Panama Papers So reagiert Argentiniens Staatspräsident

Mauricio Macri wurde unter anderem mit dem Versprechen Präsident, Argentinien wieder zurück in den Kreis der vernünftig wirtschaftenden Nationen zu führen.

(Foto: dpa)

Mauricio Macri gilt als Überflieger. Nun droht das mühsam aufgebaute Image des Staatspräsidenten Schaden zu nehmen.

Analyse von Boris Herrmann, Rio de Janeiro

In den Panama Papers finden sich die Namen von 570 Argentiniern, die im Zusammenhang mit Offshore-Firmen von Mossack Fonseca stehen sollen. Dazu gehören der mehrmalige Weltfußballer Lionel Messi - und vor allem Staatspräsident Mauricio Macri. Zu sagen, das könnte in Argentinien ein kleines Erdbeben auslösen, wäre schwer untertrieben.

Mauricio Macri, 57, löste Ende vergangenen Jahres die umstrittene Präsidentin Cristina Fernández de Kirchner ab - unter anderem mit dem Versprechen, sein von allen internationalen Finanzmärkten abgeschnittenes Land wieder zurück in den Kreis der vernünftig wirtschaftenden Nationen zu führen. Macri ist ein Unternehmer aus reichem Elternhaus, tritt als Saubermann und Versöhner auf. Er hat im Eiltempo den scheinbar unendlichen Streit Argentiniens mit US-amerikanischen Hedgefonds beigelegt, wofür ihm weltweiter Applaus zuteil wurde. Mit den Enthüllungen der Panama Papers droht nun sein mühsam aufgebautes Image Schaden zu nehmen.

Mauricio Macri wird in den Archiven von Mossack Fonseca als Direktor der Offshore-Firma Fleg Trading Ltd. genannt, die 1998 mit einem Startkapital von 5000 Dollar auf den Bahamas eingetragen und 2009 wieder aufgelöst wurde. Von 2007 bis 2015 war Macri Bürgermeister von Buenos Aires. In den Dokumenten werden außerdem sein Vater Francisco sowie sein Bruder Mariano als Direktoren von Fleg Trading Ltd. genannt.

Das argentinische Präsidialamt teilt dazu mit: "Macri war niemals am Kapital dieser Gesellschaft beteiligt." Fleg Trading Ltd. habe mit der Unternehmensgruppe der Familie namens Socma in Verbindung gestanden. Bei deren Firmengründungen sei Señor Macri "gelegentlich" als Direktor genannt worden, ohne eine Aktienbeteiligung zu haben.

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Er soll zufällig Direktor einer Briefkastenfirma auf den Bahamas gewesen sein - Mauricio Macri wird es schwer haben, mit dieser Erklärung durchzukommen.

In Argentinien sind alle hochrangigen Politiker dazu verpflichtet, ihre Vermögenswerte offen zu legen. Macri hat seine wie auch immer geartete Beteiligung an Fleg Trading Ltd. offenbar nie angeben. Auch das erklärt er damit, dass er keine Aktien an der Offhore-Firma besaß. Sie tauche aber in der Vermögenserklärung seines Vaters auf, ließ er mitteilen.

Auffällig ist, dass der Staatspräsident - gemessen an der Schwere des Vorwurfs - bislang in den argentinischen Massenmedien noch halbwegs pfleglich behandelt wird, mit wenigen Ausnahmen. Zweifellos wäre seine Vorgängerin Kirchner längst von allen Seiten zum Rücktritt aufgefordert worden. Die großen Zeitungen in Buenos Aires aber behandelten den Fall von Daniel Muñoz, der ebenfalls in den Panama Papers belastet wird, am Montag zum Teil größer als den Fall Macri. Muñoz ist der ehemalige Privatsekretär von Cristina Kirchners verstorbenem Ehemann und Vorgänger Néstor Kirchner.

Die Chefin der argentinischen Anti-Korruptionsbehörde, Laura Alonso, verteidigt Präsident Mauricio Macri. Sie wies darauf hin, dass es sich nicht um eine Straftat handle, wenn jemand eine Briefkastenfirma in einem Steuerparadies gründe. Erst müsse nachgewiesen werden können, dass diese Firma für strafbare Aktivitäten wie Geldwäsche oder Steuerhinterziehung benutzt worden sei. Alonso wird nun ihrerseits dafür kritisiert, dass sie dem Präsidenten allzu schnell beispringe. Die argentinische Anti-Korruptionsbehörde (Oficina Anticorrupción, OA) untersucht Korruptionsfälle auf Bundesebene, sie ist dem Justizministerium unterstellt.

"Argentinien kehrt in die Welt zurück", das war einer der zentralen Parolen von Mauricio Macri im zurückliegenden Präsidentschaftswahlkampf. Die tendenziell Kirchner-freundliche Zeitung Página 12 hat den Satz nun groß auf ihren Titelseite geschrieben, quer über den Kopf des Präsidenten. Die Welt, in die das Argentinien Macris zurückkehrt, ist eine Schattenwelt, soll das heißen.

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