Ausschreitungen im Süden der Ukraine 37 Menschen sterben bei Brand in Odessa

Polizisten vor dem brennenden Gewerschaftsgebäude in Odessa.

(Foto: REUTERS)

+++ Unruhen erreichen Süden der Ukraine, 37 Tote nach Brandstiftung in Gewerkschaftsgebäude +++ Führung in Kiew räumt Probleme bei Offensive in Slawjansk ein +++ UN-Sicherheitsrat ruft Sondersitzung zur Ukraine ein +++

Die Entwicklungen im Newsblog. Von Antonie Rietzschel
  • Nach Ausschreitungen zwischen Anhängern Kiews und Moskaus brennt das Gewerkschaftshaus in Odessa. Dutzende Menschen sterben. Bisher war die südukrainische Stadt Odessa von den Unruhen im Osten des Landes verschont geblieben
  • Ukrainische Offensive in Slawjansk geht nur langsam voran
  • Vier Verdächtige nach Abschuss von Militärhubschrauber nahe Slawjansk festgenommen
  • Auf Drängen Russlands trifft sich UN-Sicherheitsrat zu Sondersitzung

Dutzende Tote in Odessa: Im ukrainischen Odessa sind nach einem Brand in einem Gewerkschaftshaus dem Innenministerium zufolge mindestens 37 Menschen ums Leben gekommen. Einige starben demnach, als sie aus dem brennenden Gebäude sprangen. Andere seien Rauchvergiftungen erlegen, teilten die Polizei mit. Sie spricht von Brandstiftung. Auf Youtube kursiert ein Video, das zeigt, wie Unbekannte Molotow-Cocktails auf das Gebäude werfen. In der Hafenstadt am Schwarzen Meer waren im Verlauf des Tages bei Ausschreitungen zwischen prorussischen Separatisten und Anhängern der Regierung in Kiew mindestens vier Menschen getötet worden. Bisher war die südukrainische Stadt Odessa von den Unruhen im Osten des Landes verschont geblieben.

Ukrainische Führung räumt Probleme bei Offensive ein: Die Operation in der ostukrainischen Stadt Slawjansk gehe "nicht so schnell voran, wie wir uns das wünschen", sagt Übergangspräsident Alexander Turtschinow. Grund sei, dass sich die "Terroristen" in bewohnten Gebieten verschanzten und Zivilisten als Schutzschilde missbrauchten. Die Einsatzkräfte hätten aber alle Stellungen um die Stadt herum in ihre Gewalt gebracht und dem Gegner "schwere Verluste" zugefügt, behauptet Turtschinow. So solle es unter den prorussischen Separatisten viele Tote geben. Die Regierung in Kiew hat am Morgen einen "Anti-Terror-Einsatz" gegen prorussische Aktivisten in Slawjansk und Kramatorsk begonnen. Der russische Präsident Wladimir Putin warf der ukrainischen Regierung daraufhin vor, mit dem Einsatz gegen moskautreue Aktivisten die "letzte Hoffnung" auf die Umsetzung des Genfer Abkommens zu zerstören.

Vier Männer nach Abschuss von Militärhubschrauber festgenommen: Das ukrainische Verteidigungsministerium zeigt auf seiner Internetseite Bilder von den Verdächtigen. Sie sollen auf zwei Kampfhubschrauber vom Typ Mi-24 geschossen haben und für deren Absturz verantwortlich sein, heißt es. Nach Angaben des Verteidigungsministeriums starben dabei die beiden Piloten, mehrere Besatzungsmitglieder seien verletzt worden.

UN-Sicherheitsrat ruft Sondersitzung zur Ukraine ein: Auf Drängen Russlands hin wird sich der UN-Sicherheitsrat bei einer weiteren Sondersitzung mit der Krise in der Ukraine befassen. Das Treffen sei für 18.00 Uhr angesetzt, teilen die Vereinten Nationen mit. Russland beantragte die Sitzung des UN-Gremiums. Moskau übt scharfe Kritik am militärischen Vorgehen der Ukraine gegen Separatisten in der Stadt Slawjansk. Der Rat hatte in den vergangenen Wochen bereits mehrfach Sondersitzungen zur Ukraine abgehalten. Dabei hatten sich einige der 15 Mitglieder teils heftig gestritten. Etwas Greifbares war aber bislang nicht herausgekommen. Einen Resolutionsentwurf, mit dem das Referendum zum Anschluss der Krim an Russland verurteilt werden sollte, hatte Moskau mit seinem Veto blockiert.

Merkel und Obama machen neue Sanktionen von Wahl abhängig: Der 25. Mai als entscheidendes Datum - die Ukrainer müssten bei ihrer Präsidentschaftswahl "frei entscheiden" dürfen, fordert Kanzlerin Merkel bei ihrem Besuch in Washington. US-Präsident Obama droht dem russischen Präsidenten Putin mit "steigenden Kosten". Die aktuellen Entwicklungen im Liveblog.

Bundesregierung berichtet von Kontakt zu OSZE-Militärbeobachtern: Trotz der Gefechte in der Ostukraine ist der Kontakt zu den dort festgehaltenen OSZE-Militärbeobachtern Angaben der Bundesregierung zufolge nicht abgerissen. "Es hat heute einen Kontakt gegeben", sagt ein Sprecher des Auswärtigen Amtes. Einzelheiten wollte er nicht nennen. Der Sprecher verweist darauf, dass die Verhandlungen über eine Freilassung der Männer von der OSZE geführt würden. Den Stand "dieser vertraulichen und äußerst schwierigen Verhandlungen" könne er nicht kommentieren. Das dänische Militär hat zuvor mitgeteilt, dass es den Festgehaltenen den Umständen entsprechend gut gehe. Der Milizenführer Wjatscheslaw Ponomarjow sagte der Bild-Zeitung, die Geiseln seien "alle an einen sicheren Ort außerhalb der Kampfzone gebracht" worden.

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