfeldeinfahrens dürften es inkonsequent finden, dass Jeep - wie so viele andere Marken auch - nun höhergelegte frontgetriebene Kompaktwagen anbietet. Wer aber im Auge behält, dass selbst ein so traditionsbeladener Autohersteller zuvorderst eine gewinnorientierte Firma ist, dem leuchtet Jeeps Markteintritt ins Segment der kompakten SUVs durchaus ein. In dieser Fahrzeugklasse, die in den meisten globalen Märkten die stärksten Zuwachsraten verbucht, sind keine überragenden Geländeeigenschaften gefragt, schließlich kommen die Autos meist nur im Großstadtdschungel zum Einsatz. Stattdessen achten SUV-Käufer auf eine hohe und übersichtliche Sitzposition, ein gutes Platzangebot und eine unkomplizierte Handhabung. Das alles wiederum bietet der Renegade.

Ordentliches Platzangebot

Der zwischen 351 und 1297 Liter große Kofferraum könnte im Normalzustand etwas größer sein, schließlich bietet der gleichlange VW Golf fast 30 Liter mehr. Aber die Passagiere haben genug Platz. Das Bedienkonzept folgt einem klassischen Touchscreen-Schema, ergänzt durch Tasten in der Mittelkonsole und am Lenkrad. Auch die Anzeigen sind ansehnlich. Allerdings könnte der berührungsempfindliche Bildschirm, der zudem leicht vom Fahrer weggedreht ist, sensibler auf Tastbefehle reagieren.

Der Innenraum des Jeep Renegade.

Übersichtlich, gut zu bedienen, schick anzusehen und mit ordentlichen Materialien ausgekleidet - das Renegade-Cockpit

(Foto: WGO)

Der Testwagen startet seinen Dieselmotor auf Knopfdruck. Dabei können Passanten erschrecken, denn selbst im Vergleich zu anderen Selbstzündern mit vier Zylindern ist das harte Verbrennungsgeräusch sehr laut - allerdings nur außen. Die Insassen bekommen davon wenig mit, was für eine gute akustische Isolierung des Innenraums spricht.